Blutmond – Manhunter (1986)

 

Inhalt:

Ex-FBI Profiler Will Graham (William Petersen) lebt zurückgezogen mit seiner Familie in Florida. Sein ehemaliger Chef des FBI, Jack Crawford (Dennis Farina) benötigt seine Hilfe. Ein Serienkiller namens “Zahnfee” ermordet zwei Familien. Immer bei Vollmond. Graham stimmt nach längeren Überlegen ein, Crawford zu helfen. Er erstattet den in einen Spezialgefägnis sitzenden Serienmörder Hannibal Lecktor (Brian Cox)  auf. Dieser soll ihn bei der Suche helfen. Lecktor wurde einst von Graham gefasst und er nutzt diese Gelegenheit aus, um sich an ihn zu rächen. Er schafft es Kontakt zu der Zahnfee aufzunehmen. Wir erfahren recht früh wer das ist. Sein Name ist Francis Dollarhyde (Tom Noonan). Lecktor fordert Dollarhyde auf, Grahams Familie zu töten. Und es ist bald wieder Vollmond…..

 

Filmisches Feedback:

Unscheinbarer Beginn einer neuen Inszenierung

Michael Mann ist wohl neben Ridley Scott (und mit Abzügen auch sein verstorbener Bruder Tony) der Regisseur, der es schafft Bilder von extravaganter Schönheit zu erzeugen. Er schafft es eine geniale, wunderbar-bizarre Welt zu erschaffen indem die unterschiedlichen Formen der Wahrnehmung ineinander verwoben werden. Ton, Musik und Bild gehen in seinen Filmen eine gemeinsame Metamorphose durch. Dabei ist jedes einzelne Bild seiner Filme, von solch Schönheit, dass man sich jedes Bild am liebsten an die Wand hängen möchte.Im Gegensatz zu Scott (obwohl auch da es viele Gegenbeispiele auf beiden Seiten gibt ) setzt er hier nicht die Bilder über den Inhalt. Mann ist ein Regisseur der Dekaden. Seine Bilder spiegeln die Zeit wieder wo sie spielen, bzw. wo sie inszeniert sind. Sei es sein Prunkstück „Heat“ oder eben dieser hier. Sie spiegeln in ihrer Gesamtheit den Stil wieder der in der Zeit maßgeblich war und erhöht dieses noch durch seine unglaubliche Leinwandpräsenz.

Mann ist jemand, der Emotionen durch Bilder wiederspiegeln kann. Sei es das unterkühlte in einen Menschen, die Isolation (wie häufig in seinen Filmen die Farbe Blau hierfür bevorzugt wird (wie hier die Szenen zu Hause bei Graham oder auch in „Heat“) oder das düstere in der Seele von uns (wie hier das rote Bild bei Dollarhyde und gleichzeitige Aufnahmen aus der Untersicht). Mann schafft es hier, die Gefühle seiner Protagonisten in Bilder umzuwandeln. Auch geschieht das in Verbindung mit der Synthezisermusik, die so künstlich wummert, dass man auch hier eher an die Unterkühltheit der menschlichen Seele denkt: starre, stumpfe Klänge ohne Gefühl. Gleichzeitig wiederum zelebriert er hier die Spannungskurve. Grade im letzten Drittel des Films dreht er auf. Wenn Dollarhyde zu „In-A-Gadda-Da-Vida“ von Iron Butterfly anfängt mit seinem Martyrium, ist das von präziser kalter Logik (auch wird Jahre später in Mike Mendez Film „Killers“ dem Tribut gezollt. Auch ein grandioser Tipp. Angucken!).

Mann unterstreicht seine Bilder mit einer grausamen, da stets gleichklingenden Tonuntermalung. Er steigert so die Spannung. Auch ein großer Verdienst dieses Films geht an Dante Spinotti, dem Kameramann. Dieser Film ist sein US-Debüt. Und seine Bilder wirken nach. Auch wenn die Inszenierung manchmal über seinen eigenen Willen der stylischen Bilder stolpert (so wirkt z.B. die Szenen am Strand seltsam deplatziert), so ist Spinottis Stil ein Sammelsurium an eleganten Bildern. Nicolas Winding Refn zollt übrigens, m.E.n. Michael Mann nicht nur Tribut, er ist quasi eine Art intellektueller Ziehsohn seiner Bilder. Geleckt, so möchte man sagen sind seine Filme. So drehte auch Mann seine Filme und Serien. Refn ist eine Art „geistiger Nachfolger“. Kommen wir aber zurück zu dem Film. Neben der bildlichen Brillanz lässt sich aber auch bilanzieren, dass er auch Schwachpunkte hat. Und das ist vornehmlich der Charakterisierung vorenthalten.

Während William Petersen als Graham durchaus einen guten Part abliefert, bleiben alle anderen Figuren doch recht blass. Dollarhyde ist zwar von monströser Erscheinung, aber spielt leider sein volles Potenzial nicht aus. Auch wenn Darsteller Tom Noonan z.B. sich so sehr in die Rolle, laut eigener Aussage, hineinversetzt hat, dass er während des Drehs keinen anderen Darsteller sehen wollte und das erste Zusammentreffen im Film am Ende zwischen Dollarhyde und Graham auch das erste Aufeinandertreffen von Petersen und Noonan war, so kann man eben auch sagen, dass hier viel verschenkt wurde. Da war tatsächlich Ralph Fiennes in der Neufassung besser. Auch alle anderen Figuren sind den Bildern unterlegen. Und da kommen wir zum eigentlichen Problem. Wir kennen vornehmlich die „Lecter“-Filme in der Ära Anthony Hopkins. Mit dem kann es eben keiner aufnehmen. Auch wenn Brian Cox (übrigens ebenfalls ein Brite) der erste war der der Figur Lecter oder Lecktor Leben einhauchte, so kann man eben nicht umhin kommen ihn zu vergleichen mit Hopkins. Und da gewinnt eben Hopkins um Längen.

Auch die anderen Darsteller sind hier eher Opfer der Inszenierung. Da sind wir eben zu verwöhnt von den anderen Filmen die da kamen. Übrigens speitl hier Frankie Faison einen Lieutenant der Polizei. Faison spielte später in den Filmen „Das Schweigen der Lämmer“, „Hannibal“ und „Roter Drache“ den Wärter Barney. Aber man muss Mann zu Gute heißen, dass rein inszenatorisch dieser Film die Neufassung „Red Dragon“ in allen Belangen überlegen ist. Aber eben nicht im Darstellerischen. Und da gibt es Abzüge in der B-Note. Auch leitet dieser Film im Grunde die Ära der neuzeitlichen Krimiserien a lá „CSI“ oder „Profiler“ ein. Nicht nur inhaltlich sondern vor allem bildlich. Auch wenn viele erst Jahre später kamen, so bildet dieser Film den Neubeginn einer Krimizeit.

Zusammenfassend: Stilistisch auf höchstem Niveau, inhaltlich vorrausschauend, aber darstellerisch ausbaufähig gewesen.