Brainscan (1994)

Inhalt:
Der schüchterne Teenager Michael (Edward Furlong) wird Teil eines interaktiven Videospiels bei dem er unschuldige Menschen tötet. Später stellt sich heraus, dass diese Morde durchaus real sind und Michael wird von Detektive Hayden (Frank Langella) observiert. Angestachelt vom „Trickster“ (T. Ryder Smith) eine Art Spieleiter der Wirklichkeit geworden ist, muss Michael nun das Spiel zu Ende spielen. Aber ist es überhaupt ein Spiel?

Filmisches Feedback:

Kleines Kunstwerk des prädigitalen Zeitalters

Zur Zeit der blühenden Videotheken grinste mich Mitte der 90er ein skurriles Gesicht vom Cover einer VHS an. Es sah aus wie eine wilde Mischung aus Tim Curry aus “ES” und einem Cyberpunkfreak. Ich las die Story auf der Coverrückseite und befand, dass die Geschichte so schlecht gar nicht klingt. Ausgeliehen, geguckt und in Vergessenheit geraten. Aber zum Glück wieder gefunden. Denn auch wenn damals Unkenrufe dem Film vorrauseilte, so klein, aber skurril-fein ist er heute noch.
Grad wenn man bedenkt, dass sich die Computerspielemaschinerie in immer größeren Schritten der Realität zuwenden will, so hat dieser Horrorfilm tatsächlich schon einiges vorweggenommen und neu gemischt. Angesiedelt zwischen “Videodrome”, einer Horrorvariante von “War Games” und Freddy Kruger, zeigt der Film den Realitätsverlust eines Menschen, der sich einem Medium hingibt und in ihn versackt. Was ist Realität und was nicht? Werden wir zum Spielball der Digitalisierung oder wollen wir das?

Der Film wirft (für einen “Direct-to-Video”-Film) tatsächlich philosophische Fragen der düsteren Menschlichkeit auf und steckt sie in ein Korsett des B-Horrorfilms. Das alles verpackt Regisseur John Flynn (LOCK UP, DEADLY REVENGE) liefert konsequent gute Ware ab. Und wenn man bedenkt, dass der Drehbuchautor dieses Films Kevin Andrew Walker ist, dann wird einem klar, dass das kein reiner Horrorfilm ist, sondern einer mit Hintergrund. Schließlich schrieb der Herr auch die Drehbücher zu SIEBEN oder 8 MM. Auch die sind düster.

Schauspielerisch kann man auch hier durchaus dran arbeiten (obgleich T. Ryder Smith als „Trickster“ verdammt gut ist), aber rein technisch gibt’s nichts auszusetzen und die Geschichte schreitet gnadenlos voran. Der Soundtrack ist übrigens voller starker Rockkracher von White Zombie bis Mudhoney. Der eigentliche Original Soundtrack kommt gut 90er-jahremässig rüber. Komponist war George S. Clinton, der schon die Filmmusik zu AMERICAN FIGHTER 2 & 3, MORTAL KOMBAT oder AUSTIN POWERS machte. Und irgendwie hinterließ er auch den Eindruck, dass dieser Film ein kleiner Vordenker war für THE GRUDGE. Nur eben im Spielemilieu. Also unbedingt anschauen!