American Fighter 5 (1993)

USA 1993
mit David Bradley, Lee Reyes, Pat Morita…
Drehbuch: John Bryant Hedberg, Greg Latter, George Saunders
Regie: Bobby Jean Leonard
Länge: 99 Minuten
FSK: ab 16 Jahren

Hiro (Lee Reyes), Meister Tetsus (Pat Morita) Großneffe, ist der letzte der wahren Ninjas. Unter Joe Kastle (David Bradley) soll er die Kampfkunst erlernen. Joe Kastle muss seine Freundin befreien, die von Viper entführt wurde. Hintergrund dieser Tat ist die Tatsache, dass der Vater der Freundin, Dr. Strobel, ein tödliches Gift erfunden hat und Simon Glock, ein Chemie-Unternehmer, nun dieses in seine Hände bekommen will. Joe und Hiro nehmen die Verfolgung auf. In Venezuela kommt es zum Showdown.

Endspurt! Nach umfänglicher Sichtung der „American Fighter“-Reihe, bin ich nun endlich am Ziel angelangt und beschäftige mich heute zum, vorerst, letzten Mal mit den Abenteuern rund um kampflustige Ninjas. Den Abschluss bildet „American Fighter 5“, der in elitären Kreisen einen eher zweifelhaften bis negativen Ruf genießt. Abermals müssen wir auf Michael Dudikoff verzichten und uns mit Aushilfs-Actionstar David Bradley begnügen. Der 1993 erschienene Direct-to-Video Actioner geht dieses Mal in eine andere Richtung und ist mehr auf ein jüngeres Publikum zugeschnitten. Ob das Endergebnis wirklich so schlecht ist, wie alle behaupten oder sich hinter dem Videotheken-Heuler ein unterschätztes Meisterwerk versteckt, sollt ihr nun erfahren. Nur so nebenbei: Es ist keins von Beiden!

In „American Fighter 4“ räumten der Bradster und der Dudelkopf noch gemeinsam im afrikanischen Hochland auf und versohlten bösen Terroristen und ihrer Ninja-Armee gehörig den Allerwertesten. Mit dem Team-Up der beiden amerikanischen Fighter landete man nochmal einen kleinen Erfolg und das Kapitel „American Fighter“ galt als abgeschlossen. 1993 wagte man sich abermals an ein Ninja-Abenteuer. Die, sich in den letzten Atemzügen befindliche, „Cannon Group“ wollte im Zuge des erfolgreichen „3 Ninja Kids“ ebenfalls einen Film produzieren, der sich an ein jüngeres Zielpublikum richtet. Der Titel sollte „American Dragons“ lauten, jedoch entschied man sich kurz vor Veröffentlichung, den Film in „American Ninja 5“ umzubenennen, da man ihn so besser verkaufen konnte. Dieser Umstand erklärt auch, warum die Direct-to-Video Produktion nichts mit ihren quasi Vorgängern zu tun hat und David Bradley hier eine ganz andere Figur spielt, als noch in „American Fighter 3“ und „American Fighter 4“. Hier spielt er den Kämpfer Joe Kastle, der, nachdem wir ihn in einer sexy Trainingsmontage bewundert haben, sich um den jungen Hiro kümmern muss. Dessen Onkel, „Karate Kid“-Opa Pat Morita, will in den Urlaub und weil er keinen Bock auf die Nervensäge hat, soll Kastle ihn in der Zwischenzeit zum Ninja ausbilden, weil er der letzte echte Ninja ist oder so. Logisch, man geht einfach nach dem Prinzip „Wie werde ich ein Ninja in 10 Tagen?“ Abends wird dann Kastles Date Lisa, welche er ungefähr zehn Minuten kennt, von ruchlosen Ninjas entführt und nach Venezuela verschleppt, weil ihr Vater zufälligerweise ein Chemiker ist, der gerade für einen sehr bösen Schurken eine Bombe bauen soll. Und weil der Doktor nicht so richtig spurt, soll Tochter als Druckmittel herhalten. Nun folgen wir unserem ungleichen Duo, die sich in günstigen Action-Szenen durch Horden von Ninjas kämpfen müssen. Ihr seht, auch „American Fighter 5“ erfindet das Rad nicht neu und greift auf bekannte Motive zurück, weswegen der Film, trotz seines ursprünglichen Titels, gar nicht so unähnlich zu den anderen Teilen ist. Natürlich ist auch hier die Story grober Unfug und verliert sich ab und an in diversen Logik-Löchern. Dazu scheint das Budget äußerst schmal gewesen zu sein. Diverse Szenen wirken doch sehr unfreiwillig komisch, wie zum Beispiel die Trainings-Montage, in der David Bradley den Jungen innerhalb von drei Minuten zum Ninja ausbildet und von der Seite die Nebelmaschine die Szenerie einhüllt. Auch kann der kleine Hiro danach kämpfen wie ein Weltmeister, was für einige heitere Momente sorgt.

Abseits vom geringen Budget und ein paar trashigen Momenten, kann man dem Film aber nicht viel vorwerfen. Man merkt deutlich, dass man hier ein jüngeres Publikum ansprechen wollte, da die Tonalität relativ heiter ist. David Bradley und Lee Reyes, der Hiro spielt, liefern sich immer wieder Schlagabtausche und müssen sich gegenseitig aus brenzligen Situationen befreien. Hier versucht man sich an Slapstick und lustigen Sprüchen, was meistens sehr gezwungen und flach daherkommt aber dem Ganzen einen durchaus netten Touch gibt. Auch ist der Film weit weniger gewalttätig als, zum Beispiel, „American Fighter 4“. Hier bleiben alle Gliedmaßen dran und Bradley beschränkt sich darauf seine Gegner meistens nur K.O. zu schlagen. Auch besitzt der Film, trotz 99 Minuten Laufzeit, ein gutes Tempo. Es gibt einige Ortswechsel und es kommt kaum Langeweile auf. Lediglich das Finale ist etwas zu lang geraten. Etwas lächerlich sind auch die Bösewichte, deren Motivation nie wirklich durchkommt aber vor allem der obligatorische böse Boss-Ninja regt eher zum Lachen an, denn der verbringt die meiste Zeit damit, sich von einem Ort zum Anderen zu teleportieren und sieht in seinem roten Cape aus, wie Doctor Strange für Arme. Aber auch die übrigen Schergen hüllen sich wieder in bunte Outfits. Neben schwarzen, weißen, gelben und roten Ninjas, gibt es jetzt erstmals auch welche in fecher Lavendelfarbe. Regisseur Bobby Jean Leonard hat einen relativ passablen Job erledigt und seine Inszenierung ist nicht schlechter als in den Vorgängern. Er hat das Maximale aus dem Budget herausgeholt und das kann man schon respektieren. Die Action-Choreographien gehen für einen Videotheken-Heuler, wie diesen, vollkommen in Ordnung und sind adäquat umgesetzt. David Bradley selbst liefert hier auch eine ganz anständige Performance ab. Viel Charisma besitzt er immer noch nicht, jedoch geht ihm die lockere Art besser von der Hand, als die ernste Kampfmaschine. Auch seine Chemie mit Lee Reyes funktioniert ganz gut. Der wiederum hat seine Momente, in denen er eine gute Figur macht, jedoch auch welche, in denen er einem ziemlich auf den Wecker geht. Anne Dupont als Lisa macht rein gar nichts außer in Gefahr zu sein. Ebenfalls bedeutungslos ist Pat Morita, der in lediglich drei Szenen auftritt und nur aus Marketingzwecken auf dem Cover zu sehen ist. Clemens von Frankenstein, ja der heißt wirklich so, ist als Bösewicht ebenso uninteressant, wie sein Henchman, gespielt von James Lew, der außer seinem ulkigen Kostüm kaum Momente hat. Der Film ist nicht sonderlich gut aber ich hatte durchaus meinen Spaß. Ziemlich trashig und billig gemacht, macht der Film trotzdem Spaß, wenn man sich darauf einlässt. Man hätte ihn jetzt nicht unbedingt als „American Fighter 5“ gebraucht aber so schlecht ist er nun auch wieder nicht, vielleicht sogar David Bradleys bester Auftritt.

„American Fighter 5“ ist ein eher loses Sequel zur bekannten Martial-Arts Reihe. Eher für jüngere Zuschauer konzipiert, schlägt der Film genau in diese Kerbe und präsentiert harmlose Ninja-Action und Humor-Szenen. Alles etwas comicy und trashig schafft es die Direct-to-Video Produktion passabel zu unterhalten. Für verregnete Sonntage ist der Streifen durchaus guckbar, wenn man ein Faible für doofe Ninja-Filme hat.

[amazon_link asins=’B005RB6C2W’ template=’ProductCarousel’ store=’retrofilmbl07-21′ marketplace=’DE’ link_id=’0e253953-34a8-11e7-8366-096ff8b3cfbb’]