Crazies (1973)

Als eine Militärmaschine in der Nähe einer amerikanischen Kleinstadt abstürzt, wird das Grundwasser mit dem isch an Bord transportierten bakteriologischen Kampfstoff, Codename: Trixie, verseucht. Trixie hat zur Folge das Nervensystem des Menschen anzugreifen und ihn entweder sofort umzubringen oder ihn zu einem mordlustigen Amokläufer mutieren zu lassen. Das das Grundwasser auch das Trinkwasser der Kleinstadt ist kommt es schon kurz darauf zu den ersten Vorfällen. Das Militär stellt die Stadt unter Quarantäne, um eine sich ausbreitende Pandemie zu verhindern. Sie trommeln die Bewohner zusammen, die Infizierten werden gnadenlos liquidiert, denn ein Gegenmittel gegen Trixie gibt es noch nicht. Nur eine Handvoll Menschen flieht vor den Soldaten in den Schutzanzügen, die beginnen weitläufig das Gebiet um die Stadt abzuriegeln und auf jeden zu schießen, der Anzeichen einer Verseuchung durch Trixie zeigt…

Crazies ist eher ein Thriller anstelle eines richtigen Horrorfilmes, so wie man ihn von dem Regisseur von Die Nacht der lebenden Toten und Zombie, George A. Romero vielleicht gewohnt sein könnte, der in seinem Film Crazies eher auf die relativ realistische Darstellung eines eventuell möglichen Szenarios abzielt, anstatt wie in seinen Zombiefilmen auf fiktive  Inhalte zu setzen. Crazies ist Romeros vierter Kinofilm und auch wenn man von dem etwas reißerischen Titel absieht mitunter seiner düstersten, die sich mit dem Thema von bakteriologischen Waffen beschäftigt, deren Einsatz 1972 in dem Biowaffen-Übereinkommen, kurz BWÜ verboten wurden, welches aber erst 1975 in Kraft trat.

Romeros Crazies ist ein Szenario, dass sich mit den Auswirkungen dieser Biologischen Waffen auseinandersetzt, aber größten Teils auch das brutale und unmenschliche Vorgehen des Militärs gegen die Zivilbevölkerung bei ihrem Vorhaben diese zu schützen anprangert. In dem Film Crazies fragt man sich als Zuschauer schnell, wer die Bösen sind und kommt letzten Endes zum Entschluss, dass es nicht die Infizierten sondern die Soldaten sind, die sich in ihrem brutalen Vorgehen nicht mehr damit herausreden können, sie würden nur Befehle befolgen und wenige opfern um das ganze Land zu retten. Romero zeigt in kalten und schonungslosen Bildern die Willkür und Unbarmherzigkeit des US-Militärs , die allm Anschein nach eher darauf bedacht sind ihr eigenes Fehlverhalten und die eigene Herstellung des Biokampfstoffes Trixie vor der Öffentlichkeit zu verheimlichen, also mit der Säuberungsaktion eher Beweise und Zeugen verschwinden lassen zu wollen, anstatt im Interesse der menschen und Opfer zu handeln.

Zudem wird auch verdeutlicht, was mir aber ein wenig zu klischeehaft darstellt wurde, aber ich eben auch keine Einblicke eines Insiders  in das US-Militär habe^^, dass die Führung des Militärs, das in dieser Kleinstadt den Oberbefehl inner hält, sich gegen Wissenschaftler und Ärzte versuchen durchzusetzen, dass nur die totale Vernichtung die Ausbreitung des Virus verhindern kann.   Romero kritisierte später seinen Film Crazies selbst, das er viel zu politisch  geworden sei und hält ihn eher für einen seiner wenigen gut gelungenen Filme.

Mir persönlich tendiere bei  Crazies eher, trotz der offensichtlichen Kritik an dem Machtmissbrauchs des Militärs, dazu ihn mal als eine Alternative zu Romeros Zombiefilmen anzuerkennen, was nicht heißt, dass mir diese nicht gefallen würden, aber Crazies ist einfach mal etwas anderes. Obwohl Kritiker behaupten, der Film wäre in seiner Gewaltdarstellung unnötig extrem, so denke ich darüber, dass diese aus heutiger Sicht doch eher harmloseren Szenen nur ein Schatten der Realität sind.  Schon alleine das zu rote Blut in Crazies wirkt im Gegensatz zu der Geschichte eher unrealistisch, was aber vielleicht und nur angenommen auch damit zu tun hat, dass Romero gar nicht soviel Wert darauf setzte, das Augenmerk auf die Effekte zu lenken, bei denen diesmal kein Tom Savini mitwirkte, sondern es mehr um Inhalt und Botschaft, was er ja wie gerade schon geschrieben auch an seinem Film später bemängelte.

Die beklemmende Atmosphäre in Crazies gut untermalende Musik wurde von Bruce Roberts komponiert, der aber eher als Song-Schreiber  von einzelnen Stücken zu  Soundtracks zu Filmen wie Der Prinzipal – Einer gegen Alle mit James Belushi aus dem Jahre 1987 oder Die Coneheads mit Dan Aykroyd von 1993 bekannt wurde. meiner meinung nach sieht man an der Intensivität von Crazies, sowie auch seiner authentischen und gleichzeig sehr eindringlichen unter die haut gehenden Atmosphäre gar nicht an, dass das Budget gerade einmal nur 275,000 US-Dollar betragen haben soll, woran man aber auch sieht, dass es gar nicht nur auf die Kosten ankommt, sondern auch darauf was und wie man etwas einem Film erzählt und Romero hatte es – früher zumindest – geschafft den Zuschauer in vielen seiner Filme nicht nur ein Spiegelbild der Gesellschaft vorzuhalten, sondern sie auch in ihren Bann zu ziehen, sie zu fesseln und sie oft vergessen zu lassen, dass es sich bei all dem Geschehen vor ihrer Nase nur um einen Spielfilm handelt.

Dieser Spielfilm, Crazies, sollte man natürlich nicht mit den Erwartungen sich anschauern, einen Romero-Zombiefilm zu sehen zu bekommen, denn dann wird man enttäuscht, auch wenn es in entfernter Weise einige Parallelen zu diesen gibt, wie das eine kleine Gruppe Menschen sich vor einer Gefahr verstecken und auch ein wenig auf die psychischen Aspekte in solchen Ausnahmesituationen eingegangen wird. 2010 verfilmte Brech Eisner Romeros Crazies neu, aber dazu kann ich nichts schreiben, da ich mir dieses Remake nicht angesehen habe und somit keine Parallelen, Vor- und Nachteile oder sonstiges noch irgendeine Meinung dazu abgeben kann. Die fünf DVD-Erscheinungen sind alle von dem Label Anolis ungeschnitten mit einer FSK-Freigabe von ab 16 sowie aber auch als ungeprüft (obwohl identisch) veröffentlicht worden.

Meine Wertung: 8,5/10 Punkten

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