Das letzte Testament (1983)

Inhalt:

Erzählt wird in langsamen Bildern die Geschichte der Familie Wetherly vor und nach dem nuklearen Holocaust. Ohne den Krieg zu zeigen, wird in drastischen, emotionalen Szenen die Verseuchung der Menschen gezeigt. Und wie sie dennoch versuchen ihr normales Leben weiterzuführen obgleich es keinen Ausweg gibt.

Filmisches Feedback:

Ein kleines Meisterwerk, welches sich lohnt wieder entdeckt zu werden

Der Film zeigt eine typische, perfekte Vorstadtfamilienidylle aus den 80er Jahren, die durch ein Ereignis aus den Fugen geworfen wird. Die eigentliche Katastrophe wird nie gezeigt, auch gibt es keinen Schuldigen. Und das tut den Film gut. Es braucht keine Erklärung, denn Regisseurin Lynne Littmanns Spielfilmdebüt reduziert die Geschichte aus dem Danach und nicht dem Warum. Hier werden die Auswirkungen des atomaren Holocaust (ähnlich dem ebenfalls wunderbaren THE DAY AFTER  und der seelische Verfall der Menschen, anhand des “kleinen” Mannes gezeigt. Real existierende Menschen…dadurch gewinnt der Film an Authenzität und wird zu einer Art Dokumentarfilm ohne jedoch die Erzählweise und Form selbiger zu verwenden.

Dies kann aber durchaus beabsichtigt sein. Regisseurin Littman kommt nämlich ursprünglich aus dem Dokumentarfilmbereich. Hier erhielt sie sogar für den NUMBER OUR DAYS von 1976 den Oscar als Bester Dokumentarkurzfilm. Im Übrigen war für diesen Film für den Schnitt der spätere Regisseur Lewis Teague (CUJO, DER HORROR-ALLIGATOR, KATZENAUGE) verantwortlich.

Symbolbedeutend sei hier das Theaterspiel genannt. Es zeigt ein Lichtblick in eine bessere Welt, die es vielleicht geben könnte. Der Film, zeigt zudem, dass das wahre Leben in Notstandsituationen von in der Gesellschaft lebenden unangepassten Menschen (hier der beeinträchtigte Junge) versucht wird weiter zu leben. Während der “normale” Mensch dies nicht tut und verzweifelt. Er reagiert mit Angst und Panik. Dieses kammerspielartige Drama versinkt manchmal etwas zu sehr in Kitsch und Belanglosigkeit, aber schafft es dennoch einen differenzierten Blick auf die postatomare Familie zu werfen.

Und mit Kevin Costner (in einer sehr frühen Rolle), Rebecca DeMorrnay (DIE HAND AND ER WIEGE), Lukas Haas (DER LETZTE ZEUGE), William Devane (DER MARATHON-MANN, SPACE COWBOYS) und Jane Alexander (BRUBAKER) auch noch top besetzt. Alexander bekam hierfür auch eine Oscarnominierung als beste Hauptdarstellerin und setzt sich seitdem gegen atomaren Gebrauch ein. Costner sagte später, dieser Film hatte einen großen Einfluss auf seine Werke WATERWORLD (1995) und POSTMAN (1997)Nicht zu vergessen die wunderbare Musik von James Horner (R.I.P.)

Interessant auch eine kleine Nebengeschichte. Dieser Film war zunächst als Fernsehfilm angedacht. Die Produzenten entschieden sich dagegen und brachten ihn in die Kinos. Daraufhin wurden die Produzenten von einigen Schauspielern verklagt. Denn sie wurden bezahlt wie Schauspieler, die im Fernsehen arbeiten. Da dies aber nun ein Kinofilm war, wollten sie auch dementsprechend bezahlt werden. Der Fall wurde außergerichtlich geklärt.