American Fighter (1985)

USA 1985
mit Michael Dudikoff, Steve James, Judie Aronson…
Drehbuch: Gideon Amir, Paul De Mielche, Avi Kleinberger, James R. Silke
Regie: Sam Firstenberg
Länge: 95 Minuten
FSK: ab 16 Jahren

Joe Armstrong ist ein ruhiger GI, hinter dem ein großes Geheimnis steckt: perfekt beherrscht er die Kampfkunst der japanischen Ninjas – der geheimnisvollen Schattenkrieger, in deren Händen alles zu einer gefährlichen Waffe wird. Wer ihm die todbringenden Techniken und Taktiken der Ninja lehrte, ist Joe aufgrund einer Gedächtnistrübung nicht bekannt. Ein Rätsel aber, das sich löst, als Joe durch sein entschlossenes Eingreifen ein betrügerisches Waffengeschäft zwischen seinem Vorgesetzten Colonel Hickock und dem Mafia-Boss Ortega zunichte macht. Denn bei diesem Überfall begegnet Joe erstmals einem schwarzen Ninja, für den Töten zum Geschäft wurde. Ein schmutziges Geschäft, dem Joe mit allen Möglichkeiten der Ninja-Kampfkunst entgegentritt…

Wer in den 80er Jahren fleißiger Videothekenkund war, kam um die Filme aus dem Hause „Cannon“ nicht herum. Ganz besonders beliebt scheint dabei die „American Fighter“-Reihe gewesen zu sein. Die günstig produzierten Martial-Arts Spektakel mit B bis C-Action Ikone Michael Dudikoff haben auch heute noch eine treue Fanbase. Zwar werden sie, wenn es um kultige Actionfilme geht, eigentlich nie erwähnt, jedoch springen sehr viele Menschen vor Freude auf, wenn man mal über sie spricht. Paradox! Deshalb wird es an der Zeit, sich dieses Super-Franchise mal genauer anzusehen und weil bei „Retro-Film“ Zucht und Ordnung herrscht, fangen wir auch heute mit dem ersten Teil an, der im Jahr 1985 das Licht der Leinwand erblickte. Bahn frei, für den amerikanischen Super-Ninja, oder Fighter oder wie auch immer!

Schon Anfang der 80er befeuerten die israelischen B-Movie Koryphäen die Kinos mit Filmen, die den Ninja-Mythos zum Thema hatten. In den trashigen, aber unterhaltsamen, Martial-Arts Streifen „Ninja, die Killermaschine“, „Die Rückkehr der Ninja“ und „Die Herrschaft der Ninja“, die von 1981 bis 1984 entstanden, versuchte man auf der Eastern-Welle mit zu schwimmen. Mit Erfolg. Doch mit „American Ninja“, so der Originaltitel, sollte diese Kunst des Tötens noch mehr amerikanisiert werden. Und wie macht man das? Richtig, man nehme einfach einen amerikanischen Darsteller, der in die Rolle des Ninjas schlüpft. Letztendlich fiel die Wahl auf das Model Michael Dudikoff, der mit diesem Werk zum beliebten Videotheken-Hero wurde. Aber schaffen es Golan und Globus, auch eine geeignete Story abzuliefern? Naja, geht so. Die ganze Handlung spielt sich auf einer Military Base ab, in der unser Dudelkopf stationiert ist. Er ist der schweigsame Einzelgänger, der mit latentem Silberblick versucht, die unantastbare Coolness von Chuck Norris zu imitieren. Was natürlich niemand weiß: Joe, so der Name unserer Hauptfigur, wurde als Kind auf einer Insel zum Ninja ausgebildet, was wir immer wieder in Flashbacks präsentiert bekommen. Gut, dass zu dieser Zeit ganz viele Ninjas auf der Insel ihr Unwesen treiben, die von einem fiesen Geschäftsmann befehligt werden, um militärische Waffen zu stehlen, der sie dann an irgendwelche Leute verkaufen will. Den weiteren Verlauf der Geschichte wird jeder kennen, schätze ich mal. Der Film zimmert uns ein loses Grundgerüst einer, zumindest kohärenten, Geschichte, die ja auch eigentlich egal ist, wenn man einen Film schaut, der „American Fighter“ heißt. Ohne viel Schnickschnack rockt man hier geradlinig die Handlung herunter, was völlig ok ist, denn wir wollen Ninjas unter Palmen sehen und ordentliche Kampfkunst geboten bekommen aber genau da liegt das Problem. Ich muss vorneweg sagen, ich mag den Film sehr, da er einfach eine typische „Cannon“-Produktion ist, die alles an 80er Jahre Videothekenflair vereint, was man finden kann und ich kann auch nachvollziehen, dass der Streifen damals ein Hit war. Ein cooler Held, eine interessante Kampfkunst und tropisches Setting. Sieht cool aus aber die Action wirkt dann, anno 2017, doch etwas betagt. Die Fights sind alle so mittelgut und wirken sehr steif. Man merkt sehr schnell, dass der Dudelkopf eben kein richtiger Martial-Arts Profi war und das man hier mit viel Schnitttechnik das Gefühl von professioneller Körperakrobatik erzeugen wollte. Es ist deutlich zu erkennen, dass Dudi die Moves praktiziert, die ihm irgendjemand kurz vorher in der Garderobe gezeigt hat. Lediglich zum Finale wirkt das etwas spektakulärer, was wahrscheinlich daran liegt, dass man irgendeinen Stuntman in die Ninja-Kutte gesteckt hat, der wirklich was von Martial-Arts versteht.

Das mag jetzt vielleicht ein Wehrmutstropfen sein, jedoch macht der Film auch so Spaß. Die Protagonisten lassen ordentlich die Muskeln spielen und es wird geschossen und gekämpft. Der Film bietet wirklich wenig Langeweile und man versucht das Tempo so gut wie möglich oben zu halten. Natürlich gibt es auch die obligatorische Love-Story, die zwar nicht der Rede wert ist aber, anscheinend, nun mal dazu gehört. Das Bonding ist dann auch nach 10 Minuten erfolgt, denn so bald Joes Love Interest, die ihn erstmal verabscheut, ihn Oberkörperfrei sieht, ist die Olle Uschi hin und weg und will sich am liebsten vom Dudelkopf begatten lassen aber der muss ja noch den fiesen Geschäftsmann und sein Ninja Gefolge platt machen. Dann darf der Zuschauer, nach mehreren „Wendungen“ noch ein schönes Finale bewundern, in dem von der MG über Wurfsterne bis hin zum Laserstrahl alles zum Einsatz kommt, inklusive Ninja-Fight in Vollmontur. Da schlägt das Action-Herz höher. Regie bei diesem Meisterwerk, führte niemand geringeres als Sam Firstenberg, der bei „Cannon“ eigentlich zum Inventar gehörte und mit „Die Rückkehr der Ninja“ und „Die Herrschaft der Ninja“ schon genug Erfahrung im Sujet der asiatischen Tötungskunst gesammelt hatte. Auch seine Inszenierung geht vollkommen in Ordnung. Für eine Millionen US-Dollar Budget, ist an dem Film handwerklich nichts auszusetzten. Aber an anderen Stellen merkt man diesen Umstand schon etwas. Der ganze Film scheint in einem Radius von einem Kilometer gedreht worden zu sein und zwischendurch erwischt einen öfter das Gefühl, gewisse Bäume schon 5 Minuten vorher gesehen zu haben. Auch scheint der Oberbösewicht nur knappe 3 Minuten von der Military Base entfernt zu wohnen, was das Ganze dann doch recht überschaubar macht. Was mich dann doch etwas stört, ist die Tatsache, dass der Film sehr geleckt wirkt, da so gut wie keine Brutalität erkennbar ist. Es werden reihenweise Menschen erschossen, erstochen und erschlagen, jedoch fehlt fast gänzlich das Blut. Wenn Dudikoff jemanden mit seinem Schwert niederstreckt, ist nie roter Lebenssaft an der Klinge zu erblicken, was die ganze Action sehr steril macht. Ich erwarte ja kein Blutbad, jedoch etwas dem Sujet angepasst sollte es dann schon sein, vielleicht war ja auch kein Geld mehr für Kunstblut da, wer weiß. Was die Darsteller angeht gibt es nichts übermäßig Auffälliges oder wirklich Negatives. Die Schauspieler agieren angemessen und vor allem Steve James macht besonders Spaß. Als machohafter Muskelprotz lässt er einige coole Sprüche vom Stapel und manifestierte seinen Status als erstklassiger Sidekick für Michael Dudikoff, mit dem er ja noch im zweiten Teil, so wie im sehr gelungenen „Night Hunter“ zu sehen war. Dudi selbst gibt augenscheinlich sein Bestes und besitzt auch eine gewisse Ausstrahlung. Allerdings seine gewollte Coolness wirkt etwas sehr gezwungen und in vielen Momenten ist das etwas störend. Der Rest vom Cast ist derweil unauffällig und füllt die Rollen passabel aus. „American Fighter“ kann sich also durchaus sehen lassen und scheint auch damals vielen Menschen Freude bereitet zu haben. Immerhin zog er insgesamt vier Fortsetzungen nach sich, die wir an anderer Stelle auch noch genauer betrachten werden. Was ich wirklich nicht verstehe, ist die Tatsache, dass der Film mal indiziert war. Wegen was sollte man denn diesen Streifen indizieren? Hallo?! Selbst die aktuelle „FSK ab 16“ Freigabe ist, in meinen Augen, noch zu hoch gegriffen. Hier wäre eine Freigabe ab 12 Jahren durchaus ok. Vielleicht sollte man noch erwähnen, dass ursprünglich Chuck Norris die Hauptrolle spielen sollte, er aber ablehnte, da er sich hätte maskieren müssen. Er selbst habe gesagt: „Wenn ich im Bild bin, bin ich Chuck Norris!“ Alles klar, macht ja auch irgendwie Sinn. Jedenfalls hätte ich diese Variante gerne gesehen. Wäre bestimmt mindestens so unterhaltsam geworden, wie der schnauzbärtige Franco Nero in „Ninja, die Killermaschine“!

Sam Firstenbergs „American Fighter“ war nicht nur ein respektabler Hit für „Cannon“, sondern auch der Durchbruch für „Superstar“ Michael Dödel ääääh Dudikoff. Der Film bietet dem geneigten B-Movie Fetischisten eigentlich alles, was er begehrt. Harte Kerle, die Philippinen, Kanonen, Sprüche und ganz viele Ninjas. Das macht auch Alles Spaß und ist handwerklich ordentlich umgesetzt, nur die Action hat etwas Staub angesetzt und wirkt heute doch eher steif und blutleer. Für einen netten Videoabend mit mehreren Kumpels reicht es allemal!