Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt

“Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt” von 1979

v. l. n. r.: John Hurt, Veronica Cartwright, Tom Skeritt, Yaphet Kotto, Sigourney Weaver, Harry Dean Stanton, Ian Holm

Inhalt:

Der interstellare Frachtransporter „Nostromo“ erhält auf seinen Weg zurück zur Erde Notruf vom Planetoiden LV-426. Da die Crew durch Vorschriften gezwungen ist einem Notsignal nachzugehen landen sie auf diesen. Bei ihren Erkundungen stoßen sie auf ein verlassenes Raumschiff, und die Analyse des Signal ergibt, dass es sich nicht um einen Notruf, sondern um eine Warnung handelt. Sie finden seltsame Eier in dem Raumschiff, und als sie herausfinden, um was es sich dabei handelt, ist es schon zu spät.

Filmisches Feedback:

Ein Film, der zwei Genres revolutionierte oder schlicht  „Meisterwerk“

Man möge mir verzeihen, aber wenn es um diesen Film geht muss ich zwangsläufig einen längeren Text wie sonst schreiben. Mir bleibt nichts anderes übrig, da dieser Film MEIN Film ist. Es war einer der drei Filme die mich dem Medium Film nähergebracht hat. Die anderen waren „Das Ding aus einer anderen Welt“ und „Blues Brothers“. Aber dieser SF-Horrorfilmklassiker ist der Film der zwei Genres neu definierte. Sowohl das Science Fiction als auch das Horrorgenre orientierten sich zwangsweise an die inhaltliche Tiefe dieses Films und der neuen Art der Inszenierung. Allein das „Alien“ wurde häufig versucht zu kopieren aber selten wurde es erreicht. Auch Filme die selbst heute Klassiker sind, wie „Predator“ wären ohne „Alien“ nie entstanden. „Alien“ gab dem Genre seine Ernsthaftigkeit dem es gebührt. Alle Filme davor waren nicht so „erwachsen“ wie ab „Alien“. Auch „Star Wars“ war im Grunde ein knallbuntes Popcornspektakel. Hier würde die Düsternis in der Erzählung zum Markenzeichen der Serie. Aber von Anfang an.

Begonnen hat im Prinzip alles bei der Vorbereitung des Projektes „Dune“ aus dem Jahr 1976. In dem nicht realisierten Film (bzw. erst später durch David Lynch Version von „Dune“) trafen sich Dan O´Bannon als Drehbuchautor, Moebius (Jean Girault), H.R. Giger und Chris Foss. Da „Dune“ nie in dieser Konstellation  zustande kam, entwickelte O´Bannon sein eigenes Projekt. Basierend auf den Film „Planet der Vampire“ aus dem Jahr 1965 von Mario Bava (der unverkennbar Pate stand für die Grundstruktur von „Alien“) kreierte O ´Bannon seine eigene Version: „Starbeast“. So hieß das Drehbuch in seiner ersten Fassung. Mit dem ging er bei verschiedenen Produzenten hausieren, bis sich dann Walter Hill und Ronald Shusett ihm annahmen. Und das Studio gab grünes Licht. Nun musste ein passender Regisseur gesucht werden. Walter Hill wollte erst selbst, lehnte dann aber ab. Irgendwann kam man auf den Namen Ridley Scott. Ein zu der Zeit sehr unbekannter Regisseur, der zuvor nur einen Langfilm vorweisen konnte; „Die Duellisten“. Dieser hatte aber eine visuelle Faszination die den Produzenten veranlasste ihm die Möglichkeit zu geben einen Big Budgetfilm zu machen. Und sie wurden nicht enttäuscht. Scott realisierte vorher hauptsächlich Werbefilme (genau wie sein Bruder Tony). Und so lernte er schon, wie man zeitnah und günstig effektive Szenerien schafft (seinen Stil blieb er bis heute treu. Seine Inszenierung hat immer einen besonderen Reiz und er spielt gekonnt mit Lichteffekten und der Farbe, die häufig eher sepiagetönt ist).

O ´Bannon empfahl Scott dann auch Giger. bzw. er gab ihm Gigers Buch „Necronomicon“ und dort gab es das Bild „IV“. Dieses Bild zeigte bereits das ausgewachsene „Alien“ wie wir es heute kennen. Scott war fasziniert von dem Bild u d von dem Stil Gigers, das er ihn engagierte als Designer und so nahm das Monster seinen Lauf. Zudem kam nun auch der oben erwähnte Moebius hinzu der die Raumanzüge schuf. Gigers biomechanischer Stil  war genau das was dem „Alien“ seine beeindruckende und wirkungsvolle Seite gab. Als kleine Randbemerkung sei gesagt, dass Giger auch das „Alien“-Raumschiff baute. Mit zum Teil echten Menschenknochen. Dadurch dass man das Monster im ganzen Film nie ganz sieht, sondern nur schemenhaft macht ihn umso gruseliger. Auch weil Scott entschieht, dass viele Szenen mit dem Darsteller des „Alien“ wenn es in Großaufnahme war einfach lächerlich wirkte, ist es umso mehr von Bedeutung, dass er die Szenen so drehte, dass man immer nur einen Teil sah und nicht alles. Auch machte Scott hier ein bis zu diesem Zeitpunkt einmalige Sache. Er schuf den ersten weiblichen SF-Helden. Ursprünglich sollte Harrison Ford oder Paul Newman die Hauptrolle spielen (Ripley war erst ein männlicher Charakter). Scott entschied sich (und das war ein großes Wagnis) für eine zu diesem Zeitpunkt vollkommen unbekannte Schauspielerin: Sigourney Weaver, die zuvor in der Schlussszene von „Der Stadtneurotiker“ vielleicht 5 Sekunden zu sehen war. Und plötzlich gab es zum ersten Mal im SF-Genre eine weibliche Heldin. Und Scott schuf den ersten breit angelegten Emanzipationsfilm. Ob er es wollte oder nicht. Auch seine späteren Filme zeigten feministische Figuren und ihre bemühte Vormachtstellung innerhalb der Gesellschaft (wie „Die Akte Jane“ oder „Thelma & Louise“).

 

Was war nun das besondere an dem Design und dem Inhalt von „Alien“, das der Film bis heute nichts von seiner Wirkung verloren hat? „Alien“ hat im Grunde einer der ältesten und einfachsten Themen der SF und des Horrors genommen und dieses so brillant inszeniert, dass es vieles neu macht. Allein die Figuren basieren auf Alltagsleben. Scott zeigt im Prinzip Truckfahrer wie sie auf jeder Landstraße in den Staaten vorkommt im Weltall. Alle Figuren handeln wie normale Menschen, sie sprechen normal, essen normales Zeug, ärgern sich über ihren Arbeitgeber, ergo alles Normalos. Und dann kommt eine Situation die den Menschen vollkommen aus der Reihe wirft. Während die Helden z. B in „Star Wars“ eher gelackt sind und dem Märchen entspringen mit klarer Rollenverteilung, sind die Helden hier ganz normale Allerweltsbürger mit Allerweltsproblemen. Und diese müssen sich zusammentun damit sie überleben. Auch hier ein altes Thema. Scott schuf einen Film der viele Thematiken alter Horror/Grusel oder SF-Filme nimmt, diese durchmischt und neu zusammensetzt. Er demontiert alte Sehgewohnheiten und fügt ihnen ein Monster hinzu, was es so vorher noch nie gab und nie wieder geben wird. Und dazu erzählt Scott den Film sehr langsam. Er gibt ihm Zeit seine Spannung aufzubauen um dann erbarmungslos und urplötzlich loszuschlagen.

Die „Chestburster“-Szene ist wohl eine der häufig zitiertesten Szenen die es im SF-Genre gibt. Und die kam vollkommen überraschend. Sowohl für das Kinopublikum als auch für die Darsteller. Auch hier zeigte sich, dass Scott etwas wagte. Fast alle Darsteller wussten nicht was in dieser Szene passieren sollte. Und dann platzt es hervor und die Reaktionen der Schauspieler sind alle echt! Veronica Cartwright übergab sich z. B. nach der Szene. Auch das war ein Markenzeichen von Scott: er schürte unbewusste Ängste um uns zu schocken. Und das tat er. Wenn man genau hinsieht fließt im ganzen Film  zweimal Blut: bei der „Chestbuster“-Szene und dem Angriff im Laderaum. Auch hier ist das alles sehr geschickt montiert von Scott.

Ähnlich wie dem originalen „Texas Chainsaw Massacre“ ist hier nicht so viel Blut wie alle denken. Der Film bezieht seine nervenaufreibende Spannung eben aus dem Nichtzeigen und dem Andeuten. Das sind Elemente des Gothichorrors den Scott hier sehr gut bedient. „Alien“ ist auch, wie es ein Kritiker mal sagte, eine „Geisterbahnfahrt“. Korrekt. Das ist er, aber in Perfektion.  Was war allerdings noch besonders abgesehen von der unheilvollen Inszenierung? Es gibt in dem Film quasi zwei Bedrohungen. Zunächst die offensichtliche. Das „Alien“. Und dann die versteckte: „Ash“. Der Roboter der Firma. Ohne ihn wäre die Mannschaft gar nicht auf den Planetoiden gelandet, wäre Kane nicht in die Nostromo gelangt und und und. Scott zeigt also die Unmenschlichkeit des Kapitalismus wenn man so will. Menschenleben zählen nichts. Der Profit ist es was zählt. Und Ash als humanoid nachgestalteter Roboter, der die Firma repräsentiert ist phänomenal.

Und das verpackt Scott in einen SF-Horrorfilm. Aber nicht nur das. Der gesamte Film ist wie eine Geburt, bzw. zeigt die Ängste des Mannes als Gebährmaschine. Klingt hochtrabend? Dann guckt euch den Film nochmal an unter diesen Aspekt und euch werden viele Parallelen auffallen. Versprochen. Ich könnte hier viele aufzählen, aber seht selbst. Dieser Film, der unzählige Interpretationen aufweisen kann ist einfach nur packend inszeniert und ist  nunmehr das Gardemaß an den sich viele, wenn nicht sogar alle nachfolgenden SF-Horrorfilme messen lassen müssen.

An den Film stimmt einfach alles: die langsame Kamera des Derek Vanlint (übrigens ist dies sein dritter Film gewesen, und er drehte danach nur noch 3), die unterschwellige, dunkle Filmmusik von Jerry Goldsmith (einer seiner besten Werke), der grandiosen Ausstattung und Effekte von Giger, Carlo Rambaldi (der auch „E.T.“ entwarf) oder Syd Mead, und dem grandiosen Cast (eine bunte Mischung durch die amerikanische Gesellschaft) der perfekten Regie u.v.m. Ich könnte noch tagelang weiterschreiben und könnte noch viele Anekdoten erzählen über diesen Film und auch viele Interpretationen aufzählen aber letzen Endes bleibt eins: einer der größten SF/Horrorfilme aller Zeiten! Und so was sage ich sehr sehr selten.