Breakin’ 2: Electric Boogaloo (1984)

Kelly, Ozone und Turbo geben Jugendlichen aus ihrem Viertel einen neuen Sinn mit dem Jugendtreff „Miracle“. Kelly will sie in Breakdance unterrichten, obwohl sie eigentlich eine seriöse Tanzkarriere einschlagen soll. Doch so einfach wird das Leben mit dem Breakdance nicht besser: Das Gebäude soll an einen Immobilienhai verkauft werden, ein Supermarkt de  n Tanztreff ersetzen. Jede Menge Geld fehlt für die Renovierung – kann eine fulminante Breakdance Strassenshow das Projekt retten und die Bulldozer vertreiben?

 

In den 80ern entwickelte sich ein neuer Trend im Tanzbereich. Das Phänomen Breakdance schoss von den Straßenecken ins kulturelle Bewusstsein und wurde schnell zur Kunstform. Natürlich sollte dieser spezielle Tanzstil direkt auf der Kinoleinwand untergebracht werden und produzierte niemand geringeres als Menahem Golan und Yoram Globus von den berüchtigten Cannon Studios einen Breakdance Film. „Breakin‘ wurde ein Hit und ein großer Erfolg für das Studio. Grund genug direkt eine Fortsetzung nach zu schieben, die statt Tiefgang und authentischer Darstellung einer Gesellschaft ein kunterbunter Musikfilm war, der mehr zum Lachen anregt.

„Cannon Films“ steht für B-Movies und Trash der besten Sorte. Doch mit „Breakin‘“ hatte die Kultschmiede einen richtigen Riecher und konnte einen respektablen Kino-Hit verbuchen. Der charmante Breakdance-Film traf den Nerv der Zeit und portraitierte gekonnt eine Subkultur. Mit schönen Tanzchoreographien gaben Golan und Globus dieser neuen Art des Tanzens eine Plattform und bekamen sogar respektable Kritiken. Ein Novum, wenn man das sonstige Output der israelischen Produzenten betrachtet. Nachdem Breakdance nun salonfähig wurde, musste schnell ein Sequel her, mit dem die Firma schlussendlich Baden ging. „Breakin‘ 2: Electric Boogaloo“ ist das krasse Gegenteil des Vorgängers. Ein kunterbuntes Tanzfilmchen, welches die Message und eine authentische Darstellungsweise vermissen lässt und stattdessen nur Comicartige Szenen aneinander reiht. Die Story ist vom Reißbrett und dient schlichtweg nur dazu die Szenen irgendwie miteinander zu verknüpfen. Man war hier nur auf den Effekt aus und zerrte vom Erfolg des Vorgängers und vergaß somit, dem Film eine eigene Identität zu geben. Das Jugendzentrum soll abgerissen werden, natürlich von den miesen Kapitalisten, die nur ihren Profit im Kopf haben. Das ist so altbacken und dröge, zudem lieblos und unspannend in Szene gesetzt, obwohl eigentlich mehr Potential in dieser Urban Culture steckt. Wo der erste Film sich noch bemühte vernünftige Charaktere zu zeichnen, verkommt hier alles zu Comic-Reliefs.

Das Wesentliche sollen hier die Tanzszenen sein. Allerdings sind die weder beeindruckend, noch gut gefilmt. Wahllos wird hier umher geschnitten, obwohl einige Choreographien durchaus adäquat umgesetzt werden. Zudem wird auch einfach random drauf losgetanzt. Wenn zum Beispiel beide Gangs aufeinander treffen und eine Schlägerei angedeutet wird, die Parteien aber dann einfach anfangen zu tanzen, ist das schon eher unfreiwillig lustig als mitreißend oder gar unterhaltsam. Auf dem Regiestuhl saß hier Sam Firstenberg, der anscheinend Dauerbeschäftigter bei „Cannon“ gewesen ist und für das Studio eher im Action-Sektor zuhause war. Er war zum einen für die Michael Dudikoff-Vehikel „American Fighter“ 1&2, sowie „Night Hunter“ verantwortlich, sowie „Die Rückkehr der Ninja“, „Die Herrschaft der Ninja“ und „American Samurai“. Das lässt schnell darauf schließen, dass Firstenberg nicht unbedingt der perfekte Regisseur für einen Breakdance-Film ist. Quietschbund und voller aberwitziger Trash-Szenen, die eher an Menahem Golans desaströsen Musical-Flop „The Apple“ erinnern, ist „Electric Boogaloo“ trotzdem kein unterhaltsamer Film. Der Funke wollte einfach nicht überspringen, obwohl ich mir mehr erhofft habe. Auch die Musik ist nicht mehr als…naja DA. Generischer 80er Synthie-Pop mit Happy-Hooks, der sich anhört als hätte Firtsenberg ihn selbst in 2 Tagen komponiert untermalt den gesamten Film. Nach wirklichen Hits sucht man leider vergebens. Auch die Darsteller können nichts retten, obwohl alle Hauptcharaktere aus Teil 1 wieder mit an Bord sind. Es sind alles keine begnadeten Schauspieler, doch im ersten Teil hatten sie zumindest eine Form von Präsenz, was in diesem Streifen vollends flöten geht, da sie dümmliche Dialoge aufsagen und klischeehaft gezeichnet sind. Michael Chambers und Adolfo Quinones nudeln ihre Parts herunter und Lucinda Dickey ist zwar eine scharfe Schnitte und eine gute Tänzerin, aber keine gute Schauspielerin, was man schon in dem Trash-Vehikel „Die Herrschaft der Ninja“ erkennen kann.

Sam Firstenbergs Sequel zum Überraschungshit „Breakin‘“ ist ein relativ unnötiger Film. Total auf bunt und spaßig gedreht, geht die menschliche Komponente komplett verloren, zudem sind die Tanzszenen undynamisch und ohne Sinn für Rhythmus inszeniert. Die magere Geschichte tut ihr übriges und macht „Breakin‘ 2: Electric Boogaloo“ zu einem Vergessens werten, dessen cooler Titel als einziges im Gedächtnis bleibt.