Assault – Anschlag bei Nacht

Schon seit längerem brodelt es in den Straßen von L.A. Als die Polizei des Nachts eine komplette Jugendgang auslöscht, eskaliert die Situation. Die Jugendlichen bewaffnen sich und ziehen mordend durch’s Ghetto. Nach dem brutalen Mord an einem kleinen Mädchen sinnt dessen Vater auf Rache und tötet den Täter. Als der Vater dann auf der Flucht vor dem Rest der Gang in ein Polizeirevier flieht, wird es von den jugendlichen Angreifern regelrecht belagert. Für den einzigen Polizeitbeamten des eigentlich schon geschlossenen Reviers und die ihn unterstützenden Häftlinge beginnt eine mörderische Nacht..

 

John Carpenter ist einer meiner absoluten Lieblingsregisseure. Egal ob „Halloween“, „The Thing“ oder „Escape from New York“, Carpenter reihte in den späten 70ern bis Ende der 80er einen Kracher an den nächsten. Begonnen hat sein Ruhm unter Genre-Fans spätestens mit seinem zweiten Spielfilm „Assault on Precinct 13“, dem ich hier ein Review widmen möchte, da ich kürzlich in den Genuss kam, ihn auf Blu-Ray zu sehen. In diesem Low-Budget Meisterwerk präsentiert Carpenter schon früh die Stilmittel, die ihn zum dem machten, was er wurde. Ein Meister des Horror/Thriller-Genres, dessen Filme in keiner vernünftigen Sammlung fehlen dürfen.

Wenn der Film beginnt und das Main-Theme einsetzt bekomme ich Gänsehaut, denn so geniale Filme er gedreht hat, so famos waren die Soundtracks, die er komponierte. Auch hier transportiert der Synthie-Score ein gewisses Feeling, welches perfekt mit Bild und Ton im Einklang ist. Der Plot ist relativ simpel und besitzt keine komplexen Wendungen oder ähnliches. Hier geht es nicht primär um die Story. Der Belagerungsthriller lebt von seinem Set-Up, den Figuren und der Inszenierung, was Carpenters volles Können zeigt, was er später noch perfektionieren sollte. Der Minimalismus in Effekten und Ausstattung ist eben dem Budget geschuldet aber das ist auch gar nicht erst notwendig. Die Figurenkonstellation bietet so viel Dynamik, dass sie die eigentliche Hauptattraktion ist. Allen voran Darwin Joston als Napoleon Wilson spielt unglaublich viel Präsenz. Obwohl seine Rolle relativ zurückhaltend ist bleibt seine Figur die interessanteste. Gerade sein trockener Humor machen viele Szenen besonders hervorragend. Auch Austin Stoker und Laurie Zimmer spielen äußerst lebendig erschaffen dreidimensionale Charaktere, mit denen man mitfühlt und vor allem mitfiebert.

Aber der größte Star ist und bleibt John Carpenter. Der Autorenfilmer, der sich später im Genre-Film voll und ganz austobte inszeniert hier eine Liebeserklärung an den Howard Hawks Western „Rio Bravo“ mit John Wayne, der ein ähnliches Set-Up hat, und mischt es mit Elementen des aktuellen Exploitationfilms und erschafft ein fast schon Kammerspielartiges Paranoia-Sujet. Auch die Bedrohlichkeit trägt viel zur Spannung bei und resultiert klar aus Carpenters Bestreben eine gesichtslose Übermacht, in dem Fall die Banden, auf entwickelte Charaktere zu hetzten. Ein Stilmittel was voll und ganz aufgeht. Da wir die Figuren ausführlich kennen lernen, werden sie greif- und nachvollziehbar, man fiebert mit. Ähnlich wendet er diese Verteilung in „Halloween“ an, in der auch lange Figuren eingeführt werden, mit denen man sich identifizieren kann. Wenn dann der Gesichtslose und fern jeder Menschlichkeit agierende Michael Myers auftritt, wirkt das ganze Szenario noch viel spannender und intensiver.

Enough said, „Assault on Precinct 13“ ist ein fantastischer, fast schon Low-Budget, Thriller, der äußerst spannend und geschickt ein Belagerungs/Survival Set-Up bietet und 90 Minuten fesselt. Gute Schauspieler, dichte Inszenierung, ein gutes Script und ein toller Soundtrack ergeben den ersten Meilenstein in Carpenters Karriere und einen fantastischen Film für uns, den man gesehen haben sollte.

PS: Der Film ist ungekürzt ab 16 Jahren auf DVD und Blu-Ray erhältlich. Fans sei zu dem wunderbaren Mediabook von „Capelight Pictures“ geraten.