Bootleg oder Offiziell? – Das ist nun die Frage!

Fast jeder der schon einmal in seinem Leben eine Filmbörse betreten hat, wurde von dem Angebot an Filmen auf DVD und Blu-ray förmlich umgehauen. Wie soll man da noch durchsteigen bzw. sich entscheiden können, welcher Film in die Einkaufstasche wandert? Zwar gibt es Sammler die sich nur auf eine Art festlegen, sei es der Horrorfreak der sich nicht satt sehen kann, an brachialer oder psychischer Gewalt, oder auch der Western Fan, der endlich seinen Wunschfilm auf DVD mit einem schicken Cover auf einem Verkaufstisch entdeckt. Und da sind wir auch schon beim Thema:

Legal oder Bootleg?

Nun, im ersten Moment scheint man selbst oft als Filmkenner überfragt zu sein, mal eben das Smartphone aus der Tasche ziehen und bei Seiten wie ofdb.de oder auch schnittberichte.com nachschlagen. Doch auch dort kann man sich (leider) heutzutage nicht mehr sicher sein, ob die dort geschriebenen Informationen der aktuellen Wahrheit entsprechen. Das liegt auch daran, das es heutzutage eine Leichtigkeit ist, ein Filmlabel aus dem Boden zu stampfen, man benötigt nicht viel an Aufwand und Kosten um durchzustarten! Fast monatlich tauchen unbekannte Labels förmlich aus dem Nichts auf und preisen mit Werbung zu einem Film den oft die Masse oder auch eine kleine Nischengruppe seit etlichen Jahren oder sogar Jahrzehnten sucht. Der Filmkenner wird hellhörig und wird auf das Label und die bereits nächsten angekündigten Veröffentlichungen aufmerksam – die Folge: die Scheiben wandern in den Warenkorb oder auf der Börse in die Einkaufstasche!

Später, wenn man daheim ist, beginnt man ausführlich mit der Recherche in vielen Filmforen und Filmseiten – dazu hatte man auf der Filmbörse keine Zeit und Ruhe, das Gedränge an den Verkaufstischen ist immens. Jeder will schauen und stöbern und oft wird man an den Tischen bedrängt und hin und her geschubst. Zuhause kommt dann die Ernüchterung: man hat sich ein Bootleg ins Haus geholt, erst einmal verärgert, denn man hat oft bis zu 20 Euro pro Film auf den Tisch gelegt, für eine gebrannte DVD mit einem selbst entworfenen Cover in einer simplen Amarayhülle. Oder ist es doch eine offizielle Veröffentlichung von einem noch jungen Label was in den Kinderschuhen steckt? Man postet ein Bild des Films auf facebook in Gruppen oder in Foren als Beitrag „Meine neueste Errungenschaft“, es dauert nicht lange bis die ersten Kommentare kommen mit „Bootleg“. Nun wird einem so langsam immer mehr bewusst, das es sich um eine illegal angefertigte Kopie handelt. Aber was macht man nun damit? Wegwerfen? In die hinterste Ecke im Regal verschwinden lassen? Nein, innerlich hatte man sich darauf gefreut und eingestellt, endlich einen lang ersehnten Film in der Sammlung stehen zu haben. Eine jahrelange Rarität auf dem (fast) vergessenen Medium VHS ist digital in der Sammlung. Oft sind viele VHS vergriffen oder zu fast nur noch Mondpreisen zu bekommen, zwar besitzen manche VHS auch noch nach 30 Jahren eine akzeptable Bild – und Tonqualität, aber leider wird auch viel Schrott für „sehr gut“ verkauft.

Man stellt den Film erstmal ins Regal – nach geraumer Zeit steht man mal wieder vorm Regal und weiß nicht was man schauen soll, und da blinzelt einem wieder das Bootleg an. Scheiß egal, ab in den Player damit – lange nicht gesehen den Streifen und schließlich seit Jahren vergeblich gesucht. Man geht mit komischen Gefühlen an den Film heran, es liegt nicht am Film, sondern man weiß nicht was sich hinter dem Bootleg genau verbirgt! Bekomme ich jetzt nur einen schlechten VHS Rip auf DVD gebrannt serviert oder was besseres? Nun das ist wie ein Glücksspiel im Casino, entweder hat man Glück oder auch Pech. Gehen wir mal vom „Glück“ aus, man sitzt vorm TV und denkt sich „WOW“ was für ein cooles Menü, mit Sounduntermalung, animierten kleinen Szenen. Das macht schon was her – das muss man ja zugeben! Nun geht es weiter, man drückt auf „Start“ und das Filmvergnügen beginnt. Jetzt bekommt man noch ein sauberes, klares Bild, ohne Flackern oder negativen Filmpunkten geboten – was ist das – wie geht das? Noch dazu mit einen glasklaren Sound sogar in Dolby Surround! Hexerei oder Zauberei? So langsam kommt die Erkenntnis, das manche Filmlabels sich von solcher Qualität mehr als nur eine Scheibe abschneiden sollten, hier hat ein Filmfan, der zwar auch wie ein Label ans Geld verdienen denkt, unternehmerisches Handeln, doch er bietet seinen Käufern was gutes und brauchbares fürs Geld. Die Arbeit die dahinter steckt ist nicht sonderlich einfach und auch mit Kosten verbunden. Ich möchte nun nicht die Bootlegmacher lobpreisen, aber eine gewisse Anerkennung sollte man ihnen schon zusprechen. Es wird oft eine ausländische Veröffentlichung gekauft, die wird ohne den Ton gerippt, und eine deutsche Tonspur wird draufgelegt, dazu ein schickes, animiertes Menu und ein selbst erstelltes Cver mithilfe von Photoprogrammen. Doch viele werden nun sagen, das ausländische Veröffentlichungen oft länger in der Spielzeit sind, als die deutschen Releases. Da kommt das Schnipseln und Puzzeln ins Spiel, die deutsche Tonspur wird sekundengenau angepasst, fehlende Sequenzen werden mit der original Tonspur überlegt und bekommen in manchen Fällen sogar eine deutsche Untertitelung!

Manche fragen sich vielleicht nun, woher weiß der das alles?! Seit einigen Jahren und Jahrzehnten bin ich Sammler von Filmen auf VHS die es bis dato noch nicht auf DVD oder Blu-ray gibt. Durch ein tolles Kombigerät daheim, digitalisiere ich meine VHS für den Eigengebrauch, somit bleiben die VHS Magnetbänder geschont, und ich habe mithilfe von Programmen die Möglichkeit etwas an der Bild und Tonqualität zu drehen. Vor allem ärgert man sich extrem wenn man ein Heidengeld für eine VHS ausgegeben hat, und nach ein paar mal gibt die Kassette den Geist auf. Nochmal für teures Geld kaufen, wäre eine Möglichkeit, aber manche VHS sind ultrarar und nur noch schwer zu bekommen, vor allem in einem „sehr guten“ Zustand. Die Methode mithilfe eines Releases aus dem Ausland ist einfach nur logische Denkfolge, denn Deutschland hängt mit Filmen aus den 70er, 80er und 90er extrem hinterher. Schaut man über den großen Teich wird man eigentlich fast alles in HD vorfinden, doch die ausländischen Veröffentlichungen besitzen zumeist keine deutsche Tonspur – und nicht jeder schaut sich Filme im Originalton an, vor allem wenn man dem englischen oder italienischen nicht so mächtig ist.

Es gibt einige kleine Labels, die sich den älteren Filmen verschrieben haben, den können wir aufrichtig danken, denn die Materie von alten Filmen ist schwer. Auch grössere Labels erkennen die Nachfrage nach Filmen aus den vergangenen Jahrzehnten und veröffentlichen hier und da einen Klassiker oder Geheimtipp remastered auf DVD und Blu-ray.

Doch warum gibt es noch so wenige Veröffentlichungen aus dem Bereich? Dies hat vielerlei Gründe. Zum einen ist eine RECHTE Angelegenheit. Manche Filmproduktionsfirmen gibt es nicht mehr, manche Titel sind in Filmpaketen untergebracht, die oft bei manchen Labels im Archiv schlummern. Oder die Rechteinhaber sind nicht mehr am Leben und kaum einer weiß noch wer nun im Besitz der Filmrechte ist. Es gibt auch Fälle, da werden die Rechte einfach nicht zum Kauf angeboten, vielleicht aus persönlichen Gründen. Eine Nachfrage beim Regisseur, Drehbuchautor oder ähnlichen Beteiligten Personen ist oft langwierig und schwer. Über Monate wenn nicht sogar Jahre können ins Land gehen, bis man eine heiße Spur bekommen hat, doch auch landet die oft ins Leere ohne jeglichen Erfolg erzielt zu haben. Was auch gelegentlich passiert, das eine Lizenz ausläuft, doch wenn niemand weiß wer der letzte Inhaber war, ist dies auch eine schier unlösbare Aufgabe.

Und hier bedienen sich die Bootlegger an der Misere, sie verhelfen dem Filmfan zu den Filmen die er sich wünscht, ohne Achtung der Rechte und Pflichten eines offiziellen Labels. Sie bieten dem Filmfan das was er sich seit Jahren wünscht, ein Label ist vielleicht schon seit langen daran den Film offziell zu veröffentlichen, doch der Weg ist lang und schwer zu meistern, was auch einen finanziellen Aspekt mitsich bringt. Die Rechterecherche ist auch kostenaufwendig, ein Label muss auch bedenken das eine spätere erfolgreiche Veröffentlichung sich auch rentieren muss. Der Kosten und Nachfragefaktor ist aktiv immer mit an Bord. Zwar legt ein Filmfan gerne auch mal mehr für einen Film hin, doch auch nur wenn die Qualität stimmt. Und da sind wir auch schon beim nächsten Grund wieso es viele Filme nicht remastered in den Handel schaffen. Das Ausgangsmaterial ist zwar noch vorhanden, aber auch oft in einem miserablen Zustand. Eine Restaurierung ist oft noch möglich, aber auch dies ist mit einem immensen Kostenaufwand verbunden. Oder aber auch Szenen die damals in Deutschland der Schere zum Opfer gefallen sind, wurden schlichtweg vergessen in einem Archiv, unbeschriftet oder schlummern bei damaligen Beteiligten in den Kellern rum. Was jedoch auch schon gelegentlich vorgekommen ist, das solche fehlenden Szenen einfach in den Müll geworfen wurden! Eine Wiederbeschaffung schlichtweg unmöglich. Zur damaligen Zeit gab es auch noch nicht die Hilfe des Internets – vieles wurde noch mit Hand oder Schreibmaschine erfasst und niedergeschrieben, doch auch solche Zeitdokumente sind verschollen und fanden ihren Weg in den Schredder.

Jetzt fragen sich manche bestimmt, wieso es im Ausland, nehmen wir mal USA und England zum Beispiel klappt. Dort ist das Netzwerk von Filmschaffenden Personen sehr viel ausgefeilter und mehr ineinander verstrickt. Auch ein größeres finanzielles Polster ist vorhanden, zudem kommt noch hinzu, das auch oft die Filme in deren Ländern gedreht und produziert worden sind, sozusagen besitzen solche Länder einen kleinen Heimvorteil! Bei manchen Veröffentlichungen stecken auch die damaligen Produzenten und Regisseure hinter, auch Komponisten tragen ihren Teil zu bei.

Kleinere Labels scheuen nicht den Aufwand und die Mühen und vor allen Kosten für Releases aus den vergangenen Jahrzehnten. Somit ist es auch nicht verwunderlich das es oft manche Filme nur in begrenzter Menge gibt, Limitierungen wie 1000 oder 2000 sind da Gang und Gäbe. Auch der Verkaufspreis von meist um die 20 bis 30 pro Scheibe ist betrachtet mit dem Aufwand mehr als Gerechtfertigt und angemessen. Zudem bieten solche Veröffentlichungen auch oft Bonusmaterial an, was manche grössere Labels komplett außen vor lassen. Und eine limitierte Sache im Regal stehen zu haben, ist doch noch mehr ein schönes Gefühl, als ein Release was es zu 100.000 in Deutschland gibt.

Wer auf Filmbörsen unterwegs ist, wird den Bootlegs nur schwer aus dem Weg gehen können, schließlich dürfen und können sie nicht offiziell im Handel angeboten werden – es handelt sich immer noch um eine Straftat, die recht teuer werden kann, wenn sich der Lizenzinhaber zu Wort meldet. Man sollte ihnen eine Daseinsberechtigung geben, sie sind nun mal da, zur damaligen Ära der VHS gab es Unmengen an Bootlegs, was oft an Horrorpreisen einer Originalvhs lag, kaum einer konnte mal eben an die 200-300 DM hinlegen um nur einen Film dafür zu bekommen.

Ob man ein Bootleg kauft oder nicht, sollte jeder selber wissen. Vorschreiben kann man es den Leuten zwar, doch ob sich wer daran hält, steht auf einem anderen Blatt. In Verkaufsgruppen auf Social Netzwerken bekommt man oft viele angeboten, aber auch auf Auktionsportalen sind sie Gang und Gäbe im Sortiment. Und auch diverse Onlineshops bieten sie an – aber wieso können die das so einfach? Der Weg der Gerechtigkeit und der Bürokratie in Deutschland ist lahm und schwergängig – kein Kläger da, keine Anklage – dies liegt auch wieder daran das oft ein Lizenzinhaber nicht mehr existiert oder kaum noch einer nachvollziehen kann wer es nun im Moment eigentlich ist. Diese Nische nutzen Bootlegger aus und verdienen sich eine Goldene Nase an den Sehnsüchten von Filmfans.

Doch arbeitet ein Label immer offiziell und legal? Das können uns nur die Labels selber beantworten, auch hier kann man nur Mutmaßungen vornehmen. Vieles wirkt unseriös und im nächsten Wimpernschlag wieder legal. Gerüchte kursieren im Netz seit Jahren umher – manche sind einfach nur in die Welt gesetzt worden um einen erfolgreichen Label die Kunden abschwatzig zu machen, sei es von Neider und Mißgönner. Oder sie sind vom Label selbst in den Umlauf gesetzt worden, Promotion ist alles, die Promis im TV machen es einem ja immer gut vor.

Im Endeffekt muss jeder selber wissen wofür und in welchen Filmen ein Fan und Sammler seine schwer verdiente Kohle stopft. Nur sollte man nicht über andere schlecht Urteilen nur weil sie Bootlegs kaufen oder welche im Regal stehen haben. Es gibt sicherlich einige die was im Regal stehen haben, was offiziell ausschaut aber im Endeffekt nicht legal ist. Oder auch die es nicht interessiert, hauptsache man hat seinen Filmwunsch endlich im Regal stehen.

Kosten und Aufwand besitzen beide Seiten – sei es der Bootlegger oder auch das Label, im Endeffekt bezahlt man beide für Ihre Mühen und Kosten. Es gibt auch miese Bootlegs, aber im gleichen Atemzug kann man auch von miesen Releases von offizieller Seite sprechen. Unser Geld wollen sie alle – und das bekommen sie auch oft ohne groß darüber nachzudenken.