Body Bags (1993)

USA 1993
mit John Carpenter, Stacy Keach, Mark Hamill, Sheena Easton, Robert Carradine…
Drehbuch: Billy Brown, Dan Angel
Regie: John Carpenter, Tobe Hooper
Länge: 91 Minuten
FSK: ab 18 Jahren (gekürzt)/Ungeprüft (Ungeschnittene Fassung)

Im Stile von “Geschichten aus der Gruft” führt hier John Carpenter als lebende Leiche durch 3 Kurzgeschichten. Die erste Episode handelt von einer Studentin, die an einer Tankstelle ihre Nachtschicht schiebt, um Geld zu verdienen. Mehrere durchgeknallte Kunden besuchen die Tankstelle, bis sie sich einem Killer gegenüber sieht… Die zweite Episode handelt von einem Mann, dem sein Haarausfall zu schaffen macht. Darauf lässt er sich von einem Arzt helfen. Seine Haare beginnen wieder zu wachsen – mit einer unerfreulichen Nebenwirkung… Die dritte Episode handelt von einem Baseballspieler, der bei einem Unfall ein Auge verliert. Mittels einer Operation wird ihm das Auge eines toten Menschen eingesetzt. Anfangs scheint alles normal. Doch nach und nach hat der Sportler seltsame Wahnvorstellungen. Er bringt in Erfahrung, dass das Auge einem hingerichteten Mehrfachmörder gehörte. Nun sind 2 Seelen in einem Körper, die gegeneinander kämpfen…

Wer den Namen „John Carpenter“ hört, der wird sofort seine wegweisenden Klassiker im Kopf haben. Sei es sein nervenzerrender „Das Ding aus einer anderen Welt“, sein Geister-Grusel Klassiker „The Fog“ oder „Halloween“, mit dem er den Typus des Slashers manifestierte. Aber auch andere Werke, wie „Big Trouble in Little China“ oder „Die Klapperschlange“ gehören mittlerweile genauso zur Popkultur, wie seine Großtaten im Horror-Genre. Viele Fans sehen die 90er Jahre als qualitativen Verfall der Marke Carpenter, da er mit keinem Film die Genialität seines Schaffens in der vergangenen Dekade erreichen konnte. Den wenigsten ist dabei „Body Bags“ aus dem Jahr 1993 geläufig. Der Episodenfilm, produziert vom TV-Sender „Showtime“, ist keine Rückkehr zu alten Tugenden, jedoch durchaus ein interessanter Versuch Carpenters etwas anderes auszuprobieren.

Im Jahr 1989 startete in den USA die beliebte Serie „Tales from the Crypt“, die in Deutschland unter dem Titel „Geschichten aus der Gruft“ bekannt ist. Sie stellt eine Horror-Anthologie da, denn in jeder Episode wurde eine in sich abgeschlossene Geschichte erzählt, die im Prolog und Epilog, meist schwarzhumorig, vom sogenannten „Cryptkeeper“, ein Untoter, kommentiert und eingeleitet wurde. Die Serie, produziert von „HBO“, war ein großer Erfolg. Viele bekannte und ehrenwürdige Schauspieler statteten dem Format einen Besuch ab und waren in Gastauftritten zu sehen. Auch bekannte Regisseure gaben sich die Ehre. Der Sender „Showtime“ wollte eine ähnliche Produktion auf den Weg bringen und man konnte die bekannten Filmemacher John Carpenter und Tobe Hooper für das Projekt gewinnen. Jedoch wurden die Pläne schnell wieder fallen gelassen und man entschied sich, einen reinen Feature-Film zu produzieren. Auch „Body Bags“ bietet eine Anthologie im Stil von „Tales from the Crypt“, die drei Geschichten umfasst. Die ersten beiden wurden von Carpenter persönlich inszeniert, die dritte stammt von Hooper. In nun folgenden Abschnitten gehe ich die drei Kurzfilme einzeln durch, da sie weder auf einander aufbauen, noch etwas miteinander zu tun haben. Lediglich Carpenter dient als Bindeglied, da er im Prolog, Epilog und in den Zwischensequenzen als eine Art Zombie-Pathologe auftritt, der in der Leichenhalle seinem Job nachgeht und die Geschehnisse, ähnlich wie der „Cryptkeeper“, schwarzhumorig kommentiert. Aber darauf gehe ich später noch einmal ein.

„The Gas Station“

Der erste Beitrag stellt eine klassische Slasher-Geschichte dar. Eine Studentin hat ihre erste Nachtschicht an einer einsamen Tankstelle, während im Radio und TV darüber berichtet wird, dass sich in der Umgebung ein entflohener Serien-Killer herumtreibt und wir wissen als Zuschauer genau wohin die Sache führt. Carpenter versucht sich hier an einer komprimierten Form seines Klassikers „Halloween“, was ihm aber nicht sonderlich geglückt ist. Was man sagen kann, ist, dass dieses Segment eine ganz gute Atmosphäre besitzt. Ein einsame Tankstelle in der Nacht, seltsame Kunden und noch seltsamere Zwischenfälle. Ein Szenario, dass man sich als Zuschauer gut vorstellen kann. Der Regisseur versucht hier mit alten, leider auch abgestandenen, Tricks Nervenkitzel zu produzieren. Stilistisch hält sich Carpenter sehr an „Halloween“ und kopiert ganze Einstellungen bei sich selbst. Sei es das Wiederaufbäumen des Mörders hinter seinem Opfer oder das Finden von Leichen oder auch die klassischen Jump-Scares. Alles wirkt leider wie mäßiges Rip-Off seiner selbst und Carpenter integriert rein gar nichts Neues. Lediglich der Twist weiß noch zu gefallen und an ein paar Stellen gibt es etwas Gore, was nett anzusehen ist, genauso wie die Kurzauftritte von Wes Craven als schmieriger Tankstellenkunde und Sam Raimi als Leiche im Schrank. Jedoch übertüncht dieser nette Fan-Service nicht die klischeehaften Muster der Geschichte und die Hauptdarstellerin bleibt ebenso farblos. Alles in Allem ein nettes Filmchen, welches durchaus Momente hat aber in Gänze nicht über den klassischen Slasher-Einheitsbrei hinauskommt. Das kann Carpenter besser.

„Hair“

Die zweite Story kommt gänzlich anders daher. Stacy Keach fallen die Haare aus und er lässt sich in einer ominösen Klinik neues Haar transplantieren, welches aber ein Eigenleben entwickelt und seinen Träger bald in den Wahnsinn treibt. John Carpenters zweiter Beitrag setzt mehr auf phantastische Elemente. Hier ist auch deutlich mehr schwarzer Humor zu erkennen als im vorigen Segment. Carpenter setzt hier die Haare mit der Manneskraft gleich, da Keach in seiner Rolle als von Selbstzweifeln und Unsicherheit geplagter Mensch daherkommt, für den seine Haare das Wichtigste zu sein scheint. Nach seiner Transplantation wächst sein Haar unentwegt weiter, sowohl aus dem Kopf als auch im Gesicht. Abgesehen von seiner vielversprechenden Ausgangsituation hat dieses Stück der Anthologie weit weniger zu bieten, als der Vorgänger. Die Handlung plätschert vor sich hin und die „gruseligen“ Szenen sind weitestgehend langweilig. Wo Carpenter im ersten Beitrag noch Gore inszenierte, kommt dieser hier lediglich mit ein paar schlecht animierten Shots aus. Da wäre deutlich mehr drin gewesen, wenn sich der Kurzfilm nicht ausschließlich auf Stacy Keach konzentrieren würde. Diese Spezialklinik bietet da deutlich mehr Interessantes, doch diese wird fast gar nicht bearbeitet. Auch das Ende wirkt sehr steif und unausgegoren, bisweilen einfallslos und willkürlich aufgesetzt. Auch Inszenatorisch bleibt alles statisch. Wo Carpenter in „The Gas Station“ wenigstens noch, wenn auch bereits bekannte, inszenatorische Kniffe angewandt hat, geht das „Hair“ komplett ab. Lediglich Keach spielt ganz ordentlich, was man von Sheena Easton weniger behaupten kann. Auch Stamm-Villain David Warner wird komplett verschenkt. Schade, denn hier wäre durchaus mehr drin gewesen, wäre man nur in eine etwas andere Richtung gegangen.

„Eye“

Die dritte Episode stammt derweil nicht mehr von Carpenter, sondern von dessen Kollegen Tobe Hooper, der ja schon mit Filmen, wie „The Texas Chainsaw Massacre“ und „The Funhouse“ bewiesen hat, dass er es durchaus kann, wenn er will und wenn man ihn lässt. Hier geht es um einen Baseballspieler, gespielt von „Star Wars“-Held Mark Hamill, der nach einem Unfall ein neues Auge transplantiert bekommt, welches aber vorher einem Serienkiller gehörte. Von nun an verändert er zunehmend seine Persönlichkeit und entwickelt Aggressionen und Mordlust, auch gegenüber seiner Frau Cathy. Vom Grundprinzip her, ist auch dieses Segment sehr vielversprechend, doch Hooper macht hier rein gar nichts daraus. Auch hier fehlt mir einfach die persönliche Handschrift und Eigenwilligkeit des Regisseurs, der ja vor allem in „The Texas Chainsaw Massacre“ gezeigt hat, dass er Terror und Spannung erzeugen kann. Da hat man schon eine Figur, die langsam in den Wahnsinn abdriftet und Hooper lässt dies steril vor sich hin plätschern. Hier hätte der Wahnsinn sprürbar werden müssen, was Hooper ja eigentlich kann, oder zumindest mal konnte. Ähnlich wie „Hair“ wird hier viel Potential verschenkt und die Geschichte bleibt weitestgehend unspannend, auch wenn sie etwas besser als das vorige Stück ist. Da kann auch B-Movie Legende Roger Corman in einem Gastauftritt nichts mehr reißen. Alles in Allem ebenfalls eine verschenkte Chance.

„The Morgue“

Vor, nach und zwischen den Segmenten gibt es, wie schon erwähnt, Szenen in einer Pathologie, in der John Carpenter als spitzzüngiger Leichenbeschauer, ähnlich dem Cryptkeeper, in die Geschichten einführt. Diese Szenen sind eigentlich das Beste am ganzen Film, denn diese sind wirklich unterhaltsam und Carpenter spielt mit viel Freude den morbiden Spaßmacher, der auch mal in Eingeweiden wühlt und sich aus Organen seinen Pausensnack zubereitet. Hier merkt man als Zuschauer wirklich den Spaß, den die Beteiligten hatten und man wünscht sich, dass die eigentlichen Kurzfilme auch diesen Charme versprühen würden. Hier werden ein paar nette Gags und Sprüche präsentiert, die auch in der Synchronisation Spaß machen, wenn Carpenter zum Schluss „Guts Nächtle“ wünscht. Daran konnte ich mich wirklich erfreuen.

In der Endbewertung muss man sagen, dass „Body Bags“ ein Projekt ist, was mehr hätte sein können. Carpenter und Hooper wälzen ihre Geschichten, die sie auch nicht selbst geschrieben haben, was vielleicht ein Indikator für Mäßigkeit sein könnte, relativ uninspiriert auf den Zuschauer ab. Es fehlt einfach an Kreativität und Eigenständigkeit. Das Material ist dabei nicht mal wirklich schlecht, jedoch wird daraus einfach nichts Brauchbares gemacht. Lediglich „The Gas Station“ lässt noch einmal gute Einfälle erkennen, auch wenn diese lediglich vom Regisseur selbst recycelt wurden. Es machen lediglich die Zwischensequenzen Spaß, die aber nur Beiwerk sind. Auch der Score bietet nichts spektakuläres und vereint die gewohnten Rock und Synthesizer-Sounds, die man von Carpenter kennt. Nicht mal auf diesem Gebiet kann gepunktet werden. Somit bleibt festzuhalten, dass „Body Bags“ ein Versuch war, „Tales from the Crypt“ zu kopieren, der aber eher nach Hinten losgegangen ist. Fans von Carpenter können einen Blick wagen, auch nur um der Tatsache willen, dass die Regie-Legende hier selbst gut aufspielt. Alle anderen Horror-Fans werden dieses TV-Projekt lediglich mit einem müden Gähnen abtun.