Boy Soldiers (1991)

USA 1991
mit Sean Astin, Wil Wheaton, Louis Gossett Jr. …
Drehbuch: Daniel Petrie Jr., David Koepp
Regie: Daniel Petrie Jr.
Länge: 112 Minuten
FSK: ab 16 Jahren

Die Regis-High-School ist eine Schule für schwer erziehbare, kriminelle Jugendliche. Eines Tages wird die Schule Schauplatz einer Geiselnahme durch Terroristen, deren Anführer die Freilassung eines kolumbianischen Drogenkönigs erreichen will, da einer der Schüler der Sohn des Richters ist, der den Prozess leitet. Doch es hat niemand mit einer Handvoll Schüler gerechnet, die sich gegen die Gruppe zur Wehr setzen. So wird die High-School zum Kriegsschauplatz und der Kampf beginnt!

Ach ja, die 90er, als Actionfilme noch cool waren! Mit der Initialzündung „Stirb Langsam“ (1988) wurde das Motiv „Einzelperson, oder Minderheit, nimmt es mit schwer bewaffneter Übermacht auf begrenztem Raum auf und siegt mit List, Verstand und Hartnäckigkeit“ salonfähig und diverse Male variiert. In Daniel Petries „Boy Soldiers“ aus dem Jahr 1991, sind es dieses Mal renitente Jugendliche, die es mit kolumbianischen Drogengangstern im eigenen Internat aufnehmen. Hier trifft charmante High-School- und Jugendfilmromantik auf patriotische US-Action und hinterlässt dabei, trotz einiger Mängel, einen durchaus positiven Gesamteindruck.

Was gab es nicht alles? „Die Hard“ im Bus („Speed“, 1994), „Die Hard“ im Eishockeystadion („Sudden Death“, 1995), „Die Hard“ auf einem Schiff („Alarmstufe: Rot“, 1992) und so weiter und sofort. Der begehrten Variation des Kult-Motivs aus John McTiernans Klassiker, war damals wenig Grenzen gesetzt. Mit „Boy Soldiers“, oder auch „Toy Soldiers“, so der Originaltitel, haben wir nun „Die Hard“ in einem Internat. Das will uns zumindest die Werbung verkaufen, die in diesem Fall nur bedingt zutrifft. Denn in diesem Fall rennt kein hartgesottener Einzelkämpfer durch die Korridore, um dem miesen Abschaum den Arsch aufzureißen. Nein, unsere Helden sind hier etwas aufsässige Jungspunde, die gerne Vodka mit Lebensmittelfarbe und Pfefferminz mischen, um die Plörre vor den Autoritäten als Mundwasser zu tarnen. Teenager, die gerne Sex-Hotlines anrufen und den Wagen des örtlichen Sherriffs mit Spraydosen verzieren. Eine ganz nette Idee, die sich im Laufe der 112 Filmminuten zu einem durchaus unterhaltsamen Actionabenteuer entwickelt. Dabei folgt das Drehbuch diversen Grundgesetzen des Genres und serviert uns, fast schon wie ein Nachhall 80er, klischeebetonte Bösewichte, wie man sie in einem Film der Marke „Cannon“ erwarten würde. Skrupellose Drogengangster aus Kolumbien, die alle anscheinend auf den Namen „Carlos“ hören. Die wollen nämlich den Vati vom Gang-Leader frei erpressen, indem sie das bereits erwähnte Internat in ihre Gewalt bringen. Dass mit den Jungs aus Südamerika nicht gut Kirschenessen ist beweisen sie uns schon in den ersten Minuten, als sie eine weibliche Geisel kurzerhand aus dem Fenster werfen. Besagtes Internat stellt die Bildungseinrichtung für Jugendliche dar, die zwar ein Problem mit Autoritäten haben, jedoch alle durchaus wohlhabende und einflussreiche Eltern besitzen. Geiseln der Güteklasse A für ruchlose Kokain-Schmuggler. Unsere Helden bestehen aus dem aufmüpfigen Spaßvogel Billy, dem charakterguten Joey, dem technisch begabten Snuffy und natürlich dem Quoten-Latino Ricardo und dem Quoten-Schwarzen Hank. Aber anscheinend scheinen Billy und Joey die einzigen renitenten Schüler zu sein, denn alle anderen Kids besuchen brav den Unterricht und wirken relativ geerdet, weswegen die Bezeichnung „Schule für Schwererziehbare“ für mich nicht so wirklich greift. Jedenfalls bringen unsere Schurken die Schule in ihre Gewalt und los geht das Gefecht. Das Drehbuch von David Koepp, der in den 90ern zum versierten Autor aufstieg, und Regisseur Daniel Petrie Jr. selbst ist dabei ein großer Trumpf, da es nicht die Charaktere zu Gunsten der Action in den Hintergrund rückt. Große Teile des Films bestehen aus sympathischen Szenen um junge Menschen, die sich Gefahren stellen müssen, um ihren Mitmenschen zu helfen.

So gibt es viele Szenen, die sich um Freundschaft und Vertrauen drehen und mehr auf die Charaktere eingehen. Die Szenen sind oftmals mit Humor gespickt und erinnern fast schon, wie eine Actionorientierte Version von „The Goonies“ (1985). Die Figuren sind durchaus charmant gezeichnet und verkommen nicht zu Stichwortgebern und Sprücheklopfern. Besonders unsere beiden Hauptcharaktere, Billy und Joey, definieren sich durch ihre interessante Beziehung. Wer bei „Boy Soldiers“ ein Actioninferno erwartet, könnte daher etwas enttäuscht sein. Zwar gibt es einige Actionszenen, die jedoch kurz und knackig ausfallen und sich nicht in Posen und wildem Gemetzel suhlen, auch wenn der Härtegrad durchaus verwunderlich ist. Es gibt zwar keine Blutfontänen, doch sind die Einschüsse blutig genug, um in einem Film mit diesem Ambiente etwas befremdlich zu wirken. Ebenfalls ist der Hang zum US-Patriotismus etwas befremdlich, der hier immer mitschwingt. Das fängt bei den Klischee Bösewichten an, geht über die Militärpropaganda und endet in einem Finale, dass aus einem Chuck Norris-Film stammen könnte, indem die Truppen zu höchst patriotischen Klängen das Gelände stürmen, um für Ruhe im Karton zu sorgen. Hier will der Film wieder ein straighter Actioner sein, weshalb das Ganze etwas unausgeglichen wirkt. Zumindest ist der Film routiniert in Szene gesetzt. Regisseur Daniel Petrie Jr., der sich als Drehbuchschreiber von Filmen, wie „Beverly Hills Cop“ (1984) und dem Tom Hanks-Vehikel „Scott & Huutsch“ (1989) einen Namen gemacht hat, hat seine Leute im Griff. Er setzt keine eigenen Akzente aber erfüllt seinen Zweck, weshalb seine Karriere nach „Boy Soldiers“ eigentlich auch wieder vorbei war. Großes Plus sind die Darsteller, unter denen sich einige bekannte Gesichter tummeln. Gleich die beiden Hauptfiguren werden von renommierten Jungdarstellern gespielt: Sean Astin, bekannt aus „The Goonies“ (1985) und Will Wheaton, bekannt aus „Stand by Me“ (1986). Daneben sehen wir noch Serien-Sternchen Keith Coogan, sowie Andrew Divoff, den man vielleicht noch als Djinn aus Wes Cravens „Wishmaster“ (1997) kennen könnte. Etwas Starpower gibt es noch mit Louis Gossett Jr. als Dekan und R. Lee Ermey, der natürlich als General zu sehen ist. Alle Darsteller füllen ihre Rollen gekonnt aus und gerade Astin und Wheaton geben ihren Figuren Farbe. Sie sind einem nicht egal und besitzen genug Charme und Sympathie, um den Zuschauer mit ihnen fiebern zu lassen. Wenn die Bösewichte auch mehr Charme hätten und nicht nur nach Schema-F agieren würden, würde ich auch nicht meckern. So bleibt am Schluss ein unterhaltsames Abenteuer für Jung und Alt, welches seinen Rhythmus zwar nicht ganz findet, jedoch genug gute Momente bietet um zu funktionieren.

„Boy Soldiers“, nicht zu verwechseln mit dem Dudikoff-Streifen „Soldier Boyz“ (1995), will auf zwei Seiten des Platzes spielen. Zum einen will er eine schöne Geschichte über Jugendliche erzählen, die über sich selbst hinauswachsen, was ganz in der Tradition der 80er Coming of Age Filme liegt. Zum anderen will er aber auch ein testosterongeladenes Action-Vehikel sein, was auch für US-Patrioten funktioniert und deshalb auch etwas härter daherkommt. Somit findet der Film keine richtige Linie und steht öfters mit dem jeweils anderen Genre in Konflikt. Auch die Klischee-Bösewichte erfüllen wieder einmal jegliche Vorurteile. Dennoch gibt es viele schöne Szenen, wofür die sympathischen Darsteller verantwortlich sind, die mit ihrer Spielfreude dem Ganzen einen gewissen „Pfadfindercharme“ verleihen. Somit ist „Boy Soldiers“ keine Glanzleistung und auch kein Meisterwerk, aber immer noch ein unterhaltsamer Film, bei dem man nichts verkehrt macht.