Chuck Norris: Hellbound (1994)

USA 1994
mit Chuck Norris, Calvin Levels, Christopher Neame…
Drehbuch: Ian Rabin, Anthony Ridio, Brent Friedman
Regie: Aaron Norris
Länge: 95 Minuten
FSK: ab 18 Jahren (Indiziert)

In der Zeit der Kreuzzüge, gelang es Richard Löwenherz den bösen Prosatanos (Christopher Neame), Knecht des Satans, daran zu hindern die Hölle herauf zu beschwören und ihn in eine Gruft zu sperren, doch der Dämon wird unabsichtlich im Jahr 1951 befreit. Nun, 1992, versucht Prosatanos das Zepter, welches ihm die Macht verleiht, und von Löwenherz in 9 Stücke zerteilt wurde, zu finden, was eine Mordserie an Heiligen auslöst. In diesen Fall gelangen die toughen Cops Shatter (Chuck Norris) und Jackson (Calvin Levels). In Israel machen sie sich auf die Spur und versuchen das Geheimnis um die Morde und das Zepter zu entschlüsseln. Prosatanos muss bald schon feststellen, dass er sich mit den falschen angelegt hat!

Die kultige B-Film Schmiede „Cannon“ geriet Ende der 80er in starke Turbulenzen. Finanzierungen brachen zusammen, da man sich mit überbudgetierten Filmen verhob, die zu wenig einspielten. Ein Schneeballeffekt kam ins Rollen und so neigte sich die Arbeit von Menahem Golan und Yoram Globus dem Ende zu. Nach dem Ausscheiden von Golan, produzierte Globus noch weiter Filme unter dem Namen „Cannon-Pictures“, um noch bestehende Verträge mit kleinen Budgets zu erfüllen. Einer dieser Vertragspartner war Action-Haudegen Chuck Norris. Einer der, wirklich, letzten Produktionen der sinkenden Firma war „Hellbound“, in dem der Roundhouse-Kick Virtuose sich mit dem leibhaftigen Bösen herumschlagen muss und in ihm in diesem Kontext mal zeigt was eine Harke ist!

Was wurde nicht schon über Chuck Norris erzählt? Der Karate-Champion, der erstmals als Antagonist von Kung-Fu Legende Bruce Lee in „Die Todeskralle schlägt wieder zu“ auftrat und in Folge dessen zum Leading-Man für patriotisch doofe B-Actioner wurde. Seine größte Zeit hatte der bärtige Republikaner in den 80er Jahren, in denen das eben erwähnte Genre seine Blütezeit erlebte und Chuck sich in reaktionären Videotheken-Epen, wie „Invasion USA“ oder „Delta Force“, in die Herzen der Bier trinkenden Männerfilmgesellschaft ballerte. Nachdem die Kinokarriere langsam aber sicher den Bach hinunter ging, schuf sich der schießwütige Texaner ein zweites Standbein  als TV-Darsteller seiner eigenen Serie „Walker, Texas Ranger“, mit der er weltweite Erfolge erzielte. Dies hielt Chuck jedoch nicht davon ab, den ein oder anderen Direct-to-Video Schinken auszuscheiden, was uns direkt zu „Hellbound“ bringt, in dem er als, natürlich, harter Cop aus Chicago dem personifizierten Bösen gegenüber treten muss. Eines vorweg, „Hellbound“ ist eine ziemliche Gurke, die aber, je nach Gemütszustand und Anspruch des Betrachters, durchaus einigermaßen unterhalten kann. Die Geschichte versucht sich relativ verbissen der Mythologie aus der Zeit der Kreuzzüge zu bedienen. Der Bösewicht Prosatanos benötigt irgendein Zepter, welches von Richard Löwenherz in neun Stücke zerteilt wurde, um es in Verbindung mit königlichem Blut dafür zu verwenden, die Pforten der Hölle zu öffnen. Klingt ja erstmal nach einer netten Ausgangssituation für einen schönen B-Horror Streifen, jedoch befinden wir uns in einem Chuck Norris-Vehikel anno 1994, weshalb die Story von Anfang bis Ende sehr flach bleibt. Es gibt keine Überraschungen und der ganze Ablauf ist sehr vorhersehbar, was schade ist, denn da wäre wirklich mehr drin gewesen. Mit etwas mehr Trash-Appeal hätte daraus auch eine kleine Perle des schlechten Geschmacks werden können, jedoch zeigen die Drehbuchautoren auch in dieser Richtung wenig Ambitionen und versteifen sich zu sehr darauf einen ernsten Film zu erzählen. Der Streifen wurde als Actionfilm mit Horror-Elementen vermarktet, jedoch will weder der Horror noch die Action richtig zünden. Man belässt es bei ein paar Keilereien, in denen Shatter, die Norris-Figur, und sein stereotyper, schwarzer Sidekick Jackson ein paar Schellen verteilen. Von Rasanz keine Spur. Zwischendurch versucht man creepy und düster zu sein, jedoch bleibt es eher bei einem Geisterbahngrusel, der nicht mal wirklich Gore zu bieten hat. In einer Szene wird ein Herz herausgerissen, was aber so Fake aussieht, dass der Zuschauer nicht mal einen Anflug von Emotion verspüren sollte. Im Film passt alles nicht wirklich zusammen und man hat zwischendurch das Gefühl, dass die Macher selbst nicht wussten, was sie genau wollen. Mal Cop-Film, dann wieder okkulter Horrorfilm und umgekehrt. Man merkt deutlich, dass man sehr wenig Budget zu Verfügung hatte, was schon zu Beginn erkennbar ist.

Der Prolog spielt nämlich zur Zeit der Kreuzzüge und wir sehen einen Richard Löwenherz, der seine Mannschaft anführt, die aus 10 Leuten besteht, tja Statisten kosten nun mal auch etwas Geld. Immerhin wurde der Großteil der Handlung on Location in Israel gedreht, das muss man dem Ganzen dann doch zugestehen. Doch der Rest bleibt weitestgehend belangloser Videotheken-Unsinn, der nicht nur von Mythologie keine Ahnung hat, sondern auch, was Schauwerte angeht, auf sehr kleiner Flamme kocht. Lediglich ein paar Scharmützel unserer Hauptfiguren sind ganz unterhaltsam und Chuck lässt ein paar Sprüche vom Stapel, die man durchaus durchgehen lassen kann. Auf die angedeutete Romanze zwischen Shatter und der, für die späteren „Ereignisse“ noch wichtige, Leslie, gehe ich nicht ein, da diese nicht der Rede wert ist und völlig aus dem Arsch gezogen ist. Regie führte, wie auch bei anderen Werken aus Chucks Vita, sein Bruder Aaron Norris, dem hier gar nichts Aufregendes gelingt. Dieser hat mit „Missing in Action III“ und „Delta Force 2“ bewiesen, dass er zwar anspruchslose aber zumindest unterhaltsame Action-Filme inszenieren kann, in denen es auch kracht. Dies geht dem kleinen Norris hier deutlich ab, was ich aber jetzt eher auf das geringe Budget schiebe, was Yoram Globus wahrscheinlich gerade so noch auf dem Konto hatte. Auch an den Darstellern hat man, zumindest in den Nebenrollen, gespart. Während Chuck Norris, man kann sagen, sich weitestgehend selber spielt, verkommt Calvin Levels als sein Partner lediglich zur klischeebeladenen Witzfigur, der nur dazu dient, krampfhaft Situationen aufzulockern. Als dauerquasselnder Eddie Murphy-Verschnitt für Arme, hat er ein paar nette Momente, geht einem aber in vielen anderen auf die Nerven. Auch Chucks „Walker, Texas Ranger“ Co-Star Sheree J. Wilson hat als Leslie kaum etwas zu tun und hat wahrscheinlich nur mitgemacht, weil Chuck sie unter Androhung von Gewalt genötigt hat. Lediglich B-Movie Darsteller Christopher Neame hat als Bösewicht und Teufelsgestalt ein paar creepy Momente und kann durchaus etwas Bedrohliches ausstrahlen. Wahrscheinlich die beste Leistung im ganzen Film, welcher auch die Zusammenarbeit von Chuck Norris und „Cannon“ endgültig beendete. Was wahrscheinlich auch als Qualitätsmerkmal zu werten ist, ist die Tatsache, dass der Film schon 1992 gedreht wurde und eigentlich in den Kinos hätte laufen sollen, jedoch dauerte es zwei Jahre, bis sich ein paar Messen erbahmten und ihn in diversen Screenings aufführten. Letztendlich erschien er dann 1995 direkt auf Video, wo er auch hingehört.

„Hellbound“ war der klägliche Versuch, Chuck Norris in einem Mix aus Action und Horror zu inszenieren. Das Endergebnis ist lediglich höllischer Unsinn, der noch aus der Resteverwertung von „Cannon“ entstand. Zu doof um es ernst zu nehmen aber auch zu belanglos um als Trash-Granate zu funktionieren, reiht sich „Hellbound“ mühelos in die Reihe missglückter B-Movies ein, die man zwar schauen kann, es aber ganz sicher nicht muss.

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