Bloodnight (1989)

USA 1989
mit Elizabeth Cox, Renée Estevez, Sam Raimi, Dan Hicks
Drehbuch: Scott Spiegel, Lawrenece Bender
Regie: Scott Spiegel
Länge: 83 Minuten
FSK: Ungeprüft

Jennifer Ross (Elizabeth Cox) ist Kassiererin in einem Supermarkt. Kurz nach Ladenschluss müssen die Angestellten Überstunden machen und die Ware mit neuen Preisen ettiketieren, da das Geschäft bald schließen wird. Wiederwillig und enttäuscht aber dennoch pflichtbewusst, machen sich die Kollegen an die Arbeit. Diese wird unterbrochen als Jennifer von ihrem Ex-Freund Craig (David Byrnes) belästigt wird, doch die Anderen verweisen ihn des Gebäudes. Damit sind die Probleme jedoch nicht gelöst, denn ein Killer treibt sein Unwesen im nächtlichen Supermarkt und er kennt kein Erbarmen!

Der Einzelhandel ist ein hartes Geschäft! Das müssen auch mehrere Mitarbeiter eines amerikanischen Supermarktes am eigenen Leib erfahren. Nicht nur müssen sie eine Nachtschicht einlegen, sondern sich auch eines brutalen Killers erwehren, der unermüdlich das Einsparen zu hoher Personalkosten umsetzt. Scott Spiegels Low-Budget Slasherfilm „Bloodnights“ aus dem Jahr 1989 ist wahrlich eine kleine Perle des Horror-Sub-Genres. Mit viel Kreativität und Liebe zum Material, servieren uns die Macher eine kleine Schlachtplatte für Genre-Fans, die wahrscheinlich zum Besten gehört, was die späten 80er in dieser Hinsicht zu bieten hatten.

Wenn man sich für Horrorfilme der auslaufenden 80er Jahre interessiert, wird die Luft schnell dünn. Zwischen den x-ten Sequels zu „Halloween“, „Freitag der 13.“ Oder „Nightmare“ ist hier wirklich nicht viel los aber manchmal landet man auch einen Glückstreffer. Mit „Bloodnight“, oder auch „Intruder“, wie der Originaltitel lautet, sorgte ein gewisser Scott Spiegel für etwas frischen Wind in der staubigen Horrorabteilung örtlicher Videotheken. Dabei erfindet Spiegel das Rad natürlich nicht neu, liefert aber einen gut gemachten Vertreter, der Spaß an seinen Elementen findet und dem Zuschauer genau das kredenzt, nach dem er verlangt, und das sogar mit einem Quäntchen schwarzem Humor. Die Handlung dreht sich um einen klassischen Supermarkt, der bald dicht machen muss, da man das Grundstück an die Stadt verkauft hat. Aus diesem Grund müssen die Mitarbeiter eine Nachtschicht einlegen. Es muss umgeräumt werden und alle Preise müssen, zwecks schnellem Abverkauf, geändert werden. Nachdem Kassiererin Jennifer in eine Auseinandersetzung mit ihrem Ex-Freund Craig gerät, der anscheinend das Wort „NEIN“ noch nie gehört hat und auch dessen Bedeutung nicht kennt, und die restlichen Kollegen erstmal für Ordnung sorgen müssen, kehrt schnell wieder Ruhe ein und jeder nimmt, natürlich etwas unmotiviert, seine Arbeit wieder auf. Doch schon kurz darauf sind unheimliche Dinge im Gange und irgendjemand scheint sich an dem Personal zu stören, was einigen das Leben kostet. Hier höre ich jetzt mal auf, denn ich will ja nicht spoilern aber ihr merkt schon, dass es sich bei „Bloodnight“ um einen handelsüblichen Slasher nach „WhoDunIt“-Prinzip handelt. Die Story lässt sich ganz gut an, kommt aber nie, was mich auch nicht überrascht hat, über den Standardbaukasten eines Slasher-Films hinaus. Man muss schon dazu sagen, dass der „Slasher“ eines der unflexibelsten Genres überhaupt ist. Hält man sich nicht an die Konventionen, macht man es eigentlich auch nicht richtig. Der Film hält sich aber erstaunlich lange mit den einzelnen Figuren auf, zwecks Charakterentwicklung. Ein lobenswertes Vorhaben, was aber nur bedingt funktioniert. Nie kommen wirklich die einzelnen Persönlichkeiten hervor, so dass man sich wirklich in die einzelnen Personen hineinversetzten könnte. Sie sind einem auch nicht egal, jedoch bleibt man bei Oberflächlichkeiten und erzeugt lediglich einzelne Typen, die jedoch nie mehr zu sagen haben.

Mit 83 Minuten kommt das blutige Treiben auch nicht zu lang daher und wer vielleicht die erste Hälfte etwas zäh findet, wird dann in der zweiten belohnt. Dort geht es relativ rabiat zur Sache, wenn einer nach dem anderen, im Minutentakt, über den Jordan geschickt wird. Besonders Eye-Candy sind hierbei die Effekte der „KNB EFX Group“. „KNB“, dessen Gründer Greg Nicotero auch für „The Walking Dead“ verantwortlich ist, gehört zu den renommiertesten Make-Up-Effekt Firmen, die im Horror- und Actiongenre ihr Unwesen treiben. Entsprechend deftig geht es bei „Bloodnight“ zur Sache. Hier wird ein Kopf mit einer Stichsäge bearbeitet oder zerquetscht. Der Blutzoll steigt in ordentliche Höhen und dürfte eine Freude für retroistische Horror-Fans sein. Auch handwerklich kann man dem Film nichts vorwerfen. Regisseur Scott Spiegel inszeniert den Film durchaus dynamisch. Charakterfokussiertes filmen ist nicht sein Ding aber wenn es ans Eingemachte geht, sind gute Einfälle erkennbar, sei es pointierter Schnitt oder kreative Kameraeinstellungen. Auch besitzt er ein gutes Gespür für Dynamik, denn zum Ende hin gewinnt der Streifen ordentlich an Rasanz und macht richtig Spaß. Lediglich die zähe erste Hälfte mildert etwas den Gesamteindruck. Spiegel war kein Neuling im Genre, war er doch am Drehbuch zu „Tanz der Teufel 2“ beteiligt und wirkte als Darsteller im ersten Teil mit. Auch nach „Bloodnight“ arbeitete er weiter im B-Movie Bereich und inszenierte, zum Beispiel, „From Dusk till Dawn 2: Texas Blood Money“, das Sequel zum Kulthit von Quentin Tarantino und Robert Rodriguez. Tarantino selbst äußerte sich einmal zu „Bloodnight“, indem er sagte: „Es war, wie als hätten die Coen-Brüder einen Slasher-Film gedreht!“ Naja, soweit würde ich nicht gehen, denn in diesem Fall schlagen schon einmal die mittelmäßigen Schauspieler zu Buche. Elizabeth Cox sieht gut aus und erfüllt ihren Zweck. An ihrer Seit sieht man noch Renée Estevez, die Schwester von Charlie Sheen, die aber völlig blass bleibt, genauso wie die anderen Darsteller. Es ist keiner wirklich schlecht aber eben auch nicht gut. Sie erfüllen die Voraussetzungen für einen Slasher-Film. Am ehesten hinterlässt Danny Hicks noch einen guten Eindruck. Horror-Fans werden noch mit zwei netten Auftritten beglückt, denn „Tanz der Teufel“-Mastermind Sam Raimi ist in einer Nebenrolle als Metzger zu sehen, während sein Hauptdarsteller Bruce Campbell einen Cameo-Auftritt als Polizist hat. Ein nettes Extra. Der Film hat seine positiven Seiten, ist jedoch nicht frei von negativen Aspekten, macht aber unterm Strich, als Slasher-Film wohlgemerkt, durchaus Laune.

Scott Spiegels Low-Budget Slasher „Bloodnight“ aus dem Jahr 1989 ist ein unterhaltsamer Genre-Film. Zwar schafft es Spiegel nicht, seine Figuren besser herauszuarbeiten und verliert sich bei dem Versuch in etwas Langeweile, entschädigt den Zuschauer aber dafür mit einer dynamischen, blutigen zweiten Hälfte, die gute Momente zu bieten hat. Eine handwerklich gute und kreative Inszenierung, sowie nette Gastauftritte kaschieren die Mittelmäßigkeit der Darsteller und machen aus „Bloodnight“ einen interessanten Horror-Film und wahrscheinlich einen der besten Slasher, den man in den auslaufenden 80ern finden kann.

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