Convoy Busters (1978)

Italien 1978
mit Maurizio Merli, Olga Karlatos, Massimo Serato
Drehbuch: Igino Cappone, Teodoro Agrimi, Stelvio Massi
Regie: Stelvio Massi
Länge: 99 Minuten (Deutsche Version: 87 Minuten)
FSK: ab 18 Jahren

Kommissar Olmi ist in Rom für seine drastischen Methoden und seine Unbestechlichkeit bekannt. Bei der Untersuchung des Todes der jungen Leute Maria und Augusto stößt er auf Loredana, die er zu einer Aussage zwingt. Dabei stellt sich heraus, dass sie die Fehltritte ihres Sohnes Marcello deckt. Darin verwickelt ist auch Degan, Vorsitzender der Dogana di Fiumicino, der sein Geld auch mit illegalem Diamantenhandel verdient. Olmi kommt den Verbrechern gefährlich nah und wird, nach einem Anschlag auf sein Leben, Richtung Meer versetzt. Dort will er dem Diamanten- und Waffenschmuggel ein Ende bereiten.

Wenn der geneigte Genre-Film Gucker mal wieder Lust auf handfeste Schellen und etwas Crime hat, welcher Filmgattung kann man sich dann besser widmen als dem italienischen „Polizioteschi“? Richtig, keinem. Wenn dann noch Maurizio Merli persönlich die Macht des Gesetztes walten lässt, dann sollte auch der letzte B-Nerd vollkommen zufrieden gestellt sein, denn auf etwas anderes zielt Stelvio Massis Italo-Reißer „Convoy Busters“ aus dem Jahre 1978 auch nicht ab. Das ist für gewisse Stimmungen sehr schön, bei genauerem Betrachten allerdings auch etwas schleppend.

Aller Kritik zum Trotz, Maurizio Merli ist für Freunde handfester Italo-Action, zumindest meistens, eine sichere Bank. Neben Bud Spencer und Terence Hill verteilte kein Darsteller der Cinecitta jemals schöner Backpfeifen als „Kommissar Eisen“. Merli war der italienische „Dirty Harry“. Mit Härte und höchstem Sinn für Gerechtigkeit, wurde das Verbrechen zur Strecke gebracht. Merli war immer der „Cop aus Stahl“, der MANN! Immer mit Tolle, Pilotenbrille, Pornobalken, Goldkettchen und üppiger Brustbehaarung lautete die Devise: Erst schießen, dann Fragen stellen. Auch in „Convoy Busters“ weicht der blonde Haudrauf-Hero nicht von seinem Schema ab. Als Kommissar Olmi sagt er miesen Diamanten- und Waffenschmugglern den Kampf an. Hier bekommt der Fan harte Schlägereien, etwas Geballer und, zumindest in der deutschen Fassung, einige Sprüche um die Ohren gehauen. Wenn Olmi zu Beginn einen Jungen im Teenageralter aufgreift, wird dieser erst mal ordentlich verdroschen, bevor er seine Aussage machen kann. Somit ist direkt klar, einem Maurizio Merli sollte man besser keine Lügen erzählen. Trotz dieser vielen, etwas komischen Momente krankt der Streifen, der bei uns direkt auf Video veröffentlicht wurde an einer ganz besonderen Sache: Der Story. Die alten Polizei-Reißer aus Italien hatten nicht immer eine komplexe Story, hier reichte Schwarz/Weiß Malerei, so lange man dem Publikum handfeste Action bot. Doch hier steht wirklich nur die Hauptfigur im Mittelpunkt, denn mehr gibt die Handlung nicht her. Der größte Schwachpunkt ist, dass hier vieles ins Nichts läuft. Der Film ist quasi in zwei Teile geteilt.

Im ersten legt sich Olmi mit einem hochdekorierten Beamten an, der anscheinend Schmuggel betreibt und zudem einen korrupten Richter in der Tasche hat. Diese Geschichte verläuft allerdings ins Nichts, denn der Beamte geht mit einem Flugzeug stiften und Olmi widmet sich in der zweiten Hälfte dem organisierten Schmuggel an einem anderen Ort, in den er sich versetzen lässt. Er will, quasi, das Übel bei der Wurzel packen, jedoch scheinen vergangene Ereignisse ihn gar nicht mehr zu kümmern. Diese Inkonsequenz passt eigentlich gar nicht zu einem harten Cop, wie Olmi. Auch in der zweiten Hälfte ist die Geschichte stark Reißbrettartig und Merli darf ein paar Ganoven vermöbeln und eine hübsche Dame flachlegen, die sich nach einer Minute sofort in den prolligen Polizisten, der eher wie ein Lude aussieht, Hals über Kopf verknallt. Auch das Finale ist etwas lahm und kann nicht mit anderen Genre-Beiträgen mithalten, obwohl der Film ansonsten sauber inszeniert ist. Regisseur Stelvio Massi war für einige Actionbetonte Krimis verantwortlich und arbeitete mehrmals mit Merli zusammen. Die Action stimmt an vielen Stellen, jedoch fehlt immer das gewisse etwas, was zum Beispiel ein Umberto Lenzi in seinen Filmen hatte. Hier wirkt vieles halbgar und nicht zu Ende gedacht, ja irgendwie schludrig, obwohl die Regie ganz ansprechend ist. Etwas Zeitlupe hier und ein paar nette Kameraspielereien da. Das ist nett anzusehen, aber ein wirkliches Feuerwerk sieht anders aus. Massi vernachlässigt das Potenzial, welches im Film steckt. Aus der Schmuggel-Thematik, ließe sich ein guter Polizioteschi mit Spannung und Action zimmern, jedoch konzentriert sich „Convoy Busters“ nur auf seine Hautfigur, um sie als gnadenloser Checker mit Dienstmarke zu inszenieren, was fast schon wie eine Selbstparodie wirkt, jedoch anscheinend ernst gemeint ist. So bleiben auch alle Nebenfiguren uninteressant. Sowohl die Gangster als auch Olmis Liebschaft gewinnen kein Profil und fungieren als Beiwerk, so dass einfach Personen da sind. Somit kann „Convoy Busters“ wenig überzeugen und lediglich mit den Machismen seiner Hauptfigur punkten, welche für allgemeine Belustigung bei Trashfans sorgen sollte.

Stelvio Massis „Convoy Busters“ ist ein klassischer Polizioteschi. Trotz unterhaltsamer Elemente, wie ein harter und übermäßig maskuliner Maurizio Merli und Schellen en Masse, ist der Rest eher uninteressantes Beiwerk. Anstatt etwas Augenmerk auf Handlung und Figuren zu legen, konzentriert man sich hier lediglich auf die Sprüche und Schlägereien. Auch die Action könnte besser sein und somit bleibt ein eher, maximal, durchschnittlicher Eindruck. Anspruchslose Fans von Euro-Trash, wie ich einer bin, dürften daran trotzdem Freude haben.

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