Alien – Die Wiedergeburt

“Alien – Die Wiedergeburt” von 1997

Inhalt:

200 Jahre nach den Ereignissen auf Fiorina 161 erlebt Ellen Ripley eine Wiedergeburt auf dem Forschungsraumschiff Auriga. Als Weltraumpiraten unter der Führung von Johner das Forschungsschiff entern, kommt es zu einem Unfall, der das Grauen wiedererstarken lässt. Aber mittlerweile ist Ripley nicht mehr die Ripley die sie war. Etwas hat sich verändert. Und das Geheimnis dahinter ist noch grauenvoller.

Filmisches Feedback:

Zwei Herzen schlagen ach in meiner Brust

Dieser vierte Teil der „Alien“-Saga bringt in mir ein wenig Magenschmerzen zum Vorschein. Wie bekannt ist, bin ich großer Anhänger der Saga und sage nach wie vor, dass jeder Teil einzeln zu betrachten ist und jeder Regisseur bislang seinen Stil eingebracht hat (selbstredend auch hier). Das tut der Saga gut und bietet auch ein Menge Freiraum und Lust diese anzuschauen. Nur hab ich bei diesem Teil meine Probleme. Und diese möchte ich gerne aufdröseln.

Nach dem Erfolg der ersten beiden Teile und den missverstandenen dritten Teil (der sich aber im Lauf der Jahre als sehr guter Nachfolger etablierte) war es an der Zeit die Saga fortzusetzen. Auch hier wurden wieder viele Überlegungen gestartet wer der geeignete Regisseur sein kann und wie die Story auszusehen hat. Neben den Stil des Regisseurs (der wie gesagt immer die Filme maßgeblich beeinflusst hat) war es vor allem der Inhalt der diskutiert wurde. Wie sollte man der „Alien“-Welt neue Aspekte aufzeigen die nicht schon bereits gezeigt wurden? Gibt es etwas Neues? Und wenn, wie sollte dies aussehen? Und vor allem eins: Kann die „Alien“-Saga ohne Sigourney Weaver funktionieren und wenn nicht wie sollte man sie logisch wieder in die Reihe integrieren wo sie ja bereits gestorben ist in einem „Terminator 2“-mäßigen Abgang?

Joss Whedon der das Drehbuch verfasste fand eine simple Lösung: Klonen. Dies hatte Folgen für das Drehbuch. 1.) Weaver konnte somit wieder daran teilnehmen (die knapp 12 Millionen Dollar Gage die sie bekam hat dabei wahrscheinlich keine Rolle gespielt), 2.) wurde somit die Möglichkeit gegeben, dass die „Aliens“ selbst neu geschaffen wurden, sprich mit neuen Genen ausgestattet können sie auch mehr machen (wie hier z.B. „Schwimmen“ oder „spucken“ ) und 3.) konnte Whedon jetzt ein Szenario entwickeln, welches vollkommen unabhängig von den dritten Teilen ist. Aber ist es das? Im Grunde macht Whedon eins: er suchte sich die besten Sachen aus den drei Teilen davor aus und mischte sie komplett zusammen um ein Sammelsurium der „Alien“-Welt zu kreieren. Hier sind ein paar Beispiele zu nennen: Eine Frachtmannschaft („Alien“  -so auch die Zusammensetzung der Charaktere) trifft auf das Militär –Zivilisten gegen Soldaten (Aliens“ – Ripley und die Sulacocrew), es gibt eine „Alienqueen“ welches von der neuen Übermutter getötet wird und diese dann ebenfalls von ihrer Mutter („Aliens“ und „Alien3“ – Endkämpfe bzw. Opferung), der Computer der „USS Auriga“ heißt „Vater“, der Computer auf der „Nostromo“ „Mutter“, auch hier gibt es wieder einen Androiden der die Reihe fortsetzt: Cal („Alien“ – Ash, „Aliens“ – Bishop, „Alien 3“ – Bishop, „Alien 4“ – Cal), die Geschichte spielt wieder auf Raumschiffen (es wurde wie bereits in Teil 3 angedacht es auf der Erde spielen zu lassen, was dem Ganzen tatsächlich mal einen neuen Aspekt abgewonnen hätte. Warum man dabei nicht blieb ist nicht geklärt. Ich nehme an aus Kostengründen)….es gibt also viel was genommen wurde und versucht wurde neu zusammen zusetzen.  Und im Prinzip gab es nur einen neuen Aspekt: die genmanipulierten „Aliens“. Selbst das Militär oder die Wissenschaftler als eigentliche Böse darzustellen ist nicht neu. Das gab es in den Teilen davor auch. Bleibt zu sagen, was das Drehbuch bei aller Objektivität  und der Liebe zu der Saga bietet: Deja-Vu-Erlebnisse eingebettet einer schnellen Story die versucht dem ganzen neue Aspekte abzugewinnen.

Was macht dann diesen Film aus und unterscheidet ihn zu den anderen Teilen um als eigenständiger Film innerhalb der Reihe Bestand zu haben? Antwort: die Art und Weise der Inszenierung, der Stil des Regisseurs. Dieser ist tatsächlich hier so augenscheinlich einzigartig und unverkennbar, dass er die Schwächen des Drehbuchs gekonnt aufgrund seiner rasanten Drehweise kaschiert. Jean-Pierre Jeunet hat einen Stil, der es schafft dem Hollywoodbrimborium einen europäischen, massentauglichen Spiegel vorzuhalten um denen zu sagen:“Guck, wir Europäer können auch Blockbuster drehen.“ Jeunets Stil in diesen Film zu zeigen bedeutet Mut zu haben sich dafür zu entschließen etwas Neues zu wagen. Das taten die Produzenten. Erste Wahl war allerdings Danny Boyle. Auch er hätte einen eigenen europäischen Stil miteinbringen können, aber er wollte aufgrund „künstlerische Differenzen“ (ich liebe diese Konstellation von Wörtern) nicht mehr mitmachen. Selbst solche Namen wie John Woo oder wieder David Cronenberg waren im Gespräch. Allesamt keine Amerikaner. Man wollte jemanden außerhalb von Amerika, dem es egal war eine Fortsetzung zu drehen. So nahm man Jeunet und es bezahlte sich aus. Jeder Cent der 80 Millionen Dollar Produktionskosten sieht man im fertigen Film. Sei es die Ausstattung, das Schauspielensemble (die allesamt ja bereits mehr oder weniger bekannt waren und dementsprechend bezahlt werden mussten), und vor allem der SFX sah man es an. Was hier an SFX aufbereitet wird ist schon großes Kino. Das erste Mal reine CGI-„Aliens“, die zwar gut aussehen aber man wird den Eindruck nicht los, dass diese eher einem Spiel entstammten. Echte animatronische Effekte ziehe ich da vor. Gerade bei den „Aliens“ wirken diese besser. Das Problem war aber auch ein anderes: Jeunets spricht oder sprach kein Wort Englisch. So mussten stets Übersetzer da sein und ihm helfen. Anscheinend ging dies recht gut (sonst wäre der Film nicht fertig geworden), aber optimal war es nicht um seine Visionen umzusetzen. Dennoch schaffte er es mit seiner mitgebrachten Crew einen visuell einzigartigen Film der Reihe zu schaffen.

Darius Khondjis Bilder, gefärbt im leichten Braun und glasklare Linienführung, Herve Schneids geschickte Montage und Nigel Phelps Ausstattung bringen die Welt von Jeuntes Sicht auf den Punkt: bunt und schnell geht es zu. Und dies machte diesen vierten Teil tatsächlich aus. Es ist ein bildgewordener bunter Comictrip. Das ist es was diesen Film unterscheidet zu den Teilen davor. Es ist eine visuelle Reise der durchgedrehten Inszenierung. Viele Szenen hat man so noch nicht gesehen. Ich nehme hier zwei grandiose Beispiele. Zum einen die Basketballszene mit Weaver und der Crew der Betty. Wie dort die Kamera wirbelt und der Schnitt sich einbettet in diese Szene ist sehr gut gelungen. Das Grösste war jedoch dass die Szene in der Ripley den Ball nach hinten in den Basketballkorb wirft echt wahr und Weavers letzter Versuch bevor sie aufgegeben hätte! Zum Anderen die Szene in der ein Chestbuster aus Leland Orsers Brust platzt. Diese Szene drehte man tatsächlich mit einer Minikamera die man an einem Schlauch in den Magen von Orser setze und diesen dann rausnahm während man drehte. Phänomenale Idee, grandios umgesetzt und dennoch unterstreicht das das comicartige. Tut das dem Film gut? Durchaus, denn sonst wäre er nichts weiter als eine belanglose Fortsetzung. Allerdings bleibt auch hier wieder die Frage offen, ob dies der Reihe gut tut? Werden mögliche Fortsetzungen nun auch eher humoristisch angelegt (wie unverkennbar anhand dem Buddys Perlman/Pinon zu erkennen) oder kehrt man wieder zurück zum ernsten Kern der Saga.

Dieser Film ist, was das betrifft, sogar „gefährlich“. Das „Alien“-Universum bestach immer durch seine Ernsthaftigkeit des Inhaltes und der Inszenierung. Dieser Film nunmehr ist eben humoristisch auf ganzer Linie. Bleibt die Frage, ob dieser Humor nur für diesen Film zählt oder ob er mitgenommen wird irgendwann. Eine Rückkehr zur ernsthaften Auseinandersetzung bleibt zu wünschen. Die Darsteller, die allesamt recht gut agieren (mit Ausnahme von Frau Ryder), aber den Eindruck hinterlassen, dass ihre Figuren alles Knallchargen sind ohne wirkliche Charakterisierung (wie in den Teilen zuvor, wo man wirklich mitfiebert mit den Figuren) sind gut besetzt für solch einen Film. Das Make-Up ist hervorragend und die Musik so lala. Auch bleibt die interpretatorische Tiefe hier sehr flach. Während die drei Teile davor noch viel Freiraum für Gedanken lässt ist das hier nicht der Fall. So ist der Film was er ist: ein visueller Überreiz der besonderen Art aber mit einem schwachen, da zusammengeklauten Drehbuch ohne Tiefgang. Passt in die Welt der Saga bietet, aber nur bedingt inhaltlich neues.