Barbarella

Wir schreiben das Jahr 40000, und Geheimagentin Barbarella steht vor ihrem schwierigsten Auftrag: Sie soll den kriminellen Wissenschaftler Durand Durand daran hindern, für die gefürchtete Schwarze Königin eine vernichtende Geheimwaffe zu entwickeln. Auf der Suche nach Durand gerät Barbarella in allerhand erotische Abenteuer, muß des öfteren um ihr Leben fürchten und steht schließlich der Schwarzen Königin persönlich zum Duell gegenüber.

 

„Barbarella“, WHAT THE FUCK!? Zum ersten Mal hörte ich von dem Film, als Robert Rodriguez („Desperado“, „Sin City“) ankündigte ein Remake inszenieren zu wollen. Nun einige Jahre später, das Projekt ist derweil nicht mehr existent, komme ich in den Genuss, die Comic-Verfilmung aus dem Jahre 1968 zu erleben. Was als abgefahrener Euro-Trash mit Anflügen von Sexploitation beginnt, entpuppt sich zu meiner Überraschung als durchaus wichtiges, filmisches Werk seiner Zeit, welches einen, zur damaligen Zeit, neuen Zeitgeist interpretiert und mehr ist als eine bloße Männerfantasie.

Ich kenne die Vorlage zwar nicht, aber ich glaube durchaus, dass der Film sich eng an die Vorlage hält. Die kompletten 98 Minuten fühlen sich an wie ein Comic-Strip, der auf Zelluloid gebannt wurde. Vordergründig sieht man abgefahrenen Trash, was eben nur Vordergründig ist. Klar, die Sets und Kulissen sind billig und albern, die Kostüme sind noch alberner und die Dialoge laden zum lauten Lachen ein. Aber der Film versprüht zudem durch die Bank eine wahnsinnige Leichtigkeit, ja es sind sogar selbstparodistische Elemente vorhanden. Viele Momente glänzen Ironie und zelebrieren bewusst den Faktor Spaß. Aber das ist nicht der Hauptpunkt des Films, denn er fängt zudem eine Gesinnung, einer ganz neuen Generation ein. Die 68er Bwegung ist geprägt von einem neuen Lebensgefühl, von Liebe, Frieden und Harmonie. Die Zeit der Hippies und des Kreuzzugs gegen das biedere System, die Konsumgesellschaft, sprich das Establishment. „Barbarella“ bündelt genau dieses Gefühl, diese Bewegung in sich und lässt es mit Vollgas auf den Zuschauer los. Unsere Helden kämpft für Frieden und Liebe im Auftrag der Erde und rutscht somit von Abenteuer zu Abenteuer. Auch die Sex-Anflüge sind ein klarer Punch gegen die biedere Gesellschaft der 60er Jahre. „Barbarella“ lernt dass körperlichen Sex viel intimer und befreiender ist als die „Verzückungsübertragung“, was ein Seitenhieb gegen die zugeknöpften Spießer der alten Generation ist. Love, Peace & Harmony sind die zentralen Kernpunkte dieser abgefahrenen Space-Odysee.

Jane Fonda verkörpert mit Bravour die Hauptfigur und versprüht sowohl Humor, Heldentum, Intelligenz als auch Erotik. Ihre Rolle war wohl der Anstoß, der aufkommenden Sex-Welle und eine der ersten weiblichen Heldinnen, die sich selbstbewusst und zudem auch aufreizend präsentierten. Es ist eine Freude ihr dabei zuzusehen. John Phillip Law hingegen hat ebenfalls eine skurrile Rolle als Vogelmensch, was mich aber weniger gejuckt hat. Ich kenne ihn aus „Danger: Diabolik“ oder „Death rides a Horse“, in welchen er ähnlich blass ist, so habe ich das auch hier empfunden. Der Rest des Casts spielt wahnsinnig over the top und untermalt dieses, ja fast schon Kunstwerk. Fondas damaliger Ehemann Roger Vadim inszeniert das ganze bunt, grotesk und voller verrückter Ideen und stillisiert das Ganze als flotte, mit Beat-Musik untermalte Pulp-Granate der besonderen Art. Die eben erwähnte Beat-Musik unterstreicht noch gekonnt den 68er Aspekt und fügt sich wunderbar mit den Bildern zusammen und erschafft somit das ultimative 60`s Feeling.

„Barbarella“ ist wahnsinnig unterhaltsamer 60er-Sci-Fi-Trash. Billig, verspielt, abgefahren und teilweise völlig gaga. Wer aber über den „Pulp Fiction-Aspekt“, dieser Comic-Verfilmung hinausblickt erkennt ein Plädoyer für ein neues Lebensgefühl. Weg von Vorschriften und Spießigkeit, hinzu Freiheit, Liebe und Selbstbestimmung. Das alles verpackt in 98 Minuten selbstironischen Spaß. Dass ein Film wie dieser, mir solch eine Message unterbreiten kann hane ich nie geglaubt. Ich wurde eines besseren belehrt!

In diesem Sinne: Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch
PS: Der Film ist ungekürzt ab 16 Jahren auf DVD und Blu-Ray erhältlich.