Convoy (1978)

USA 1978
mit Kris Kristofferson, Ali McGraw, Ernest Borgnine, Burt Young…
Drehbuch: Bill L. Norton
Regie: Sam Peckinpah
Länge: 106 Minuten
FSK: ab 12 Jahren

Nach einer Schlägerei in einer Bar, in der sich der Trucker “Rubber Duck” (Kris Kristofferson) mit dem sadistischen Sheriff Wallace (Ernest Borgnine) angelegt hat, macht er sich mit einigen Kollegen auf die Flucht über die Staatsgrenze. Bei der wilden Verfolgung zwischen Truckern und Polizei schließen sich immer mehr Truck-Fahrer dem Convoy an, um dessen Anführer „Rubber Duck“ zu folgen. Am Ende kommt es zum großen Finale zwischen den Truckern und der Polizei…

Endlose Highways und das Fahren als Metapher der Freiheit. Unzählige Roadmovies portraitieren dieses „Cowboy“-Leben auf der Überholspur. Sam Peckinpahs Klassiker „Convoy“ aus dem Jahr 1978 setzt abseits von schnellen Schlitten den Truckern ein Denkmal. Ein Denkmal für die Freiheit und die letzten echten Cowboys, die ihre Lastzüge durch die unendlichen Weiten der USA steuern. Ein Film, der dazu noch Kritik am amerikanischen Rechtsstaat übt. Befassen wir uns heute mal mit der Frage, ob Peckinpah nach seinen zynischen und blutigen Western in seinem vorletzten Spielfilm noch einmal an alte Tugenden anknüpfen kann.

Sam Peckinpah zählte, wie seine Figuren, zu den Outlaws. Ein Outlaw der US-Amerikanischen Filmindustrie. Peckinpah galt als schwieriger Zeitgenosse und verkrachte sich des Öfteren mit seinen Produzenten. So sehr, dass nur noch die wenigsten mit ihm arbeiten wollten und er sich selbst zum Gebrauchsregisseur degradierte. Seine von Machismen geprägten Männerfilme, beschäftigten sich fast immer mit ausgebrannten Charakteren. Charakteren, am Rande der Gesellschaft, die nach ihrem eigenen Kodex lebten. Besonders Ausdruck verlieh er diesen Themen in seinen Western. Egal ob „Sacramento“, „Pat Garret jagd Billy the Kid“ oder „The Wild Bunch“, immer zeigte er einsame „Cowboys“, Außenseiter, die zwischen Wertevorstellung und der Norm der Gegenseite standen. So, nur in abgewandelter Form, zeigt uns das Peckinpah auch in „Convoy“. Die Hauptfiguren sind Trucker, allen voran der charismatische Rubber Duck. Peckinpah stilisiert diese Fahrer als letzte Cowboys in einer modernen Welt, die ihren Durst nach Freiheit auf den Highways ausleben. Statt Pferde, steuern sie große Lastwagen. In diesem Kontext inszeniert Peckinpah ein packendes Roadmovie, welches nicht nur die einsamen Brummi-Fahrer zu Repräsentanten des „amerikanischen Traums“ stilisiert, sondern auch den Rechtsstaat und die Willkür der Behörden anprangert. Sie sind diejenigen, die den „amerikanischen Traum“ zerstören und, in dieser Version, den Fahrern die Freiheit rauben. Die Handlung folgt dabei den klassischen Mustern, wie es die meisten Filme des Ausnahmeregisseurs tun. Man kann das ganz einfach als Schwarz-Weiß Malerei abtun, da Peckinpah nicht unbedingt der Mann für politischen Subtext ist, denn seine Vorstellung und seine Ideologie sind immer klar erkennbar gewesen, man könnte behaupten er war selbst so eine Art Cowboy, ein Ausgestoßener, der seine Ansichten in einen Film projizierte. Man kann das Ganze auch als eine Art Poesie eines Querdenkers verstehen, der eben angewidert vom System zu sein schien. So zeichnet Peckinpah in „Convoy“ einen Umbruch des amerikanischen Systems. In einer Zeit nach dem Vietnamkrieg und nach dem „Watergate“-Skandal war die Kluft zwischen der Politik und dem einfachen amerikanischen Volk ziemlich groß. Mit dieser Tatsache spielt der Film und portraitiert die Menschen als feiernde Fans einer Bewegung, die zum Protest der Freiheit avanciert. Die Politiker dagegen werden als spitzzüngige Machtmenschen dargestellt, die, als sie bemerken, dass sie gegen den Konvoi keine Chance haben, beginnen, die Situation für sich zu nutzen, um sich Vertrauen und Wählerstimmen zu erschleichen. Man muss schon Peckinpah-Fan sein, um dieses, immer wieder aufgegriffene, pessimistische Bild zu goutieren. Manche würden das als Einfallslosigkeit bezeichnen, ich dagegen sehe es als Passion des Regisseurs, der sich Gehör verschaffen will, in Bezug auf den Umstand, dass er selbst nicht gehört wird.

Abseits von diesen Themen ist Peckinpah ein verdammt unterhaltsamer Film gelungen, der Ende der 70er noch einmal das ganze Können des Regisseurs zeigt. Wunderschöne Bilder, emotionale Szenen, die Liebe zu den Charakteren und natürlich seine Vorliebe für Action. Diese Action kommt wieder im gewohnten Peckinpah-Stil daher. Kreative Einstellungen, Zeitlupensequenzen und das Zelebrieren von Gewalt. Die Gewalt bleibt hier allerdings weitestgehend zahm. Es gibt kein Blutbad zu bewundern, wie in „The Wild Bunch“. Die Gewalt bezieht sich eher auf die Zerstörungslust des Regisseurs. Rubber Duck und seine Kumpanen dürfen hier einiges in Schutt und Asche legen und missbrauchen ihre Trucks fast schon als Abrissbirnen. Das macht sehr viel Laune und steht auch klassisch in der Tradition anderer Roadmovies, wie „Dirty Marry, Crazy Larry“, „Fluchtpunkt San Francisco“ oder der Burt Reynolds-Komödie „Ein ausgekochtes Schlitzohr“. Auch die Darsteller sind mit Elan dabei. Kris Kristoffersson spielt mit Charme und Esprit den Anführer, hin und hergerissen, zwischen der Sehnsucht nach Freiheit und der Chance etwas zu bewegen. Daneben steht Ali McGraw, der Star der Kult-Schmonzette „Love Story“, die auch schon in „Getaway“ vor Peckinpahs Kamera stand. Sie bleibt aber leider etwas blass und hat nicht viel zu tun, zudem fungiert sie oft als Stichwortgeberin für Kristofferssons Figur. Den besten Auftritt legt aber Ernest Borgnine als korrupter Sherriff hin. „Dirty Lyle“ ist eine ekelhafte Figur, getrieben von der Geltungssucht, die aber trotzdem eine Art Hassliebe für „Rubber Duck“ empfindet. Der restliche Cast ist top besetzt und bildet ein gutes Ensemble. Auch der Soundtrack ist wahrlich gelungen. Zwischen treibenden Sounds, gibt es rockige Country-Songs, die im Ohr bleiben. Allen voran der Titelsong, gesungen von C.W. McCall.

„Convoy“ ist ein toller Film. Wunderbar inszeniert, toll gespielt und voller Botschaften. Sam Peckinpah gelang, bevor es steil bergab ging, noch einmal ein kleines Meisterwerk, welches zu recht Kultstatus erlangte. Ein Plädoyer an die letzten Cowboys der Moderne, verpackt in ein tolles Roadmovie.

 

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