Truck Stop Women (1974)

Auf dem Asphalt tobt ein Krieg über die Herrschaft auf den Highways. Die hartgesottene Unternehmerin Anna führt einen erfolgreichen Truck-Stop mit Motel und Restaurant. Doch all das ist nur Fassade für ihr eigentliches Kerngeschäft – einer lukrativen Mischung aus Bordell, Diebstahl- und Schmugglerring. Dem organisierten Verbrechen sind ihre gewinnbringenden Aktivitäten schon lange ein Dorn im Auge. Einer der führenden Mafiakiller macht sich aus diesem Grund an Rose, Annas hübsche Tochter, heran. Durch sie will er den Truck Stop übernehmen und Anna ausschalten. Doch die ahnt bereits, was das Kartell plant und schmiedet tödliche Gegenpläne.

 

Gestandene Frauen, die selbst zur Waffe greifen und sich gegen das männliche Geschlecht behaupten. Dieses feministische Motiv, welches man im Mainstreambereich auch heute noch oft vermisst, war in den 70er Jahren ein beliebtes Mittel für einschlägige Genre Produktionen des berüchtigten Grindhouse-Kinos. Genau in diese Kerbe schlägt „Truck Stop Women“ und entführt uns in die Welt schmieriger Highway-Raststätten in denen Frauen die Hosen anhaben, was aber mehr bildlich gemeint ist.

Die Geschichte ist dabei, wie bei vielen Grindhouse-Filmen, denkbar einfach. Es geht um einen kleinen Bandenkrieg auf den Highways in New Mexico, auf denen Anna mit ihrem Truck Stop das Sagen hat. Mit Prostitution, Diebstählen und Schmuggel hat sie sich ein kleines Imperium aufgebaut, was nun von der Mafia bedroht wird, die den Laden gerne übernehmen möchte. Diese lapidar einfache Grundsituation ist recht gut umgesetzt und man erkennt schon in diesem Frühwerk, dass Regisseur Mark L. Lester das inszenieren durchaus drauf hat. Schöne Kamerafahrten über die Highways lassen nostalgische Erinnerungen alá „Convoy“ wachwerden und trotz des geringen Budgets wurde versucht das Maximum herauszuholen. Besonders in den Action betonten Szenen kann das der Zuschauer sehr gut sehen. Zwar sind hier keine großartigen Effekte vorhanden, jedoch kommen die Verfolgungsjagden und Keilereien mit Lastwagen gut zur Geltung und man hat sich Mühe gegeben das Optimum abzuliefern. Das bereits angesprochene feministische Motiv kommt gut rüber, besonders wenn zum Schluss Annas Prostituierte mit Maschinengewehren ein Auto zerschießen, sieht das schon ziemlich cool aus und auch die Handlung über Rose, die zwischen beiden Seiten steht und man nie genau weiß für wen sie jetzt handelt ist gut und durchaus spannend umgesetzt, so dass auch das Ende durchaus überraschen kann. Dieses schwelgt in der klassischen Showdown Situation alter Western und hat eine coole Atmosphäre. Natürlich ist der Film aus heutiger Sicht sehr behäbig und auch im Mittelteil etwas Dröge. Mir selbst als Exploitation-Liebhaber fehlt etwas das Schräge und Andersartige, sowie eine gute Portion Sleaze, was nicht heißt das der Film nicht unterhaltsam wäre. Der Streifen hat einfach diesen 70er Vibe, der sich von Beginn an durchzieht. Diese Welt, die der Film zeichnet ist durchaus interessant und es macht Spaß den Figuren zu zuschauen. Jedoch ist mir der Film zu zahm um ein richtiger Kracher zu sein. Von Mark L. Lester, der unsere Welt mit Perlen, wie „Die Klasse von 1984“, „Showdown in Little Tokyo“ und natürlich „Phantom Kommando“ bereichert hat, hätte ich da etwas mehr Vollgas-Mentalität und mehr Bad-Ass Momente erwartet. Ich denke es ist dem mageren Budget geschuldet, dass er nicht mehr machen konnte aber Schwamm drüber. Dafür bekommt man einige Titten zusehen, was eine minimale Entschädigung ist, jedoch sind diese, wie auch die kleinen Stunts sehr amüsant. Besonders erwähnenswert ist sicherlich eine Szene in der Mitte des Films, die wie ein Musikvideo wirkt. Das ist total überraschend aber auch total schräg und zu dem spaßig, denn auch der Soundtrack macht einiges her und besteht aus klassischen amerikanischen Country-Songs, die perfekt in die Szenerie passen und den Film schon fast zum „Feel-Good-Movie“ machen und ich mich audiovisuell schon fast bei „Smokey and the Bandit“ von 1977 befand. Die Darsteller agieren routiniert und sind bis auf Claudia Jennings nicht sonderlich erwähnenswert, da sich sonst kein bekannter Name unter der Besetzung findet. Jennings war Playmate, kann nicht spielen aber sieht sehr ansprechen aus, ich wollte das nur mal erwähnt haben. Besonders schön kommt der Film in der neuen Veröffentlichung von „Xcess Entertainment“ daher, die ein gut gestaltetes Mediabook an den Start bringen. Bild- und Tonqualität können vollends überzeugen und die Edition wartet mit ein paar sehr guten Bonusfeatures auf: Ein sehr informatives Interview mit Mark L. Lester, ein, wie alle seine Arbeiten, fantastischer Audiokommentar von Marcus Stiglegger zusammen mit Katrin Groß, sowie ein Booklet mit einem tollen Text Stigleggers zu Regisseur Mark L. Lester. Eine rundum gelungene Veröffentlichung zu einem Film, den wohl niemand auf dem Zettel hat.

„Truck Stop Women“ ist ein klassischer „Drive-In Streifen“ aus dem Jahr 1974. Gute Momente, interessante Handlungselemente, cooler Soundtrack und einige schöne Actionmomente bilden einen unterhaltsamen Genre-Film, der trotz seiner Vorzüge etwas austauschbar und unaufregend bleibt um richtig zu rocken. Allein durch die schöne Edition, sei der Film, Fans des Grindhouse-Kinos ans Herz gelegt, alle anderen werden daran wahrscheinlich nicht viel Freude haben.