Bestien lauern vor Caracas (1968)

Genauso zwielichtig und zweifelhaft die Gruppe von Passagieren an Bord des rostigen Kahns von Captain Larson ist, genauso verhält es sich mit seiner illegalen Fracht von hochexplosiven Material, die auf der Fahrt mitten im Ozean auch dafür verantwortlich ist, dass die Menschen das Leck geschlagene voll laufende Schiff verlassen müssen. Mit dem Rettungsboot versuchen sie weiter zu kommen, verlieren doch bei einen Unfall einen der Passagiere. Was die Leute nicht merken ist, dass sie sich im Kreis bewegen und bald wieder an dem Schiff ankommen, dass sie verlassen haben und trotz des Lecks nicht gesunken oder auf Grund der illegal transportierten Chemikalie, die mit Wasserberührung eigentlich hochgehen sollte, nicht explodiert war, wie man angenommen hatte. Doch unheimliche Algen, die auch für den Tod des einen Passagiers auf dem Rettungsboot verantwortlich waren, beginnen im Wasser immer dichter zu werden und das ganze Schiff wie von von einem Willen gesteuert auf die Küste von Caracas zu lenken. Dort scheint die Zeit stehen geblieben zu sein, denn sie werden nicht nur einer alten spanischen Sekte und deren Konquistadoren bedroht… 

Ich war noch ein Kind, als ich Bestien lauern vor Caracas im Spätprogramm der öffentlich Rechtlichen im Fernsehen sah – vor der Zeit, als die Privatsender Pro 7 und VOX Einzug im deutschen TV erhielten und mich bis heute begeisterte. Dass es sich bei Bestien lauern vor Caracas um einen Film der britischen Hammerfilm-Studios handelt und sich an der Buchvorlage Uncharted Seas von Dennis Wheatley orientierte, wusste ich damals als Kind natürlich nicht. Der 1994 verstorbene Regisseur und Produzent von Hammer-Filmen wie dem zweiten Quatermass-Teil Feinde aus dem Nichts von 1957 oder Dracula von 1958 mit Christopher Lee und Peter Cushing in den Hauptrollen, Michael Carreras, drehte diesen in meinen Augen recht ungewöhnlichen Streifen; einer grandiosen Mischung aus Science Fiction, Fantasy und Abenteuerfilm, gespickt mit Gruselfilmflair.

Was Bestien lauern vor Caracas aus meiner persönlichen Ansicht so ungewöhnlich macht ist die grandiose Geschichte, die auch tricktechnisch hervorragend umgesetzt wurde sowie das ganze Drumherum und die absonderliche bizarre Atmosphäre. Dass die Filme der Hammer-Studios eigentlich jeder für sich immer ungewöhnlich und einzigartig in ihrer Art waren, werden wohl viele der Film-Fans nicht abstreiten, aber Bestien lauern vor Caracas ist da noch ein bisschen anders und noch ein bisschen ungewöhnlicher.^^

Den Film kann man in zwei Hälften teilen; die Erste ist eher ein Drama, dass auf einem verrosteten Schiff spielt, das sich auf die Darstellung der Charaktere und deren meist tragischen Geschichten konzentriert, während sich die zweite Hälfte dann zu einem wahren Feuerwerk an Kreativität entwickelt.

Es sind die Kostüme, die Kulissen, der Detailreichtum und die Stimmung des Filmes welche ihn so besonders meiner Meinung nach machen. Die wenigen Monster auf die sich der deutsche Titel Bestien lauern vor Caracas bezieht – falls überhaupt die Monster damit gemeint sind^^ – sind natürlich … ja sie wirken heute eher amüsant als gruselig, aber das ist ja heute bei den meisten Klassikern so. Aber trotz dessen mindern sie nicht die fantastische Atmosphäre des Filmes, sondern begleiten sie nur kurz, wesentlich mehr Aufmerksamkeit wird dann eh auf die Sekte und deren Mitglieder gelegt. (Ich will aber darauf nicht länger eingehen, um auch nichts zu verraten) nur soviel dazu, dass die Atmosphäre meiner Meinung nach einzigartig genial ist. 

Eric Porter, der mit Alec Guinness und Ricky Schroder in Der kleine Lord von 1980 vor der Kamera stand, sowie Hildegard Knef, die eigentlich jedem in Deutschland bekannt sein dürfte und mit deren Tod 2002 ein Stück deutsche Kultur und Geschichte für immer verloren gegangen ist , sind in Bestien lauern vor Caracas am ehesten als die Hauptdarsteller zu betrachten und wirken für einen phantastischen Film wie diesen recht glaubwürdig und stellen sich durch ihren Bekanntheitsgrad auch nicht zu sehr bzw gar nicht in den Vordergrund; schnell kann man sich als Zuschauer mit deren verkörpernden Charakteren identifizieren.

 Gerard Schurmann, der auch die Filmmusik zu dem Filmepos Lawrence von Arabien komponierte, begleitet mit seiner mysteriös unheimlich bis dramatischen Filmmusik in Bestien lauern vor Caracas den Zuschauer auf und durch diesen phantastischen Trip, dessen Originaltitel The lost Continent eher an den Inhalt des Filmes als seine deutsche Namensgebung herankommt. Allerdings sollte man diesen nicht mit den Dino-Schinken mit Doug McClure in Verbindung bringen, da man Urzeitechsen in Bestien lauern vor Caracas vergebens sucht.

Die großartigen Kostüme von denen ich schon schrieb wurden von Carl Toms entworfen, der auch die in Filmen wie Eie Million Jahre vor unserer Zeit und als die Dinosaurier die Erde beherrschten kreierte und die dazu beitragen, dass sie mitunter anderem zu einer Art Wiedererkennungsmerkmal von Bestien lauern vor Caracas wurden.  Für mich ist Bestien lauern vor Caracas ein toller Film mit tollen Ideen und einer Atmosphäre, die ihn für mich persönlich unvergesslich macht, die durch einen mysteriös wirkenden Gelbstich noch irgendwie verstärkt wird. 

Wie auch bei vielen Klassikern ist es leider sehr kostspielig den Film auf DVD von Anolis in der Hammer Edition zu bekommen, was um so ärgerlicher ist, da es dazu noch auch die einzige Veröffentlichung auf einem käuflich zu erwerbenden Medium ist seit der Film 1968 in den deutschen Kinos lief. Ich hoffe inständig, dass sich ein Label findet, dass diesen großartigen Klassiker nochmals herausbringt, so dass ihn sich auch der Normalbürger leisten kann. Der Film ist einfach zu gut, um in Vergessenheit zu geraten, nur weil man ihn auf Grund seines utopischen Kaufpreises kaum erwerben kann.

Wertung: 10/10 Punkten

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