Auf Messers Schneide – Rivalen am Abgrund (1997)

Der alternde Milliardär Charles Morse verdächtigt den Mode-Fotografen Robert Green ein Verhältnis mit seiner Frau zu haben. Deshalb lädt er seinen Nebenbuhler zu einem Trip in die unendlichen weiten Alaskas ein. Was als normale Reise beginnt, entwickelt sich zum unerwarteten Horrortrip als der Privatjet abstürzt. Fernab jeglicher Zivilisation müssen sich die Rivalen nicht nur den brutalen Mächten der Natur und den Angriffen eines riesigen Grizzlys stellen – beide haben es mit einem noch intelligenteren, gefährlicheren und tödlicheren Gegner zu tun – der menschlichen Natur!

 

Die Wildnis, die Gewalt der Natur, der Kampf ums Überleben. Diese drei Motive sind seit jeher Bestandteil der Kinokultur. Zu den weniger bekannten Werken, gehört der 1997 erschienene „Auf Messers Schneide“, in dem Anthony Hopkins und Alec Baldwin der Macht der Natur trotzen. Zu Unrecht, denn der Film ist ein spannender und packender Survival-Thriller vor fantastischer Kulisse.

Der neuseeländische Regisseur Lee Tamahori ist nicht gerade ein Oscar-Regisseur, inszenierte er doch mit „Im Netz der Spinne“ im Jahr 2000 einen eher mittelmäßigen Thriller. Auch weitere Großproduktionen sind bei Cineasten nicht besonders hoch angesehen. Sein Beitrag zur James Bond Reihe „Stirb an einem anderen Tag“ aus dem Jahr 2002 ist bei Fans weniger beliebt aber nicht so desaströs wie das furchtbare „xXx“-Sequel „xXx 2 – The Next Level“ von 2004. Neben all dem Schatten existiert dennoch Licht in Tamahoris Vita. Seine dritte Regiearbeit und seine zweite US-Produktion „Auf Messers Schneide – Rivalen am Abgrund“ ist um jeden Zweifel erhaben. Das Abenteuer Drama verfügt zwar über einen nicht sonderlich ausgeklügelten Plot, jedoch wird er so effektiv in Szene gesetzt, dass man zwei Stunden gebannt vor dem Fernseher sitzt. Tamahori schafft es nachvollziehbare Charaktere zu inszenieren, obwohl die Handlung sich vorwiegend zwischen Alec Baldwin und Anthony Hopkins abspielt. Ein belesener und besonnener Milliardär, der über sich hinauswächst und ein impulsiver Fotograf, der die Nerven verliert auf sich alleine gestellt im Kampf gegen die Natur. So einfach, so gut! Tamahoris Inszenierung hat Dynamik und rasanten Szenen sind spannend inszeniert, ohne viel Schnick Schnack und schnelle Schnitte. Der Film lässt der psychologischen Komponente viel Raum, jedoch kommt diese, zu Gunsten von Action, nicht zu oft hervor und wird über weite Stellen nur angekratzt, was etwas schade ist, da mehr davon den Film hätte perfekter werden lassen können. Nichts desto trotz entschädigt uns das Survival-Drama mit spannenden Momenten. Ob die Szene am Wasserfall und die Kämpfe mit dem Bären, alles funktioniert prächtig. Allein die Kampfszenen sind beeindruckend, wenn man bedenkt, dass es ein echter und ausgewachsener Grizzly Bär ist, der sich da auf unsere Figuren stürzt. Die Szenen sind voller Intensität und man hat großen Respekt vor den Leistungen aller Beteiligten. Das dies nicht selbstverständlich ist zeigt sich im Abspann, in dem „Bart the Bear“ und sein Dresseur extra erwähnt werden. Bart ist zudem kein unbekannter und wurde bereits für zahlreiche Filmproduktionen, wie „Legenden der Leidenschaft“ oder den Steven Seagal Actioner „Auf brennendem Eis“´, eingesetzt.

Auch fantastisch sind die Bilder, denn „Auf Messers Schneide“ ist traumhaft gefilmt und bietet eine staunenswerte Kulisse in der Wildnis von Alaska, die unseren Charakteren einiges abverlangt. Egal ob Kälte, mangelndes Essen, Schnee und eben wilde Tiere. Einzig bremsen Logiklöcher den Filmgenuss etwas, da doch Situationen etwas hanebüchen sind. Wie Baldwin und Hopkins nach Tagen, ohne viel gegessen zu haben, immer noch fit und gut zu Fuß sind, bleibt genauso ein Rätsel, wie manche Einfälle, die Hopkins aus Büchern zitiert. Trotz dieser Kleinigkeiten ist der Film dennoch äußerst sehenswert. Nicht nur Inszenierung, Kamera und Atmosphäre zeichnen dieses cineastische Erlebnis aus, sondern ganz klar auch die Schauspielleistungen. Abseits unserer Hauptakteure finden wir nur Randfiguren, die nicht der Rede wert sind, denn die Bühne gehört zweifelsohne Anthony Hopkins und Alec Baldwin, die beide hervorragende Darbietungen abliefern. Hopkins brilliert durch seine ruhige und bedachte Art und zeigt, dass er mehr kann als nur „Hannibal Lecter“. Baldwin hingegen steht dem in nichts nach und spielt mit viel Temprament den impulsiven Sprücheklopfer, der langsam in manische Panik verfällt. Beide Schauspieler ergänzen sich wunderbar, was auch für so einen Film  auch wichtig ist. Ebenso imposant ist der Soundtrack von Jerry Goldsmith, dessen wunderbare Musik, sowohl malerisch als auch imposant und dicht den Film untermalt.

„Auf Messers Schneide – Rivalen am Abgrund“ von Lee Tamahori ist ein sehenswerter, packender und spannender Film über Männer, die trotz ihrer unterschwelligen Rivalität über sich hinauswachsen und den Kampf mit der harten Natur aufnehmen. Trotz Logiklöchern und einigen losgelassenen Fäden, ist der Film durch seine Kameraarbeit, den Score, die Inszenierung und die Schauspielleistungen ein klarer Tipp für Filmfans. Sträflich unbeachteter Film, der eine größere Rezeption durchaus verdient hat. Ganz klar Tamahoris bester Film.