Crimson Tide (1995)

Inhalt:

Das amerikanische U-Boot U.S.S. Alabama unter dem Kommando von Frank Ramsey (Gene Hackman) wird auf eine Mission geschickt, eine Nuklearbasis innerhalb einer Stunde anzugreifen, die sich in der Hand von Radikalen befindet. Nach einem kleinen Kontakt mit einem gegnerischen U-Boot fallen die Kommunikationsnetze aus. Der erste Offizier Ron Hunter (Denzel Washington) weigert sich nun, die Befehle auszuführen ohne vorher Kontakt zur Admiralität aufzunehmen. Es kommt zu einer dramatischen Auseinandersetzung zwischen den Alphatieren.

Filmisches Feedback:

Erst im Nachhinein erstaunlich klug

Die Scott-Brüder sind dafür bekannt eine exzellente Optik in ihren Filmen einzusetzen. Beide kommen aus der Werbebranche. Das sieht man ihren Filmen (auch heute) noch an. Allglatte Hochglanzbilder, die man sich fast allesamt an die Wand pinnen könnte. Während Ridley seine Ästhetik eher aus dem Licht-und-Schattenspiel entnimmt um damit zuweilen Spannung und Kontraste wiederspiegelt, ist es bei Tony das grelle-präzise Farbenspiel welches er gezielt einsetzt um seine Protagonisten ins rechte Licht zu rücken um somit die Optik etwas über den Inhalt seiner Filme zu stellen. Interessanterweise hält er sich bei diesen 90er Thriller erstaunlich wohlwollend zurück.

Auch wenn man bedenkt, dass er zwar immer recht akzeptable Unterhaltungsactioniers inszenierte, die aber nicht unbedingt mit Tiefgang glänzten. Nach neuerlicher Sichtung fällt bei diesem Film auf, dass er sich mit seiner Gestaltung der obligatorischen grell-bunten Bilder durchaus zurückhält. Und hier tatsächlich eine plausible (wenn auch so nicht logische) Geschichte erzählt. Und diese ist geprägt durch zwei Faktoren: Gene Hackman und Scotts Filmbuddy Denzel Washington (das hier ist ihre erste Kollaboration). Sie sind die tragenden Elemente dieses Militärthrillers, wo ab und an etwas zu viel soldatischer Militarismus vorkommt, aber dennoch wohltuend kritisch die Befehlskette hinterfragt wird. Das psychologische Duell dieses neuzeitlichen „Meuterei auf der Bounty“ im Atomzeitalter, ist das Gerüst dieses Films.

Scott lässt hier Fragen offen, und lässt die Charaktere streiten und meutern und über den Sinn und Funktion des atomaren Ausnahmezustands diskutieren. Das alles im Hinblick auf den Verbleib im atomaren Holocaust oder Frieden. Der Film möchte gern den Frieden propagieren und stellt das Militär und seine Funktion in Frage. Auch deshalb gab das US-Militär so gut wie keine Unterstützung dem Filmemacher.

Auch weil die wahren Geschehnisse auf die dieser Film beruht, tatsächlich auf einem sowjetischen U-Boot zur Kuba-Krise passierte (hier sollten drei Kommandeure eines U-Boots den nuklearen Erstschlag gegen die USA vollziehen. Aber einer der Kommandeure weigerte sich den Code zu geben/bestätigen, sodass noch alles abgewendet werden konnte). Die Auseinandersetzung dieser beiden Alphamännchen passt nicht zu recht in die soldatischen Befehlsfolgerungen des US-Militärs. Aber grade daraus bezieht der Film seinen Reiz. Er bezieht nicht wirklich Stellung sondern lässt eben vieles offen. Und das zeigt Scott auf spannende Art und Weise. Auch weil hier kaum Action vorkommt kann man eher als Thriller bezeichnen.

Es ist mit „Staatsfeind Nr.1“ (ebenfalls mit Hackman) Scotts bester Film. Auch weil er im Gegensatz andere Filme von ihm, eine Botschaft hat die er geschickt im Spannungsaufbau versteckt. Auch ist es ganz nett anzusehen, wer dort alles mitspielt, die später erst richtig bekannt wurden: Viggo Mortensen, Scott Zahn, Ryan Phillipe, Scott Grimes oder auch alte recken wie zum Schluss Jason Robards.