Blumen des Schreckens (1962)

Bill Mason ist nicht gerade darüber erfreut, dass er genau zu dem Zeitpunkt für den ein Meteoritenschauer angesagt wurde eine Augenoperation hat und somit das spektakuläre Feuerwerk am Himmel nicht mit erleben kann. Als er morgens nach der OP im Krankenhaus erwacht hofft er, die Operation war ein Erfolg und da sich niemand auf das Rufen nach dem Krankenhauspersonal bei ihm einfindet, nimmt er sich selbst den Verband ab und hurra! er kann sehen. Doch als er das Zimmer verlässt, erwartet ihn das Grauen. hilflos umher torkelnde Menschen, verzweifelt, verängstigt und verwirrt versuchen sie sich ihren Weg zu ertasten, denn sie alle sind erblindet, als sie den Meteroitenschauer begeistert bestaunten. Auf dem Weg durch eine aus den Angeln gehobene Welt wird Mason noch mit einer anderen Katastrophe konfrontiert: den Triffids, riesige fleischfressende, sich fortbewegen könnenden Pflanzen …

Blumen des Schreckens, oder The Day of the Triffids, wie er im originalen heißt, ist einer der seltsameren, aber nicht weniger originellen Klassiker, die wie es mir scheint eigentlich ein bisschen zu wenig Aufmerksamkeit in der Welt des klassischen Filmes bekommen hat. Blumen des Schreckens ist eine spannende und packende Science Fiction-Geschichte, die auf dem Buch The Day of the Triffids von dem britischen Schriftsteller John Wyndham basiert und 1962 von den Filmemachern István Székel und Freddie Francis, der auch in Filmen wie Geschichten aus der Gruft von 1972 Regie führte, verfilmt wurde und so einen meiner Meinung nach grandiosen Mix aus Drama, Science Fiction und Horrorfilm zauberten, der 2009 von Nick Copus als 180 minütigen Fernsehfilm neu verfilmt wurde und auch wenn die Story dieser etwas von dem originalen abweicht ein sehr interessantes und durchaus gelungenes Remake darstellt, dass zu fesseln weiß.

Eigentlich könnte man Blumen des Schreckens auch als Endzeitfilm bezeichnen, da er ein Szenario beschreibt, dass sehr an ein solches Ende der Welt erinnert, in dem alle Menschen , bis auf ganz wenige, ihr Augenlicht verlieren, was somit den Zerfall der Zivilisation und sogar das Aussterben der menschlichen Spezies bedeutet. In dieser unheimlichen und auch schockierenden Welt muss sich nun unser Hauptcharakter Bill Mason, der von Howard Keel, der neben Larry Hagman in der Kult-TV-Serie Dallas mitspielte, dargestellt wird, behaupten. Nicht nur gegen die Pflanzenmonster, die langsam aber sicher den Menschen als dominante Spezies auf der Erde ablösen, sondern er muss sich auch mit dieser an sich schon grausigen Situation auseinander setzen, dass vielleicht nie wieder ein normales Leben wie vor der Katastrophe möglich ist und jene Annehmlichkeiten der Zivilisation in Kürze vollständig verschwunden sind. Da hilft es nur bedingt, dass Mason an einem Bahnhof auf ein kleines Mädchen trifft, die ebenfalls sehen kann.

Zeitgleich wird in einer nebenher laufenden Geschichte ein Ehedrama zwischen einem Alkoholiker und seiner Frau beschrieben, die zwar auf einer kleinen Insel in einem Laboratorium noch sehen können, aber von den Triffids bedroht werden. Auch sie wollen sich nicht mit ihrem Schicksal abfinden und zudem kommen noch ihre privaten Probleme, die authentisch und glaubwürdig geschildert werden. 

Die Pflanzenmonster, oder Triffids sehen zwar etwas seltsam aus, ein bisschen wie aus Gummi und Pappmaschee, aber haben sie trotz ihrer etwas ulkig wirkenden Bewegungen, wo man als Zuschauer sogleich weiß, unter den lustigen Triffids-Kostümen stecken Statisten, ihren Charme und verkörpern gleichzeitig auch den Untergang der menschlichen Herrschaft über den Planeten. Aber obwohl sie die Bedrohung von außen darstellen, so wird das Hauptaugenmerk bei Blumen des Schreckens auf den Menschen gelegt und den psychischen Auswirkungen, die diese bizarre (vielleicht für immer andauernde) Situation  zur Folge haben könnte.

Es gibt in dem Film auch keine Helden, die mutig sich in die Gefahren stürzen, wie bei heutigen Filmen. Hier wird viel eher die wahre Natur des Menschen offenbart, der in solchen Situationen zwar durchaus in der Lage ist, über sich selbst hinaus zu wachsen, aber im Grunde nur seinem eigenen egoistischen Überlebenswillen folgt. Natürlich wird in einem Unterhaltungsfilm nicht zu viel darauf eingegangen sondern um den Zuschauer auch nicht zu viel zum grübeln zu bewegen, arbeiten die wenigen Überlebenden dann doch zusammen, um die Gefahr abzuwenden.

 Trotz der ulkigen Triffids scheint mir der Film eher aufwendig gestaltet als ein B-Movie zu sein, wie sein unglücklich gewählter deutscher Titel vermuten lässt, auch wenn das Budget nur knappe 750,000 Pfund betrug, aber man sollte nicht immer nur einen Film nach seinen Kosten beurteilen, wie Blumen des Schreckens auf eindrucksvolle Art und Weise beweist, auch wenn der Film keine großen Lorbeeren erntete und mit Preisen ausgezeichnet wurde. Gedreht wurde Blumen des Schreckens in England und teilweise auch in Spanien.

Faszinierend ist dazu die Filmmusik von Ron Goodwin, die die ohnehin bizarre Szenerie noch surrealer erscheinen lässt. Goodwin komponierte ebenfalls die Musiken zu Filmen wie Alfred Hitchcocks Frenzy, für deren Musik er 1972 für den Golden Globe nominiert wurde, den Kriegsfilm Luftschlacht um England und oder auch den Oscar nominierten Comeedy-Klassiker Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten mit Gert Fröbe,  Stuart Whitman und unter anderem Benny Hill.

  Auch wenn Blumen des Schreckens manchmal trotz seiner dramatischen Geschichte etwas unfreiwillig komisch wirkt, so ist der Film eine Alternative zu den herkömmlichen (und auch sehr unterhaltsamen und guten) Monsterfilmen seiner Zeit. Die Labels KSM, Carol Media und Best Buy Movie veröffentlichten Blumen des Schreckens auf DVD und das schöne daran ist, dass man ihn sich auch leisten kann. Blumen des Schreckens sowie auch das Remake sind durchaus sehenswert und garantieren einmalige originelle Unterhaltung. Wer zum Beispiel Angriff der Körperfresser mit Donald Sutherland mochte, der wird Blumen des Schreckens auch als das ansehen was er ist: einen tollen, interessantes und packendes Sci-Fi-Endzeit-Horror-Drama…

Wertung: 9/10 Punkten

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