USA 1991
mit Chuck Norris, Michael Parks, Al Waxman…
Drehbuch: Robert Geoffrion, Don Carmody
Regie: Aaron Norris
Länge: 90 Minuten
FSK: ab 18 Jahren

Der Polizist Cliff Garret und sein Partner Ronald Delany wollen ein paar Ganoven hochnehmen, als Delany auf einmal sein wahres Gesicht zeigt: Er steckt mit den Gangstern unter einer Decke und versucht Cliff zu erschiessen. Dieser überlebt schwer verletzt, während Delany ihn für tot hält. Nachdem er wieder zu Kräften gekommen ist, wird Cliff unter dem Namen Danny Grogan in den italienischen Gangsterclan um Marco Luganni eingeschleust. Bei seinen Undercoverermittlungen soll Cliff Luganni dazu bringen, mit einer französischen Bande unter der Führung von Andre Lacombe zusammenzuarbeiten. Als jedoch das Eingreifen von islamischen Gangstern Cliffs Pläne in Gefahr bringt, muss dieser handeln…

Nachdem „Cannon-Films“ Ende der 1980er Jahre sich quasi selbst beerdigt hatte, hielt sich die Filmfabrik noch unter Yoram Globus bis 1994 und erfüllte noch laufende Verträge. So entstand 1991 der vorletzte Film mit Studio-Zugpferd Chuck Norris. „The Hitman“ ist dieser Umstand anzumerken.  Mit geringem Budget umgesetzt, bietet der Gangster-Film ein paar nette Momente, ist jedoch im Gesamtbild eher ein müder Versuch, den Status Norris‘ als B-Action Ikone aufrecht zu erhalten.

Eines muss man der bärtigen Kampfmaschine Chuck Norris lassen. Obwohl er zweifelsohne kein besonders guter Schauspieler war, beziehungsweise ist, obwohl ich nicht mehr an ein Comeback glaube, denn der gute Chuck ist mittlerweile 77 Jahre alt, unterhalten konnten viele seiner Streifen gut, solange man eine Schwäche für flache Action-Kost besitzt. Bei „The Hitman“ sieht die Sache schon ganz anders aus, denn Action ist hier eher Mangelware und der Versuch einen spannenden, ja schon fast charakterfokussierten, Gangster-Krimi aus dem Hut zu zaubern, scheitert leider etwas kläglich. Aber mal ganz von vorne. „The Hitman“ bietet ein nettes Set-Up, aus dem man durchaus etwas machen kann, wenn man will. Ein Cop, der nach seinem vermeintlichen Tod als Killer in eine Mafia Organisation eingeschleust wird und so versucht diese zu infiltrieren. Klingt ja mal ganz nett und mit einem Knochen, wie Norris in der Hauptrolle, lässt sich aus so einer Story ein krachendes B-Movie schustern. Doch die Leute hinter der Kamera machen alles falsch, denn sie versuchen den Roundhouse-Kicker schauspielern zu lassen und das wirkt sich nun mal nicht unbedingt positiv aus. Trotz dieses Umstands hat der Film ein paar nette Momente. Wenn Chuck ein paar Ganoven über den Haufen ballert, als befände er sich auf einem Sonntags-Spaziergang im Frühherbst, dann ist das durchaus amüsant. Nur leider bekommt der Zuschauer solche Momente nur ungefähr drei Mal im Film zu sehen. Den Rest der Laufzeit muss unser Cop mit zwei Identitäten dröge Dialoge führen und einem kleinen Jungen beibringen, wie man sich gegen kleine rassistische Drecks-Bälger zur Wehr setzt. Auf diese Weise versucht man irgendwie emotionales Gewicht in das Geschehen zu bringen, was aber keinen sonderlich juckt, da unser TV-Ranger spielt als hätte er Kieselsteine gefrühstückt. Das ist wie Steven Seagal dabei zuzusehen, wie er versucht sich in einem Liebesdrama zu beweisen. Weiter muss ich das wohl nicht mehr ausführen.

 

Die Handlung plätschert vor sich hin, Spannung ist nicht vorhanden und die Figuren gewinnen kein Profil. Ich weiß, solche Elemente in einem Chuck Norris-Vehikel zu suchen ist wie das Aufspüren einer Nadel im Heuhaufen, doch wenigstens ein bisschen was davon hätte ich mir schon gewünscht. Somit bleibt Alles eher unaufregend, da kann das Blut noch sehr spritzen, wenn Chuck jemanden mit der Shotgun wegpustet. Einziges Highlight ist der Auftritt von Michael Parks als korrupter Cop Delany. Parks, den man vor allem als Earl McGraw aus dem Filmuniversum von Quentin Tarantino und Robert Rodriguez kennt, spielt mit Verve den Part des Bösewichts. Mit sarkastischem Witz und diabolischem Sadismus kann er wirklich glänzen, auch wenn seine Screen-Time leider sehr begrenzt ist. Etwas mager für einen Antagonisten. Regisseur Aaron Norris, Chucks Bruder, reißt wenig heraus. Der ganze Film hat TV-Optik, was wahrscheinlich daran liegen mag, dass das Budget bei diesem Spätwerk aus dem Hause „Cannon“ sehr niedrig war. Uninspiriert und ohne Gespür für Timing leiert Norris den Kram herunter, als ob niemand wirklich Bock auf den Film gehabt hätte. Es war auch der letzte Kinofilm des Filmstudios. Die restlichen Heuler wurden direkt auf Video veröffentlicht. Ein eher unrühmliches Werk unter anderen unrühmlichen, jedoch spaßigen Filmen mit Chuck Norris in der Hauptrolle. Zum Glück konnte er mit „Walker, Texas Ranger“ seinen Stern weiter leuchten lassen, wenn auch nur im TV.

„The Hitman“ ist eine Gurke. Weit weg von reaktionären, aber unterhaltsamen Action-Kloppern der 80er, versucht sich Kampfmaschine Norris an einem coolen Gangster-Film und fällt damit auf die Schnauze. Eine dröge umgesetzte Story, blasse Schauspieler und magere Action machen diesen Film mit TV-Optik eher zur Einschlafhilfe. Da können auch blutige Einschüsse und ein gut aufgelegter Michael Parks wenig ausrichten. Schade.