Bis das Blut gefriert (1963)

Das eine Gruppe von Menschen, die höchst sensibel auf Übersinnliches reagieren und ein Haus wie das Hill House perfekt für Studien über paranormale Phänomen sein müssen, davon ging Psychologe Dr. John Markway aus, aber dass es in einem solchen Horrorszenario ausartet, hätte er niemals erwartet, wollte er doch den Beweis erbringen, dass es so etwas wie Spuk nicht gibt und dass es für paranormale Vorgänge weitaus wissenschaftlich seriösere Erklärungen gibt. Als aber die Testpersonen von Dr. Markways Experiment das Haus geradezu zum Leben erwecken, muss der Psychologe einsehen, dass es immer noch Dinge gibt, die mit Rationalität und gesundem Menschenverstand nicht zu erklären sind…

 Bis das Blut gefriert ist wahrlich ein zutreffender Titel für einen wohl der gruseligsten Horrorfilme über Spuk und Geister der Jahre vor 1970, die ich persönlich kenne. Ein Film, der in schwarzweiß von Robert Wise, der auch 1979 den ersten Star Trek-Spielfilm um Kapitän Kirk drehte, nach einem Roman von Shirley Hardy Jackson verfilmt wurde und einem Gänsehaut und Grusel in vollendeter Form bietet.

Mir persönlich gefällt dieser Klassiker auch deshalb so gut, weil er sich an den alten Gespenster- und Gruselfilmen orientiert, die ihre Spannung und die Atmosphäre durch das hervorragende Spiel mit Licht und Schatten erzeugt sowie dadurch, dass sie mit den Ängsten der Zuschauer vor dem Unbekannten spielen. Ein unheimliches Haus in dem unheimliche Dinge vor sich gehen, wo Türen wie von Geisterhand zugeschlagen werden, wo unheimliche Geräusche nachts die Protagonisten beinahe das Blut in den Adern gefrieren lässt und wo man glaubt den Verstand zu verlieren, weil man nicht mehr zwischen Realität und Einbildung zu unterscheiden vermag.  

Robert Wise beweist, dass ein Horrorfilm- oder sagen wir mal lieber ein Gruselfilm – sogar sehr gut ohne Monster, Zombies oder anderen Gestalten auskommen kann, dass es nicht nötig ist blutige und gewalttätige Inhalte zu zeigen, sondern dass es völlig ausreicht den Zuschauer mit der Furcht an sich zu konfrontieren. Der Angst davor von etwas unsichtbaren berührt zu werden, das man sich gar nicht wagt vorzustellen, wie das Antlitz dieses Etwas ausschaut, ohne vor Panik durchzudrehen sowie dem an den Nerven zerrenden undefinierbaren Ächzen und Stöhnen, das von überall her scheint herzurühren. Das Nicht sichtbare ist mit Sicherheit gruseliger als das was man sieht, vor dem man weglaufen könnt, weil das Grauen im eigenen Kopfe eine Gestalt bekommt, eine wage Vermutung, schattenhaft und doch entsetzlich. Und nichts ist grässlicher als die eigene Fantasie, die in solchen Situationen einem beinahe den Verstand raubt.

Wer  hat sich als Kind nicht schon einmal alleine zu Hause gefürchtet und wusste nicht genau wovor? Man hatte Angst davor, dass da noch etwas bei einem ist, etwas was einem nicht wohl gesonnen ist und nur darauf wartet, einen zu erschrecken. Und diese Angst vor dem Schreck, vor der Hilflosigkeit sich vielleicht nicht wehren zu können, steigert die Furcht zur Panik und lässt einem gerade als Kind hinter der Gardine, im Wandschrank oder im Keller im Schatten des sichtbaren etwas auf uns lauern, dass wo wir uns fürchten vielleicht sogar in seiner ganzen grausigen Unbeschreiblichkeit sehen zu müssen.

Im Gegensatz zu Filmen wie Nightmare on Elm Street oder Halloween, in denen das Grauen eine Gestalt hat, einen Charakter und sei es nur ein eeelenloser Killer, so gewöhnt man sich schnell an sein Erscheinungsbild, fürchtet man sich nur noch heimlich selbst davor zum Opfer dessen zu werden – in einem Film wie Bis das Blut gefriert funktioniert der Horror völlig anders, ist wesentlich subtiler und  raffinierter, weil man nicht wirklich weiß, wovor man sich eigentlich fürchtet und im Grunde genommen will man es auch nicht sehen, da wie wir ja wissen die Vorstellung von etwas, was man nicht sehen kann.wahrscheinlich wesentlich schlimmer als das ist, was uns ein Regisseur oder ein Maskenbildner vorsetzen kann.

Eine nahe zu perfekte Kameraführung lässt den Zuschauer – jedenfalls erging es mir so in Bis das Blut gefriert schon fast vergessen, dass es sich um einen Film handelt, den ich eigentlich aus sicherer Entfernung (auf dem Sofa) anschaue und gaukelt einem vor, man befände sich mit im Geschehen. Hilflos müssen wir dorthin schauen, wo zum Beispiel Claire Bloom (Göttin Hera in Kampf der Titanen) und Julie Harris (Gorillas im Nebel) als Elenor und Theodora hinsehen, obwohl wir am liebsten davon laufen würden, aber wir sehen hin und erschrecken uns oder wiegen uns vorerst in einer wissentlich trügerischen Sicherheit. 

Und anders wie bei Freddy Krueger und Co. bangen wir um die Charaktere in Bis das Blut gefriert, hoffen darauf, dass sie nicht von dem Unbekannten entweder in den Wahnsinn getrieben oder gar umgebracht werden, während in den “normalen” Horrorfilmen wir heimlich hoffen, dass die Opfer erwischt werden, mit Schadenfreude zusehen, welchen Horror sie durchleben und erliegen. Die Motivation derer oder dessen das für das Grauen in Bis das Blut gefriert verantwortlich ist, betrachten wir vorerst als nebensächlich, kommen wir gar nicht erst dazu die Absicht hinter allem zu hinterfragen, zu sehr sind wir damit beschäftigt uns auf das Entsetzliche vorzubereiten und uns ja nicht erschrecken zu lassen und zu versuchen unsere eigene Fantasie zu verbieten sich vorzustellen, was es ist, was da schuld an dem ganzen Horror ist. 

Genau das ist wiederum ein Pluspunkt für Bis das Blut gefriert, dass man ob man will oder nicht mit in das Geschehen hineingezogen wird, ein Teil des Filmes, den man natürlich ausschalten könnte, aber es doch nicht tut, zu stark ist die Faszination des Horrors in diesem Falle. Es verläuft genau nach dem gleichen Prinzip, wenn man einen Gruseligen udn spannenden Film sich anschaut, sich vor dem Schockmoment fürchtend die Hände vors Gesicht hält, aber die Finger so spreizt, dass man gerade noch etwas mitbekommt was auf der Leinwand oder dem Bildschirm des Fernsehgerätes abläuft. Paradox aber wahr. 

Die eher oft erst unterschwellig wahrnehmbare Musik, die dann aber zu rechten Zeit,wenn wir es am wenigsten erwarten voll und erbarmungslos zuschlägt und uns zusammenzucken lässt stammt von Humphrey Searle, der auch die Musik zum 1957 erschienenen Horrorfilm Yeti – Das Schneemonster schrieb. Das schöne ist, dass durchs eine Musik nicht wie sonst die Spannung künstlich erzeugt wird, sondern die Musik eher aus der Spannung heraus resultiert. Klingt vielleicht etwas komisch und umständlich, aber anders kann ich dieses perfekte Zusammenspiel nicht in Worte fassen. Zudem wird gar nicht so oft die Musik eingesetzt, vieles wird durch die unheimlichen, bedrohlich anmutenden und doch beinahe unwirklichen Soundeffekte versucht…. man muss es einfach sehen und erleben, was ich meine.

Wer Filme wie Poltergeist oder den originalen The Amityville Horror von 1979 beeindruckend und unheimlich fand, in denen es allerdings etwas anders zugeht als in Bis das Blut gefriert, aber trotzdem dieses gewisse schon fast nicht näher erklärbare Extra besitzen, was recht selten ist, wird den schwarzweiß Klassiker einfach lieben … das Remake, Das Geisterschloss von 1999 dagegen ist zwar auch recht nett, aber wirkt nicht so verstörend wie der Film in schwarzweiß. Meiner Meinung nach liegt das auch daran, dass die Neuverfilmung in Farbe ist … ( um das aber wirklich überzeugend schreiben zu können, muss ich mir das Remake nochmal in Ruhe anschauen (aber vorher noch kaufen und da bin ich mir eben etwas unsicher, ob ich das tun soll)

Tipp: Schaut Euch den Film am besten im Dunkeln an, aber nicht unbedingt vorm Schlafengehen^^

Wertung: 10/10 Punkten

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