Atemlos (1983)

Der Schmalspur-Ganove Jesse liebt schnelle Autos, Jerry Lee Lewis und den Comic-Helden ‚Silver Surfer’. Doch am meisten liebt Jesse die französische Studentin Monica. Er überredet sie zu einer Fahrt nach Mexiko. Dass es sich dabei um eine Flucht vor der Polizei handelt, verschweigt er Monica allerdings. So wird die Reise zu einem wahrhaft atemberaubenden Trip.

 

„Baby, you can Drive my Car!“
Es gibt viele filmische Werke, die eine Hommage an die 50er Jahre bilden. „Grease“ ist wohl einer der berühmtesten Vertreter. Nicht ganz so berühmt und seiner Zeit gefloppt, kommt Jim McBrides fiebrig poppiges Krimi/Liebes-Drama „Atemlos“ daher, welches neben origineller Bildkomposition und gut aufgelegten Darstellern in einem klassischen Rock’n’roll Soundtrack schwelgt und den Zuschauer auf einen knisternden Ritt zwischen Freiheit, Liebe und Schicksal einlädt.

Der Film stellt eine Neuverfilmung des Jean-Luc Godard Klassikers „Außer Atem“ dar, in welchem Jean-Paul Belmondo seiner Zeit die Hauptrolle verkörperte. Im Remake sehen wir Richard Gere als Jesse Lujack, einen Kleinganoven, einen Kindskopf, der nur für den Augenblick lebt und dessen Credo schlicht und ergreifend „Alles oder nichts“ ist. Gefolgt vom Gesetz nach einem unfreiwilligen Mord zu Beginn des Films, scheint Jesse die Probleme zu verdrängen. Er scheint nur für Monica (Kaprisky) zu leben, der er restlos verfallen ist. Der Film behandelt dabei vordergründig die Beziehung der beiden. Er ist weniger an der Geschichte und deren Ausgang interessiert, viel mehr Augenmerk legt er auf Anziehung beider Figuren und die Frage wie stark Liebe sein kann und welche Höhen und Tiefen sie durchlaufen muss. Monica wird als Gegenpol zu Geres Figur dargestellt. Geerdet, studierend, eine große Karriere anstrebend. Trotzdem fühlt sie sich zu Jesse hingezogen und wirft ihre persönlichen Ambitionen immer wieder über Bord um letztendlich doch wieder zu zweifeln. Jesse wird wie ein Fremdkörper charakterisiert. Der schlitzohrige Ganove, der sich nicht an Regeln hält, ein Rebell, dessen Lebensinhalt nach Monica aus „Silver Surfer“-Comics und der Liebe zu Jerry Lee Lewis besteht. Der mit Old-School Klamotten ausgestattete Jesse, ist sozusagen eine Art Träumer, der in einer Zeit zu leben scheint, in der Freiheit und die Verhaltensweise „Tun und Lassen was man will“ an höchster Stelle steht. So wird eine unterschwellige Spannung aufgebaut, sieht sich Jesse doch immer wieder im Radius der Polizei, die nach ihm fahndet und sobald er bei Monica ist scheint die Welt um ihn nicht mehr zu existieren. Er lebt in einem eigenen Kosmos, was zum Anfang auch bildlich suggeriert wird. Fiebrige Farben, Rockmusik, das Fahren vor einer Laufwand mit Speed-Up Effekt. Was vordergründig eine Hommage an die 50er ist, bildet zugleich Jesses Paralleluniversum, bis ihn die Realität einholt.

Regisseur Jim McBride inszeniert eine rasante Love-Story. Ein Paar was sich versucht über Konventionen hinweg zusetzen. Mit poppiger Ästhetik, einem klassischen 50er Soundtrack erschafft er eine Welt, die sich bei diversen Popkultur-Zitaten bedient, in ihrer Grundkonstellation, quasi ein „Bonnie & Clyde“-Märchen. Durchzogen mit etwas Erotik geben Kaprisky und Gere ein gutes Paar ab, vor allem Gere geht in seiner Rolle auf und spielt mit viel Verve den Hitzkopf und Lebemann. Die Nebendarsteller fallen dabei hinten runter, da für weitere Figuren nicht viel Platz ist. Die Geschichte entwickelt sich gut und die Charaktere ziehen den Zuschauer in ihren Bann. Gerade durch diese vielen Attribute, diente diese Krimi-Romanze Quentin Tarantino als Vorlage. Sein Drehbuch zu „True Romance“ wirkt eindeutig von diesem Film inspiriert.

„Atemlos“ ist ein kleines Kunstwerk. Charakterdrama, rasante Pulp-Romanze und auch poppige 50’s Hommage. Der Film funktioniert auf diversen Ebenen. Richard Gere in seiner wohl extrovertiertesten Rolle und der famose Soundtrack sind dabei die Kirche auf diesem knisternden Früchtebecher. Nicht nur für Nostalgiker sehenswert, sondern auch für Freunde klassischer Liebesgeschichten!

Der Film ist ungekürzt ab 16 Jahren auf DVD und Blu-Ray erhältlich, wobei die Neuveröffentlichung von „Capelight“ die beste Wahl ist.