Cannibal Man (1973)

Marcos arbeitet in einem Schlachthof. Als er eines Tage mit seiner sehr viel jüngeren Freundin Paula unterwegs ist, gerät er in ein Handgemenge mit einem Taxifahrer und tötet diesen unabsichtlich. Als sich später herausstellt, dass der Taxifahrer tatsächlich an den Folgen des Kampfes starb, drängt ihn Paula, sich der Polizei zu stellen. Doch wieder wird Marcos zum Killer unter dem extremen Druck der Situation. Schließlich wird Marcos Verhalten immer verdächtiger und er versucht verzweifelt, seine Taten zu verheimlichen. Aber immer wieder stoßen Menschen in seiner Nähe auf seine blutigen Geheimnisse. Dies ist meist ihr Todesurteil. Schließlich nutzt Marcos seinen Job, um im Schlachthof und der Konservenfabrik die Leichen zu entsorgen…

 

Wenn man einen Film, wie “Cannibal Man” vor sich liegen hat, werden unfreiwillig sofort Erinnerungen an die blutrünstige Kannibalenfilm-Welle der Italiener geweckt, die im Nachtrag zu Ruggero Deodatos “Nackt und zerfleischt” ihren Einzug in die Bahnhofskinos feierte. Doch “Cannibal Man” entpuppt sich nicht als grausam, reißerisches Gore-Allerlei, sondern entwickelt sich zu einem äußerst ambitionierten Film, der vor allem auf psychologischer Ebene punktet und die Grausamkeiten weitaus weniger hervorhebt als die Kollegen Deodato, Lenzi oder D’Amato.


In dem spanischen Werk von Regisseur Eloy de la Iglesia, begleiten wir den kleinen Fleischereiarbeiter Marco, der sich durch gewisse Umstände unfreiwillig in einer Spirale der Gewalt und des Mordes wiederfindet und dabei zu zerbrechen droht. Diese kleine aber für die damalige Zeit durchaus originelle Handlung etwickelt sich zu einer durchaus spannenden, interessanten und vor allem packenden Studie über einen Mann der sich immer weiter in den Abgrund begibt, dessen Angst ihn unfreiwillig zur Bestie macht und der zwischen Furcht, schlechtem Gewissen, Reue und stillem Verlangen langsam aber sicher den Verstand verliert. Was im Gewand eines Exploitation-Films daherkommt, entwickelt sich in eine durchaus clevere Richtug. Eine Richtung, die damals wohl niemand gemacht hätte. Der Film ist zum einen nachdenklich und zum anderen auch kritisch. Er kritisiert die Lebensumstände, die Gesellschaft und den Umgang untereinander. Der Regisseur bietet auch etwas Brutalität, die aber nie zum Selbstzweck verkommt, sondern immer wichtig für die Entwicklung der Figur ist. Daneben ist die Figur von Vincent Parra hervorragend gespielt und man kann sämtliche Emotionen von seinem Ausdruck ablesen. Leider wurde der Film nie einem sonderlich breiten Publikum bekannt und wurde immer als Futter für die B-Film Kinos vermarktet. Wer hier harte Kost erwartet, wie man sie aus anderen Horror-Filmen, dieses Sujets kennt, könnte enttäuscht werden, auch hat der Film nicht viel mit Kannibalismus zu tun, der Titel resultiert meiner Meinung nach aus reinem Marketing-Zweck.

“Cannibal Man” ist ein ambitionierter und interessanter Film, der zwar Genre-Elemente bedient aber unter seiner dreckig anmutenden Oberfläche ein durchaus stimmiges Drama ist und sich sowohl kritisch als auch psychologisch mit urbaner Gewalt auseinandersetzt. Für Intreressierte vielleicht ein Geheimtipp, für Gorehounds eine Enttäuschung.

Der Film ist ungekürzt sowohl in der “Motion Picture” Reihe auf DVD erhältlich, als auch von Subkultur als Nr.2 in der “Grindhouse Collection Vol.2” im schickem Blu-Ray/DVD Kombo-Pack.