Top Job – Diamantenraub in Rio (1967)

Rio de Janeiro: Dreißig lange Jahre konnte der Lehrer Prof. Anders (Edward G. Robinson) wieder und wieder beobachten, wie in einer Diamantenbörse gegenüber der Schule Edelsteine im Millionenwert übergeben und aufbewahrt werden. Er entwickelt einen raffinierten Plan, um mit einer Truppe von Einbruchsspezialisten, die er rund um den Globus rekrutiert hat, an den wertvollen Schatz zu gelangen.

Das Genre des sogenannten Heist-Films erfreut sich seit jeher großer Beliebtheit. Spektakuläre Einbrüche und Raubzüge im filmischen Gewand sind auch heute noch eine beliebte Spielart der Krimiästhetik. Der 1967 erschienene „Tob Job – Diamantenraub in Rio“ gehört zu frühen, stilbildenden Vertretern, welcher mittlerweile, zu Unrecht, etwas in Vergessenheit geraten ist. Mit Starbesetzung, geschickter Inszenierung und unwiderstehlichem 60er Jahre Flair schickt Regisseur Giuliano Montaldo seine Akteure an den Zuckerhut für eine spannende und vergnügliche Gauner-Geschichte.

2001 brachte Steven Soderberghs „Ocean‘s Eleven“ den Heist-Film wieder auf die großen Leinwände zurück. Viele vergessen, dass auch schon diverse Stars vor George Clooney, sich an großangelegten Raubzügen versuchten. Egal ob Michael Caine in „Charlie staubt Millionen ab“ oder Frank Sinatra in „Franky und seine Spießgesellen“. Sie alle prägten die gängigen Muster des Heist-Films, dessen Konventionen meist nach demselben Schema funktionieren aber immer viel Spaß und Spannung bringen. „Top Job – Diamantenraub in Rio“ ist in diesem Sinne ein klassischer Vertreter, denn auch dieser Film aus dem Jahre 1967 verläuft nach einem bestimmten Schema: Es gibt einen Plan, Spezialisten werden rekrutiert, der Heist wird vorbereitet, es gibt Komplikationen, es entsteht eine Situation, die keiner eingeplant hat, der Heist wird durchgeführt und zum Schluss gibt es noch einen Twist. Diese Formel wird in „Top Job“ bis zum letzten Punkt angewandt, was aber nicht bedeutet, dass der Film langweilig wäre. Giuliano Montaldo, der sonst eher im filmischen Neo-Realismus unterwegs war, und dessen Filme, wie „Die im Dreck krepieren“ mit Franco Nero oder „Sacco und Vanzetti“ mit Gina Maria Volonte eher ernsthafte Gesellschafts-Dramen und Sittengemälde darstellen, als reines Unterhaltungskino. So bildet der Ganoven-Film eine kleine Ausnahme in der Filmographie des 86-jährigen Filmemachers. „Top Job“ ist definitiv sein leichtester und zugänglichster Film, war er doch der erste große Spielfilm des Regisseurs. Jedoch inszeniert Montaldo auch hier mit viel Fingerspitzengefühl. Die Location des Films, Rio de Janeiro, fängt der Italiener gekonnt ein und präsentiert uns schöne und malerische Bilder der südamerikanischen Metropole. Auch der Karneval hält Einzug in den Film und erzeugt ein exotisches Ambiente. Montaldo hält sich, wie schon erwähnt, an die Gesetze des Genres, schafft es aber diese spannend zu erzählen. Hauptpunkt ist natürlich der Raub an sich, der im Film mit einigen Komplikationen versehen ist. Teilweise zwar recht Over-The-Top, jedoch zu keiner Sekunde langweilig. Hier zeigt der Film ein gutes Gespür für Timing und Spannung und auch der Twist zum Ende des Films kommt gut und überraschend daher.

Großen Anteil daran haben sicherlich die einzelnen Figuren, die, Genretreu, unterschiedliche Charaktere sind. Da wären der Aufreißer und selbstsichere Playboy Jean-Paul, der gelassene und hochkonzentrierte Safeknacker Gregg, der nervöse und unsichere Technikspezialist Agostino und der entschlossene und mit Killerambitionen versehene Ex-Soldat Erich und natürlich der besonnene Urheber des Unterfangens, Prof. Anders, der sich weitestgehend im Hintergrund hält. Diese Figuren erzeugen eine ganz eigene Gruppendynamik, die auch die ruhigen Szenen extrem spannend und interessant macht. Was zu diesem Aspekt beiträgt ist die Tatsache, dass jede Figur mit eigenen Problemen konfrontiert wird, was die einzelnen Personen ambivalenter und dreidimensionaler macht. Gregg und Augostino zum Beispiel, stoßen an ihre Grenzen, da sie eine Technik überlisten müssen, mit der sie keine Erfahrung haben. Jean-Paul, der sonst so selbstverliebt und sicher ist, blitzt bei seiner Zielperson Mary-Ann ständig ab, was ihn enorm unter Druck setzt und nervös werden lässt. Zu guter Letzt wäre da noch Erich, der immer öfters, aufgrund der Komplikationen die Beherrschung verliert und versucht seine Aggressionen zu kontrollieren. Aus diesen Verhalten entwickelt sich eine ganz eigene Spannung, so dass man beim eigentlichen Heist schön mitfiebern kann. Für solche Charaktere braucht man natürlich geeignete Darsteller. Man konnte für die deutsch-italienisch-spanische Ko-Produktion einen tollen Cast zusammentrommeln. Der österreichische Star Robert Hoffmann, Hichtcock-Aktrice Janet Leigh, Bond-Bösewicht Adolfo Celi, Schauspiel-Legende Edward G. Robinson und Deutschlands Export-Schlager Klaus Kinski brillieren in ihren Rollen und sind mit viel Verve bei der Sache, was den Film nur noch sehenswerter macht. Auch die Musik ist ein Genuss. Italiens Filmmusik-Legende Ennio Morricone beweist einmal mehr, dass er nicht nur Musik für Italo-Western komponieren kann, sondern auch für leichte Unterhaltungsmusik ein Händchen hat. Mal klassisch, mal poppig, mal verspielt. Der Score ist ein echter Ohrwurm, der mit seinen Rhythmen und experimentellen Sounds die exotischen Bilder fantastisch ergänzt. Wer auf den Geschmack gekommen ist, kann diesen Film in einer neuen DVD-Edition erwerben. Das deutsche Label „Filmjuwelen“ veröffentlicht viele ältere, vor allem viele deutsche, Genre-Filme und hat „Top Job“ eine Auflage spendiert. Im schönen Schuber mit Booklet und Bonusmaterial kann man den Heist-Film relativ günstig kaufen.

„Top Job – Diamantenraub in Rio“ ist ein waschechter Heist-Film. Exotische Location, tolle Darsteller, tolle Musik, Spannung und ein unverkennbar lockeres 60er Jahre Flair zeichnen dieses Juwel aus. Ein exzellenter Krimi für den kuscheligen Sonntagabend. Sehr zu empfehlen.

DVD von “Filmjuwelen”:

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