20.000 Meilen unter dem Meer (1954)

Ein vermeintliches Seeungeheuer, dass Mitte des 18. Jahrhunderts unzählige Schiffe in den Tiefen des Ozeans versenkt, entpuppt sich als ein Meisterwerk der Ingenieurskunst des brillanten Kapitän Nemos, der mit seinem U-Boot, der Nautilus durch die Meere fährt. Nemo hat sich von der mal wieder im Krieg befindlichen Menschheit abgewandt und sich sein Reich unter dem Ozean erschaffen. Als er erneut ein Schiff versenkt, rettet er aber einige der in Seenot geratenen, die sich Nemo als Professor Pierre Aronax, dessen Diener Conseil und dem rebellischen Seemann Ned Land vorstellen. Aronax ist begeistert und nahezu geblendet von dem technischen Wundergefährt namens Nautilus und dessen Kapitän, während Land nur noch an eines denken kann: an Flucht, was natürlich für Spannungen an Bord des Unterseebootes sorgt…

 Jules Vernes Roman 20.000 Meilen unter dem Meer ist mit Abstand sein bekanntestes Buch neben Die phantastische Reise zum Mittelpunkt der Erde und gehört mit Sicherheit zu seinen eindrucksvollsten Geschichten. Richard Fleischer, Regisseur unter anderem von Die Phantastische Reise und dem Gruselfilm Amityville 3 inszenierte zusammen mit Walt Disney 1954 dieses wunderbare Unterwasser-Abenteuer, das eigentlich die dritter Verfilmung seit dem Stummfilm von 1907 von Georges Méliès darstellt und der weitere 5 Neuverfilmungen, die letzte 2007, folgten.

Aber 20.000 Meilen unter dem Meer ist nicht einfach nur ein Abenteuerfilm, der schöne Unterwasseraufnahmen zu bieten hat, die teilweise in einem Wassertank im Studio und vor der Küste der Bahamas gedreht wurden, sondern ist wie Vernes Buchvorlage eine Kritik an der Kriegstreiberei der Menschen. Gerade zur Zeit des kalten Krieges, als 20.0000 Meilen unter dem Meer gedreht wurde, konnte man diesen Film beinahe als Anti-Kriegsfilm verstehen wegen der Darstellung einer alles zerstörenden atomaren Explosion, die aber nicht wie erhofft überall Zustimmung fand, da viele Amerikaner langsam zu zweifeln begannen, ob die Atombombe nicht eher Fluch als Nutzen war und diese Filmszene eher negativ auf  die ohnehin schon skeptischen Zuschauer wirkte. Da Walt Disney eher für die damalige US-Regierung unter Eisenhower eine unterstützende Kraft in der Atom-Politik galt, und sein Abenteuerfilm um Kapitän Nemo beinahe eher als Kritik an der Atombombe missverstanden werden konnte, legte Disney ein Jahr später den Pro-Atombomben-Propagandafilm  Our Friend the Atom  nach.

Politische Ambitionen oder nicht…. ein recht junger Kirk Douglas spielt hier gekonnt den rauen streitsüchtigen, aber sympathischen Seemann Ned Land (komischer Name für einen Seemann^^), der seine Freiheit mehr liebt als Gold und Reichtum, den er dankend ablehnt. Im Grunde genommen stellt Douglas’ Charakter den moralischen Part in dem Film dar, der vielleicht die Nudelholztaktik anwendet, aber im wesentlichen den Freiheitsbegriff, so wie die US-Amerikaner ihn damals allzu gern verstanden, verkörpert. James Mason, der auch in der Jules Verne-Verfilmung Die Reise zum Mittelpunkt der

 Erde von 1959 zu sehen ist, gibt hier einen faszinierenden Kapitän Nemo ab, einen Mann, den man mit gemischten Gefühlen betrachten kann, da seine Motivation den Krieg abschaffen zu wollen, ehrenhaft, aber seine Methoden doch zweifelhaft sind. Und auch wenn Nemo oft grausam erscheint, so ist der Mann auf seine Art ein Schöngeist (unter Wasser). Den etwas witzigen Part neben Kirk Douglas hat der Charakter des Dieners Conseil gepachtet, der von Peter Lorre zum Besten gegeben wird, den einige aus Unternehmen Feuergürtel oder an der seite von Humphy Bogart in Casablanca als Ugarte kennen werden. Professor Aronax, einen typischen Wissenschaftler mit der neugier eines Kindes, wurde von dem in Budapest geborenen und 1971 in Marocco verstorbenen Paul Lucas gespielt, der mit Elvis Presley in der Musikkomödie Acapulco von 1963 vor der Kamera agierte.

Wie auch immer…^^ 20.000 Meilen unter dem Meer besticht durch seine tollen Spezial Effekte, für die die Walt Disney Studios 1955 einen Oscar erhielten und ebenso einen für die tollen Dekorationen und Kulissen. Der Film ist ein wahrer Augenschmaus. Bunte und überwältigende Bilder werden von einer fantastischen Musikuntermalung von Paul Smith zu einer herrlichen Komposition zusammen gefügt, die im Kino wohl auf großer Leinwand um so beeindruckender gewesen sein muss. Smith komponierte übrigens auch zu anderen Walt Disney Filmen wie den Trickfilm Pinoccio von 1940 oder Der unheimliche Zotti von 1959 die Filmmusik.

Noch heute zählt Richard Fleischers 20.000 Meilen unter dem Meer zu den beliebtesten Verfilmungen des Buches von Jules Verne, auch wenn Fleischer sich nicht so ganz getreu an die Buchvorlage hielt und einiges abänderte. Trotzdem ist der Film ein wahrer Klassiker und gehört in jede Filmsammlung eines Freundes dieser Filme. Vom Label Walt Disney gibt es 20.000 Meilen unter dem Meer in zwei verschiedenen DVD-Auflagen, der Abenteuer-Klassiker-Ausgabe und als Special Edition sowie von der süddeutschen Zeitung herausgebrachten SZ junge Cinemathek – Reihe. Ansonsten läuft der Film immer mal wieder im Free-TV und auch da lohnt sich das Anschauen immer wieder^^

Als 3. (inoffizielle) Fortsetzung gilt auch Kapitän Nemo / Captain Nemo and the Underwater City , den es leider auf keinen käuflich zu erwerbenden Medium gibt.

Wertung:10/10 Punkte 

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