Besessen – Das Loch in der Wand

Als dem Arzt-Studenten Nils Janssen zufällig ein Bild von der Wand fällt, entdeckt er dass sich dahinter ein Loch befindet, wodurch man in die benachbarte Wohnung blicken kann. Von dem Zeitpunkt an ist er wie besessen, seinen sonderbaren Nachbarn auszuspionieren der merkwürdige Dinge drüben treibt. Als er eines Tages beobachtet, wie anscheinend eine Frau umgekommen ist, lässt er sich den Schlüssel nachmachen und schleicht in die benachbarte Wohnung nachdem der Besitzer weg gefahren ist. Dort findet er nicht nur die Frau die gefesselt über der Badewanne hängt, sondern auch eine gefährliche Droge, wie sich nachher heraus stellt als er die Flüssigkeit analysieren lässt. Zur gleichen Zeit ermittelt Nils` Freundin Marina als Journalistin in einem höchst interessanten Mordfall um den Verbrecher Petrucci und um eine verschwundene Frau namens Stella Olsen die mit der Sache offensichtlich zu tun hat. Irgendwann kreuzen sich Marinas` Story und das geheimnisvolle Treiben von dem Typen aus der Nachbarwohnung und die Sache wird immer mysteriöser…

 

Mit BESESSEN – DAS LOCH IN DER WAND schuf 1969 Regisseur Pim de la Parra einen fesselnden Thriller der einige Themen noch immer ins aktuelle Tagesgeschehen interpretiert. Parra ist es gelungen einen Film zu inszenieren, der stark an einen Hitchcock Film erinnert. Mit minimalistischen Mitteln und nur wenigen Sets gelang es ihm einen spannenden und zugleich mysteriösen Film zu schaffen. Bei dem Film handelt es sich um eine Gemeinschaftsproduktion zwischen Deutschland und den Niederlanden.

BESESSEN spielt gekonnt mit dem Thema Voyeurismus und der ebenfalls noch immer aktuellen Thema der Unterlassenen Hilfeleistung. Das Thema und die Story des Films sind in einem recht zügigen Tempo in Szene gesetzt worden. Recht schnell bemerkt der Zuschauer welche Charaktere zum weiteren Verlauf der Geschichte von Nöten sind. Dazu gesellen sich noch oft offene Fragen, die zumeist bis zum Ende komplett unbeantwortet bleiben. Die Kameraeinstellungen sind ruhig und ohne hektischen Bewegungen. Die Linse hält direkt drauf aufs Geschehen und wechselt nur selten den Winkel des Objektivs. Gelegentlich bekommt der Zuschauer eine Einstellung mit der Kamera geboten, wie unser Hauptcharakter das Geschehen von seiner Seite des Loches in der Wand wahrnimmt. Viele Szenen sind zudem noch mit einem einprägsamen und keinesfalls nervenden Score vom Komponisten Bernard Herrmann versehen. Was der Atmosphäre innerhalb des Films zugute kommt.

Doch haben sich auch ein paar Aspekte eingeschlichen, die heutzutage etwas angestaubt wirken. Allen voran das Schaubild und Ansehen der damaligen Frauen. Sie dienten oft nur als Lustobjekt und waren Objekte der Begierde. Zudem wirken sich auch oft nicht nachvollziehbare Handlungen negativ auf das Erscheinungsbild aus. Doch diese Fehler oder auch Ungereimtheiten sind auch unserem Nils dem Hauptcharakter zu zusprechen. Die Tatsache das Nils anstatt das Geschehen in seinem Nachbar Apartment zu melden, sei es der Polizei oder auch seiner Freundin, die als Redakteurin bei einer Zeitung arbeitet sind schwer zu verstehen. Somit verstrickt er sich selbst ohne es zu ahnen, selbst in das Geschehen. Der Drang des Voyeurismus übermannt ihn förmlich.  

So stark wie BESESSEN anfängt, so leer endet er leider. Einige der vorher offenen Fragen werden kaum oder gar nicht beantwortet. Zudem baut der Spannungsbogen sachte ab. Der Zuschauer wartet gespannt auf die Auflösung des Geschehens und welcher Charakter genau wie und was mit den Geschehnissen zu tun hat, und wird ohne Auflösung stehen gelassen.

Der deutsche Schauspieler Dieter Geissler bietet dem Zuschauer eine saubere und excellente Arbeit in seiner Rolle des Studenten Nils ab. Somit ist BESESSEN sehr viel fesselnder und spannender als manch andere Produktionen aus Deutschland. In weiteren Rollen sind Alexandra Stewart, Tom van Beek, Marijke Boonstra und Vibeke Lokkeberg zu sehen.

Lange Zeit befand sich BESESSEN auf dem Index und war nur auf VHS verfügbar. Doch diese Versionen waren allesamt gekürzt worden. Eine Indezierung des Films ist aus heutiger Sicht schwer nachvollziehbar. Vor allem da sich die Gewaltdarstellung sehr weit zurück hält. Doch BESESSEN beinhaltet viele Szenen mit nackter Haut. An diversen Stellen blitzen nackte Brüste und lange nackte Beine auf, zudem einige Sex Szenen, die gekünstelt wirken. Doch ob diese der Verursacher der Indizierung waren, kann kaum einer nachvollziehen. Auch sind über BESESSEN kaum Informationen einholbar.

Das Label Koch Media spendierte uns nun BESESSEN digital überarbeitet auf Blu-ray, die Indizierung des Films wurde bereits im Jahr 2011 aufgehoben.