Combat Shock (1986)

Inhalt:

Die Geschichte von „Combat Shock“ ist eigentlich recht schnell erzählt: Frankie Dunlan ist ein Vietnamveteran, der nach seiner Rückkehr aus den Krieg in New York nicht im zivilen Leben zurechtkommt. Er ist arbeitslos, geht zu Prostituierten ohne bezahlen zu können (dafür wird die Prostituierte aufs brutalste zusammengeschlagen von ihren Zuhälter), er hat keine Freunde mehr, hat einen Sohn der vollkommen verunstaltet ist da Frankie mit „Agent Orange“ in Berührung kam, sein Vater hält ihn für tot. Frankie vegetiert vor sich hin und findet keine Lösung aus seiner Misere. Es endet in einen Drama bei ihn zu Hause, welches so drastisch ist, das man es kaum beschreiben kann.

Filmisches Feedback:

Trostloser Blick in die menschliche Post-Kriegsseele

Den Film einzuordnen ist schwer. Das Problem was man bei ihm haben kann ist die Kombination der Produktionsgesellschaft und dem kritischen Aspekt den der Film haben will. Psychischer Verfall und Troma in ein ernstes Gewand. Das passt eben nicht für jeden. Aber dennoch funktioniert grade deswegen diese Combo. Funktionierte auch bereits bei Roger Corman und einigen seiner Filme von z.B. Francis Ford Coppola oder Martin Scorcese. Eben weil aus den wenigen Mitteln die zu Verfügung standen das Beste rausgeholt wurde. Wenig Geld verleitet dazu, das bestmögliche aus der Geschichte rauszuholen.

Und so wurde auf einmal der Film realistischer als er wohl angedacht war. Die Kostüme kamen von der Heilsarmee (wie im richtigen Leben), Szenen wurden ohne Erlaubnis gedreht (das unterstreicht den realen Touch des Settings), das Geld kam teilweise von der Hochzeit des Regisseurs, die Vietnam Szenen wurden in Staten Island gedreht, oder auch das die Stimme des Babys die vom Regisseur ist nur schneller und rückwärts. So wird der Wahnsinn noch deutlicher um den es hier geht. Die Kostengünstigkeit dieses Projekts war im Grunde der Glücksfall.

Denn so gab es keine gelackten Szenen, keine großen Aufbauten, keine Kriegsmaschinerie die ausgeliehen oder gepachtet wurde vom Militär, keine Hochglanzbilder von einer Seite der menschlichen Seele die brutal und erniedrigend ist. Keine Millionen Dollarszenen um letzten Endes den Wahnsinn des Krieges zu zeigen nur um ihn im Grunde zu glorifizieren (siehe „Pearl Harbour“). Durch das geringe Budget konnte sich der Regisseur darauf konzentrieren was er zeigen wollte: die psychischen Auswirkungen des Wahnsinn des Krieges auf drastische Art. Hier wird nichts beschönigt. Hier gibt es keine Hoffnung. Hier wird eine kaputte und labile Seite der menschlichen Seele nach solch einem mentalen Ereignis gezeigt die unwiderruflich zerstört ist.

Der Krieg kann nicht in seiner Gesamtheit in Bild und Form gebracht werden. Es ist nicht möglich das Grauen zu zeigen. Dieser Film kommt aber verdammt nah ran. Eben wegen der Rohheit der Bilder, wegen seinem Pessimismus, wegen seiner Surrealität, wegen seiner kranken Entwicklung. Regisseur Buddy Giovinazzo schafft es den Schmerz und den seelischen Verfall eines Kriegsgeschädigten auf kompromisslose Weise zu zeigen. Es ist kein psychischer Hochglanzseelenstrip der hier hollywoodlike aufgearbeitet wird. Es ist eine Reise in den tiefsten, dunkelsten Abgrund des Krieges. Hart und zeigefreudig. Die Kamera hält drauf statt wegzudrehen.

Verstörend wird hier die versuchte Wiedereingliederung eines menschlichen Individuums in die Gesellschaft nach einem traumatischen Erlebnis gezeigt und sein Scheitern. Gründe werden nur schemenhaft gezeigt. Es geht hier um die Abgründe. Und die werden durchaus sehr gut eingefangen. Ein lohnender Film wenn auch unbekannt. Giovinazzo schaffte es danach leider nicht mehr in Amerika wirkliche Geldgeber zu finden und so siedelte er nach Berlin über und drehte einige „Tatort“ und „Wilsberg“ Folgen. Schade eigentlich.

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