Alien 3 – “The Bitch is Back”

“Alien 3” von 1992

Inhalt:

Ellen Ripley und die Überlebenden des Kampfes gegen die Aliens auf Acheron stürzen in “Alien 3” aus bislang unbekannten Gründen auf den Gefängisplaneten Fiorina 161 ab. Hier leben nur gefangene Schwerverbrecher, die nur spärlich beaufsichtigt werden. Mit Ripley ist allerdings auch das Böse in Form des Xenomorphs mit gelandet. Und das Abschlachten beginnt. Aber will das „Alien“ Ripley töten oder beschützen?

Filmisches Feedback:

Der dritte Teil der „Alien“-Saga ist mit Sicherheit der am meisten diskutierte. Einige lieben ihn, einige hassen ihn. Einige ziehen sogar den vierten Teil diesen vor. Warum ist das so? Was hat der Film  anders gemacht um so kontrovers diskutiert zu werden? Und ist er so schlecht wie viele sagen? Versuchen wir das Knäuel zu entwirren. Wo lag das Grundproblem beim dritten Teil? Es war die zu hohe Erwartungshaltung , die man nach den kongenialen beiden vorherigen Teilen hatte. Was kann man der Geschichte neues entnehmen was nicht bereits erzählt wurde? Gibt es einen neuen Weg den man bestreiten kann? Und wenn ja, wie sieht dieser aus. Das Chaos war im Prinzip vorprogrammiert, denn im Grunde kann man nur scheitern wenn man die vorherigen Teile sich ansieht. Es gibt nichts mehr Neues. Und wenn, dann können es nur Varianten des bereits Erzählten sein. Aber die Geschichte sollte weitererzählt werden. Und hier war das nächste Problem. Wie? Welcher Ansatz sollte gewählt werden.

Es kamen viele Geschichten in Betracht. So sollte der Teil entweder auf der Erde spielen oder auf einen Planeten aus Holz (!) und voller Mönche (diese Idee wurde ja im Grunde auch aufgenommen). Es wurde überlegt Hicks und Newt überleben zulassen oder es kam auch die Idee auf ohne Sigourney Weaver zu drehen. Es wurde der Film als Zweiteiler geplant. Hier war auf einmal der Grundsatz dar: Viele Köche verderben den Brei. Denn viele Autoren versuchten ein passendes Script zu erstellen, sei es William Gibson („Neuromancer“) Eric Red („Hitcher, der Highwaykiller“) Larry Ferguson („Made of Steel“), Walter Hill („Nur 48 Stunden“, „Driver“), David Twohy („Riddick“)  und letzten Endes auch Joss Whedon (ja genau, der „Avengers“-Mann). Und so war das Endresultat ein Konglomerat verschiedenster Autoren und ihren Ideen. Man vermisste eine klare Linie. Nun sollte ein Regisseur gefunden werden. Hier war das nächste Problem. Wen sollte man wählen? Einen für seinen Stil bekannten Regisseur, einen altgedienten oder doch jemanden komplett neuen, der frischen Wind in die Saga bringt. Auch hier waren zahlreiche Namen im Spiel: David Lynch, David Cronenberg, Clive Barker, Vincent Ward (der auch ein Drehbuch verfasste, welches der britische Journalist David Hughes zu einen der „besten Drehbücher, die nie verfilmt wurden“ kührte) und sogar Ridley Scott sollte wiederkommen. Man entschieht sich für den abermals unbekannten Regisseur David Fincher. Seines Zeichens Videoclipregisseur.  Seine Idee Ripley mit Glatze auftreten zulassen gab den Ausschlag. So kann man sagen, dass die ersten drei Teile allesamt von jungen, noch recht unbekannten Regisseuren gedreht wurden (Scott hatte vorher nur „Die Duellisten“ gedreht und Cameron „Piranha 2“ und „Terminator“, der vierte Teil war zwar nicht Jeunets erster Film, aber sein erster Hollywoodfilm). Und man traute Fincher viel zu, aber gleichzeitig setzte man ihn unter Druck. Hier war ein weiteres Problem. Die Unerfahrenheit des Regisseurs die damals noch da war wurde nicht berücksichtigt.

Es wurde anscheinend zu sehr auf einen möglichen Erfolg gedrillt. Und er stand unter Zeitdruck. Dies merkte man den fertigen Film auch an. Der Film hatte schon vor Produktionsbeginn eine Deadline wann er ins Kino kommen sollte. Durch zahlreiche Verzögerungen in der Produktion (so brannte bei einer Szene die Kulisse fast ab und musste neu errichtet werden) gab man ihm keine Zeit sich zu entwickeln.

Trotz dieser Unwidrigkeiten vor und während der Produktion schuf Fincher allerdings einen Teil der sich nahtlos und sehr konsequent in die „Alien“-Ära einreiht.

Fincher legte bereits mit der Eingangssequenz fest, dass er die Pfade des konventionellen SF-Kino verlassen möchte. Er tötete mal eben die Hauptdarsteller, die für den Charakter Ripley im zweiten Teil überlebenswichtig waren. Ohne diese Charaktere lohnt sich der ganze zweite Teil nicht. Fincher vernichtet sie einfach. Und das tut den Film gut. Denn neben diesen konsequenten Handeln sind hier, bei genauerer Betrachtung, bereits alle Elemente späterer Fincherfilme zu finden: eine düstere, pessimistische Grundstimmung, verlorene Seelen die ihren inneren Frieden nicht finden können, eine unheimliche Bedrohung von außen die keiner erahnt, eine Gesellschaft die jeden misstraut. All dies sind Teile seiner späteren Filme (unverkennbar bereits in „Sieben“, seinen darauffolgenden Film). Hier benutzt er das überlebende „Alien“ um eine Bedrohung zu zeigen, bei denen die Menschen sich selbst zerfleischen. So kam es zu einem inhaltlichen Zugang zu der Geschichte, die neu war im „Alien“-Universum. In den beiden Teilen davor wurden die „Aliens“ benutzt um sie zu bekämpfen, gemeinsam. Im dritten Teil geschieht dies auch, aber unter ganz anderen Voraussetzungen. Hier hassen sich die Leute auf den Planeten. Und erst eine Frau, die das Grauen mitbringt, wird als Erlöser fungieren um alle zusammenzuführen. Das „Alien“ ist hier das nach außen getragene Grauen ihres inneren Selbst.  Ripley, glatzköpfig und allein unter Männern (auch hier gab es Interpretationen bezüglich des HI-Virus).Ein bisschen weit hergeholt vielleicht, aber das hat dieser Film geschafft: über ihn wurde geredet.

 

Und das ist wichtig. Was dieser Film aber außerdem schafft, ist eine unheilvolle fast gothicanmutende Atmosphäre, die voll durchschlägt. Es ist eher ein Grusel, als ein Horrorfilm. Das Gefängnis könnte auch gleichzeitig ein altes Schloss sein und das „Alien“ ein Geist. Gothichorror wird hier geboten und das gekonnt. Fincher spielt auf der Klaviatur des Grauens recht gut sein Lied. Wenn auch als Anfänger und ausbaufähig. Allein der Score von Elliot Goldenthal mit seinen sakralen Tönen reiht sich sehr gut in die Atmosphäre ein (und gerne wiederholt er diese in späteren Soundtracks). Spannend ist er durchaus, auch wenn er viele Erklärungen vermissen lässt. Allen voran die Frage: wie gelangen die Eier der Queen auf die Sulaco? Hierauf basiert der ganze Film und wird nicht erklärt. Manchmal sind keine Erklärungen gut, hier wäre es aber angebracht gewesen.

Dennoch gelang hier Fincher allen Umständen zum Trotz ein sehr guter „Alien“-Film mit grandiosen Szenen, die sich erst im „Assembly Cut“ wunderbar erschließen. Fincher hatte viele Ideen durfte oder konnte diese aber nicht umsetzen. Im „Assembly Cut“ hat man eine ungefähre Ahnung bekommen wohin die Reise gehen sollte. 30 Minuten zusätzliches Material wurden gedreht (aber teilwiese nicht nachvertont oder anderweitig zu Ende gearbeitet). Unbedingt den angucken. Allerdings hat die schockierenste Szene nichts mit einem Xenomorph zu tun. Wer sich schocken möchte, der sieht sich die Obduktionsszene an, oder besser hört. Denn so viel Grauen wie hier erzeugt wird, und das nur mit dem Ton, ist atemberaubend.