Bradbury und der Fluch der Todeshöhle (1987)

Inhalt:

Der Abenteurer Clifton Bradbury III (Cornrad Nichols) und seine bezaubernde Partnerin Linda Logan (Kelly London) machen sich auf den Weg einen sagenumwobenen Inkaschatz zu finden. Hierbei bekommen Sie es natürlich mit allerlei bösen Buben, den Inkakriegern, Pappmacheekrokodilen und Regen zu tun.

Filmisches Feedback:

Das VHS-Cover wirbt mit dem Spruch „Indiana Jones ist sein Vorbild“. Ja genau so und nicht anders ist der Film auch aufgezogen. Als Plagiat oder besser als italienische Version von Indiana Jones. Denn die Italiener nahmen sich ja sehr gern berühmte Vorbilder und schusterten sich ihre Fassung zurecht. So auch hier. Das fängt schon bei der ersten Szene an. Man sieht einen Helikopter der irgendwo im Dschungel (oder genauer gesagt eine auf einmal aufkommende freie Fläche) nicht landen kann/will/muss. Und unterhalb des Choppers hängt an einen Seil ein Mann mit Sonnenbrille und Schlapphut. Warum Bradbury, der sich selbst „Inka-Man“ nennt, nicht einfach aus dem Helikopter aussteigt ist zu überlegen.

Der auf den Philippinen gedrehte Film ist einzig und allein darauf ausgelegt ein abenteuerliches Filmchen vorzutäuschen. Dabei macht er tatsächlich Spaß. Und zwar immer dann, wenn man die herrlichen Versuche der Filmschaffenden anmerkt, hier großes Erzählkino zu präsentieren.

Irgendwo zwischen Lachhaftigkeit und gewollten Humor. Allerdings glaube ich eher, dass der Humor sich ausschließlich auf die deutsche Fassung bezieht. Denn die deutsche Synchronregie machte bei diesen Film das, was in den 70ern gut ankam: sie legten den Darstellern (hier vor allem den beiden Hauptprotagonisten) flotte Sprüche in den Mund. Auch dann wenn man eindeutig erkennt, dass sie nicht sprechen. Etwa wenn Bradbury mit dem Rücken zu Kamera sitzt. Aber auch andernorts kommen dann solch Dialoge wie: „Können Sie schwimmen?“ – „Nein.“ – „Macht nichts. Mark Spitz konnte mit zwei Jahren auch kein Wasser sehen.“ (und man schmeißt die Dame aus dem Helikopter in den Fluss). Oder zum Beispiel: „Ich hab mit Ihnen ein Hühnchen zu rupfen.“ – „Das ist gut. Ich habe nämlich Kohldampf.“ Das geht den ganzen Film so weiter. Und tatsächlich passen einige Sprüche ziemlich gut rein.

Den Rest merkt man an, dass das Budget nicht mehr war als ein Monat Pfandflaschen sammeln. Nicht nur die „Mörder“-Krokodile sehen lächerlich aus. Auch die Pappkulissen sind unverkennbar trashig. Und die Nebenfiguren erst. Eine Art Bodybuildermedizinmann mit Riesenmachete, revoltierende Gauchos,  ein Handlanger des Bösewichts der immer sein Hemd offen trägt oder einen wahnsinnigen EX-Professor der sich als Gottheit ausgibt. All das wird hier vermischt zu einen italienischen „Jones/ Quatermain“-Konglomerat, welches durchaus Freude bereitet wenn man nicht viel erwartet.

Die Darsteller haben nicht wirklich viel erreicht in ihrer Filmkarriere. Bruno Minniti (hier unter seinen Pseudonym Conrad Nichols) war THOR – DER UNBESIEGBARE BARBAR (1983) und spielte in  RUSH 1 & 2 (1983/84) mit. Auf der Rückseite der VHS wird er gepriesen als „Kinohelden der 90er Jahre“. Ein wenig übertrieben. Regisseur des Films (und Darsteller des Professor Xristopolous) ist Gianfranco Parolini (aka Frank Kramer) der uns schon Filme geschenkt hat wie DIE UNBESIEGBAREN DREI (1964), ADIOS SABATA (1970) oder YETI – DER SCHNEEMENSCH KOMMT (1977). Der Film lief auch als DER GOLDENE CONDOR, INKA MAN – FLUCH DER TODESHÖHLE oder DAS GEHEIMNIS DES INKA-SCHATZES.

Alles in allem: Gekonnter Italienischer Versuch eines Abenteuerfilms ohne Tief- dafür mit Blödgang. Passt.