Dead Presidents

Der Einsatz eines Soldaten in einem Krieg fordert viel am Soldaten selbst, wie auch an seine Angehörigen, insbesondere die Familie und Lebenspartner. Der Dank eines Soldaten wird nach Beendigung seines Einsatzes oft nicht gewürdigt und schlichtweg im Stich gelassen. Diese Thematik und zugleich Problematik schrieben die HUGHES BROTHERS im Jahr 1995 in ein Drehbuch mit dem Titel DEAD PRESIDENTS. Dieser Mix aus Action mit vielen Dramen-Elementen ist hart, brutal, offen und kalt – so wie die Gesellschaft gegenüber den dienenden Soldaten. Manche von Ihnen sind freiwillig in der Army und andere wurden indirekt dazu gezwungen, doch das steht auf einem anderen Blatt.

DEAD PRESIDENTS ist ein außergewöhnlicher Film, der das Leben vor, im und nach dem Krieg widerspiegelt. Die HUGHES BROTHERS mischten noch den Rassenkonflikt zwischen Weiß und Schwarz in die Story und sorgen somit für noch mehr Zündstoff. Der Film zeichnet sich vor allem für seine dichte Atmosphäre und die Erzählweise aus. Zu Anfang bekommt man das Leben junger, farbigen Amerikaner geboten, die Party, Schule und Frauen im Kopf haben. Dann tritt der Vietnam – Krieg in den Vordergrund. Die Erlebnisse von privaten Vergnügen, werden nun mit grausamen Szenarien wie Leichen, Blut und zerfetzende Körperteile abgelöst. Nach vier Jahren in der grünen Hölle, betritt man wieder sozusagen das eigene Land und wird von der Gesellschaft schlichtweg links liegen gelassen. Das ist der Dank dafür? Man bekommt keinen Job, wird von vielen missachtet und von seinen Freunden und Familie zwar herzlich begrüsst, aber dennoch mit Abstand.

Schauspieler Larenz Tate, den wir auch schon in MENACE II SOCIETY zu Gesicht bekamen, mimt in DEAD PRESIDENTS Anthony Curtis. Ein jungen farbigen auf den Weg von Partys in die Hölle und wieder zurück. Tate verkörpert den Charakter Curtis sehr realistisch und mit viel Gefühl und Ausdrucksstärke. Seine Erlebnisse des Krieges haben nicht nur ihn selbst geprägt, auch seine zurück gebliebene Frau die zur Zeit des Einzuges schwanger war. Durch die Existenzangst getrieben, und dem gleichen Schicksal wie seine Freude daheim, sieht er nur noch den Ausweg zu einer kriminellen Tat um für seine Familie zu sorgen. Ein Überfall auf einen Geldtransporter ist geplant und wird eiskalt durchgezogen. In weiteren Rollen sind noch Keith David, Freddy Rodriguez und nicht zu vergessen Chris Tucker als Drogenjunkie im Cast vorhanden. Auch wenn die Rolle von Tucker nur ein Nebencharakter darstellt, so kann man beruhigt sagen das er die Rolle des Junkies förmlich auslebt. Durch seine quirlige Art und Weise, wie man sie auch aus RUSH HOUR kennt, passt wie die Faust aufs Auge auf diesen Charakter. Doch auch er durchlebt mehr Tiefen als Höhen in seinem Leben in der Heimat.

Doch die HUGHES BROTHERS haben nicht nur das Leben von Curtis und Angehörigen in interessante und ansprechende Bilder verwandelt. Auch die Geschichte des Krieges wurde aufwendig inszeniert. Hier nahmen die Brüder förmlich kein Blatt vor dem Mund. Sehr realitische und blutige Action wird dem Zuschauer knallhart vor die Linse geworfen. Sei es Explosionen mit Menschen auf einer Mine oder auch Durchsiebung mehrerer Patronen durch den Feind. Unsere Charaktere werden immer wieder in den Strudel von Hass und Gewalt gezogen, egal ob daheim oder im Kriegsgebiet. Die Kriegsszenen könnten von der Qualität genauso gut aus einem reinen Kriegsfilm stammen. Sehr aufwendig und detailreich.

In einem schnellen und spannenden Tempo schreitet die Story auf ihr Finale zu – Der Überfall. Auch hier haben die HUGHES BROTHERS die Liebe zum Detail bewiesen und bieten uns ein gewaltiges und actiongeladenes Finale. Blutig, eiskalt und unberechenbar immer mit dem Ziel des Geldes vor Augen sind unsere DEAD PRESIDENTS bei der Sache.

Zu allen Szenarien und Abschnitten der Story wurde ein passender und stimmiger Score gewählt. Er unterstützt die Szenen und verdichtet die Atmosphäre auf einem fast unaufhaltbarem Zustand. Dazu noch schnelle Schnitte und eine flotte Kameraführung. Doch wenn man denkt das Ende des halb misslungenen Überfalls sei nahe, der wird enttäuscht bzw. mit einer Wendung und Überraschung versorgt.

DEAD PRESIDENTS ist ein genialer und kaltblütiger Film – spart mit Klischees und zeigt aufwendig und eindrucksvoll die schlechten Seiten des Krieges. Diesen Film gibt es in Deutschland auf VHS und auf DVD in drei Auflagen mittlerweile, alle Versionen sind ungeschnitten.