Edgar Wallace: Das Gesicht im Dunkeln (1969)

Deutschland/Italien 1969
mit Klaus Kinski, Christiane Krüger, Günther Stoll, Sydney Chaplin
Drehbuch: Paul Hengge, Riccardo Freda
Regie: Riccardo Freda
Länge: 81 Minuten
FSK: ab 12 Jahren

“Hallo, hier spricht Edgar Wallace Vol.18”

Der Sportwagen von Helen Alexander, Tochter eines schwerreichen Autofabrikanten, wird total ausgebrannt aufgefunden. Die Polizei geht zunächst von einem Verkehrsunfall mit tödlichen Folgen aus, doch Inspektor Steevens will der Sache nicht trauen. Er sucht John, den Mann der Verstorbenen, auf, der den kriminalistischen Fragen auf eigenartige Weise ausweicht. Und eine ungewöhnliche Tatsache speist Inspektor Steevens Verdacht: Erst vor kurzer Zeit hat die schwerreiche Helen ihren Mann als Alleinerben eingesetzt. John wiederum hat nach dem Unfall ein eigenartiges Erlebnis: Eine Unbekannte taucht in seiner Villa auf und bittet ihn, sie auf eine Party zu begleiten. Auf dem ominösen Fest werden Pornofilme vorgeführt und John macht eine schreckliche Entdeckung…

Ab 1967 liefen der Edgar Wallace-Reihe langsam ein bisschen die Zuschauer weg. Neue Schauspieler, neue Geschichten und dass die Filme etwas auf jung getrimmt wurden, kamen beim Stammpublikum nicht so wirklich an. Horst Wendlandt erkannte die Zeichen der Zeit und wollte die erfolgreiche Kino-Serie in eine neue Richtung lenken. Aus den seichten Grusel-Krimis made in Germany, sollten internationale Thriller werden, die man gut in anderen Ländern vermarkten könnte. Die deutsch/italienische Ko-Produktion „Das Gesicht im Dunkeln“ war der erste Versuch dieser Neuausrichtung und ging zu Recht völlig baden.

 

Alte Schlösser, skurrile Figuren, Nebelschwaden, seichter Grusel und Humor. Das waren die festen Merkmale der Edgar Wallace Filme. Mit „Das Gesicht im Dunkeln“ wehte ein deutlich anderer Wind durch die deutschen Lichtspielhäuser, denn die italienische Fraktion übernahm 70 Prozent der Produktionskosten und warf die Trademarks der erfolgreichen Reihe über Bord. In ihren Augen funktionierte das bewehrte Konzept nicht mehr, so dass der 1969 erschienene Film einen Psycho-Thriller darstellt. Ist ja auf den ersten Blick nicht verkehrt, denn als Fan von Gialli und weiteren düsteren Genre-Produktionen unserer südländischen Freunde, bin ich solch einem Richtungswechsel erst mal aufgeschlossen. Doch mit dem 29. Film der Reihe legte Rialto-Film eine Bruchlandung hin, denn „Das Gesicht im Dunkeln“ ist ein langatmiger, stümperhaft gemachter Streifen, der zu keiner Sekunde wirklich fesseln kann. Die Geschichte an sich ist gar nicht mal scheiße, denn Regisseur Riccardo Freda bedient sich bei Hitchcock und mischt das Ganze mit Film-Noir Elementen. Sicher keine verkehrte Idee, jedoch ist die Story sterbenslangweilig. Ohne Gespür für Dramaturgie, Timing und geschickte Twists wichst Freda seelenlos ein C-Movie herunter, welches zwar versucht ein hochklassiges Produkt zu sein, jedoch in vielen Szenen seinen zusammengeschusterten Charakter offenbart. Es dauert gefühlte 40 Jahre, bis der Film in irgendeiner Form Entwicklung zeigt. Man hält sich mit Nebensächlichkeiten auf und stolpert letztendlich über die eigene Belanglosigkeit. Zum Ende hin versucht man sich an einem Twist, der aber, nachdem man 75 Minuten gähnende Langeweile ertragen musste, auch keine Sau mehr vom Hocker haut. Es wirkt alles tranig, langatmig und fad. Dem Film fehlt jegliche Rasanz und wirkt somit wesentlich altbackener als die frühen Wallace-Verfilmungen, und das, obwohl die ja noch in s/w waren.

 

Ganz großes Manko in diesem Schmarrn sind die Effekte. Für Crash-Szenen benutze man Miniaturmodelle, die aber so schlecht gemacht sind, dass man sich eigentlich fremdschämen muss. Jeder Italo-Trasher von Antonio Margheriti hat überzeugendere Miniatur-Szenen, dich realistischer aussehen, als das was wir in diesem Machwerk geboten bekommen. Es wirkt fast so, als habe man ein 9-jähriges Kind damit beauftragt diese Szenen zu arrangieren. Dagegen wirken die Vorgänger, wie Hochglanzfilme aus Hollywood. Ebenfalls ist das Ganze stümperhaft geschnitten und strotz nur so von Anschlussfehlern. Auch die Leinwände bei Autofahrten oder zum Schluss als Kirchen-Kulisse sind so grottig, wie ich es selten in meinem Leben gesehen habe, und ich hab viel Müll gesehen. Über die, zu arg, beschleunigte Verfolgungsjagd am Schluss will ich gar nicht reden. Aber trotz allem Gemecker gibt es auch gute Aspekte in diesem desaströsen Film zu entdecken, denn die Besetzung ist ganz cool. Allen voran Klaus Kinski, der hier seine erste große Hauptrolle bestritt sich alle Mühe und kann glänzen. Wenn er, im Trenchcoat, durch das nächtliche London schlendert, ist das schon sehr cool und atmosphärisch. Auch die restlichen Darsteller machen einen guten Job. Christiane Krüger hat Schwung und Sydney Chaplin, Sohn von Charly Chaplin, ist ein nettes Extra. Lediglich Günther Stoll als Inspektor ist sehr farblos, wie auch schon bei seinem ersten Wallace-Auftritt in „Der Bucklige von Soho“. Ebenfalls sehr geil ist der Score von Nora Orlandi, welche auch mit ihrer eigenen Stimme zu hören ist. Da sind Ohrwürmer dabei, die lange im Kopf bleiben und eine tolle akustische Atmosphäre erzeugen, die der Film zu keiner Zeit erreicht. Eigentlich ist die Musik schon zu gut für diesen Streifen. Horst Wendlandt merkte sehr schnell, dass er sich selbst ins Knie geschossen hatte, weswegen „Das Gesicht im Dunkeln“ der erste Wallace-Film der Reihe ist, bei dem Wendlandts Name nicht im Vorspann erscheint, er wusste schon warum. Der Film ist auch, zu Recht, der größte Misserfolg der Reihe und fand kaum Publikum, so dass es zwei Jahre dauerte, bis man sich an einem weiteren Krimi der Marke versuchte.

 

„Das Gesicht im Dunkeln“ ist ein langweilig und stümperhaft zusammen geschusterter Müll. Der Film kommt nicht in Fahrt, die Effekte sind grottig und die 80 Minuten fühlen sich wie zwei Stunden an. Lediglich die Performance Kinskis und der tolle Score bringen noch etwas Positives ein, aber ansonsten ist dieser Film, der mit Abstand schlechteste der gesamten Serie.

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