Aliens – Die Rückkehr “This Time it´s War”

“Aliens – Die Rückkehr” von 1986

Die U.S. Colonial Marines nebst Firmenangestellten und Lt. Ellen Ripley an Bord der “U.S.S. Sulaco”

Inhalt:

57 Jahre sind vergangen, seit die Besatzung der Nostromo vom Alien umgebracht wurde, als Offizier Ripley, die einzige Überlebende des Massakers, in einem kleinen Rettungsschiff in der Hyperschlaf-Kabine gefunden wird.

Die Obrigkeit glaubt ihren Ausführungen nicht. So wird ihre Warnung in den Wind geschlagen. Denn auf LV-426, den Planetoiden auf den die Nostromo landete, leben nun seit 20 Jahren Familien und versuchen diese Welt bewohnbar zu machen. Diese Kolonie der Menschen heißt nun “Archeron” oder wahlweise auch “Hadley´s Hope”. Eines TAges bricht der Kontakt zur Kolonie ab. Und so wird Ripley hinzugezogen, gemeinsam mit den US Marines der Sache auf den Grund zu gehen. Was sie erwartet ist der blanke Alptraum.

Filmisches Feddback:

Das “Alien”-Universum – eine komplexe eigenständige Welt mit ganz unterschiedlich gelagerten Filmen. Jeder Teil des Universums hat seine Note und seinen Schwerpunkt. Jeder Teil versucht etwas Neues zu transportieren. Mal gelungen, mal weniger. Auch wenn z.B. der dritte Teil sich erst im Laufe der Jahre zu dem entwickelt hat was er sein will (dem Directors Cut sei Dank, allerdings noch nicht in seiner vollen Güte da Regisseur David Fincher schwer enttäuscht war bezüglich des Umgangs von Seiten des Studios mit ihm) hat jeder Teil seine Eigenständigkeit. Was sie aber alle gemeinsam haben ist, dass sie die Geschichte erweitern und versuchen das große Puzzle zusammenzusetzen. Was sie außerdem erreichen (mit Ausnahme des vierten Teils) ist, dass jeder auf seine Art (Gothic-)Horror und SF verbinden und diese Genres miteinander verknüpfen. Neben diesem Universum gibt es auch die “AvP”-Ableger (sei es in Film- oder Comicform). Ich berufe mich hier nun einzig und allein auf die “Alien”-Filme, da man “AvP” und seine Bastardisierungen der Monstermythen komplett einzeln betrachten muss und dies seperat und losgelöst von “Alien” und seinen Nachfolgern.

Die Besprechung vor der “Wanzenjagd”

Der zweite Teil der Quadrilogy, der allein schon mit seinen Titel suggeriert das es sich hierbei nicht nur um die Fortsetzung von “Alien” handelt, sondern auch das hier gleich eine ganze Mehrzahl, eine Armee von Aliens ihr Unheil treiben ist meines Erachtens gleichzusetzen mit den ersten Teil. Denn dieser Film ist ein eigenständiger Film, der es schafft zugleich eine Fortsetzung zu sein und gleichzeitig der Geschichte einen völlig neuen Aspekt abzugewinnen. Während der erste Teil eine phänomenale „SF-Gothichorror“-Geschichte ist, die mit zahlreichen Interpretationen aufwarten kann (hier gehe ich nicht näher drauf ein, da es bereits schrieben steht) ist dieser zweite Teil eine ganz andere, auch formal betrachtet, Geschichte. War „Alien“ eine Geisterbahnfahrt, so ist „Aliens“ eine Achterbahnfahrt. Neben der eigentlichen Geschichte, die die Originalgeschichte geschickt weiterspannt und mit zahlreichen Überraschungen aufwartet ist dieser Teil vor allem eins: eine SF-Actionpartie die sich gewaschen hat!

Oben l. nach r.: Ricco Ros (Private Frost), William Hope (Lt. Gorman), Bill Paxton (Private Hudson) Unten l. nach r.: Jenette Goldstein (Private Vasquez), Al Matthews (Sg. Apone), Lance Henriksen (Bishop)

Cameron, damals noch recht unbekannt lässt hier ein innovatives Feuerwerk ab, das seines gleichen suchte. Die Action ist wohl gesetzt, der Spannungsaufbau unerträglich und fast zur Perfektion geführt. Cameron wusste damals bereits wie man Schockeffekte und Spannung aufeinander abstimmt und setzte gezielte Markierungen des Schreckens. Ich schreib wohlwissend das Cameron damals eher unbekannt war. Denn obwohl er mit „Terminator“ 2 Jahre zuvor seinen großen Kinoeinstand hatte („Piranha II – Fliegende Killer“ lassen wir mal gepflegt hinten rüber fallen) waren die Produzenten doch anfangs skeptisch ob er in der Lage wäre, mit einem heute gering anzumutenden Budget von knapp 18 Millionen Dollar einen hochgelobten Film wie „Alien“ fortzuführen. Nachdem er den Produzenten sein Drehbuch vorgelegt hatte und mit vielen Conceptzeichnungen aufwartete (er war schließlich nicht umsonst vorher Produktionsdesigner in Genrefilmen) gaben sie ihm das grüne Licht. Wer denkt die „Alien“-Queen ist H.R. Giger zuzuschreiben der möge lauschen: dies ist eine Erfindung von Cameron (natürlich basierend auf Gigers Originalkonzepten). Nun holte sich Cameron auch den genialen Stan Winston (Winston schuf zeitlose Kreaturen wie dem „Terminator“, die Saurier aus „Jurassic Park“, „Pumpkinhead“ und natürlich den „Predator“ und ist m.E.n. der Großmeister des SF-Horror Make Ups) mit an Bord und Syd Mead und die Welt die geschaffen wurde nahm Formen an. Cameron schaffte es einen Film zu drehen der weit mehr aussah als 18 Millionen Dollar. Und das sollte ihn erst mal einer nachmachen (natürlich nicht vergleichbar mit seinen heutigen utopischen Kosten seiner Filme).

James Cameron bei den Dreharbeiten

Aber was schuf Cameron? Eine actionlastige Welt der Aliens, die viele Nachahmer hatte und einen immens großen Einfluss auf das Genre hatte und immer noch hat. Vieles muss man vergleichen was heute gedreht wird in diesem Genre mit diesem Film.  Man könnte unzählige Filme aufzählen, die versuchen inhaltlich und formal diesen Film zu kopieren. Auch von der Charakterisierung her ist dieser Film ein Novum. Trotz SF und Horrorthematik schaffte er es, dass das Publikum mit fiebert mit seinen Charakteren. Nicht umsonst gab es das erste Mal in der Geschichte eine Oscarnominierung für die beste Hauptdarstellerin für einen SF-Horrorfilm für die fantastische Sigourney Weaver. Alle Nebencharaktere, angefangen von den starken, weil verletzbaren Hicks (Michael Biehn) bis hin zu den Sinnbild amerikanischer Allmachtsphantasien im Militärgewand, die später nur noch zerrüttet daherkommen und vollkommen verzweifelt an sich selbst und ihren Vorstellungen zu Grunde gehen („Hudson“ – Bill Paxton) hat der Film eines vielen ähnlichen Filmen voraus: Charaktere die zwar verpulvert werden, aber mit denen man mit fiebert und leidet, sodass man einen tiefen Kloß im Hals hat wenn sie sterben.

Der Film, der viele versteckte Interpretationen und Aussagen hat, ist Camerons Entschuldigung für „Rambo 2 – Der Auftrag“ für den er das Drehbuch schrieb (dies sagte er selber). Während „Rambo 2“ patriotischer kaum sein kann macht „Aliens“ hier genau das Gegenteil. Hier wird das Vietnamtrauma sciencefictionmässig aufgearbeitet. Hier sind es die Marines, die Superhelden der US-Army, die Friedensbringer, die über alles erhaben sind, und dann vernichtend geschlagen werden durch die Aliens (Vietcong) die sich verstecken im Wirr-Warr der Kolonie (dem Dschungel von Vietnam) und erbarmungslos zuschlagen. Und eine Frau, in ihrer Symbolik als Alleinvernichterin, schafft es die Aliens zu besiegen. Nur um zum Schluß in einen „Übermutterduell“ als Siegerin hervorzugehen.

Cameron schuf hier den ersten großen Emanzipationsfilm, einen breit angelegten Antikriegsfilm  mit einer Menge Action, Szenen die in Erinnerung bleiben! Ein ganz großer seines Genres! Aber bitte nur die Langfassung ansehen. Gerüchte besagen es gibt auch noch eine 3 Stundenversion. Dies wurde aber nie bestätigt.