Delta Force 2 – The Colombian Connection (1990)

Wieder mal kann der skrupellose Drogenbaron Ramon Cota den US-Drogenfahndern entkommen. Nun sollen zwei Mitglieder der Eliteeinheit “Delta Force” – Colonel Scott McCoy und Major Bobby Chavez – den Fall in die Hand nehmen. Tatsächlich gelingt es, Cota in der Schweiz festzunehmen, doch der Gangster kommt erneut gegen Kaution frei. Er rächt sich grausam an Chavez und dessen Familie. McCoy setzt nun alles daran, mit Cota abzurechnen

 

„Chuck Norris geht regelmäßig Blut spenden, mit einer Knarre und einem Eimer!“ So oder so ähnlich lassen sich die Filmauftritte der bärtigen Kampfmaschine beschreiben. Auch der 1990 erschienene „Delta Force 2 – The Colombian Connection“, auch mit der Tagline „Operation Stranglehold“ bekannt, bildet da keine Ausnahme. Noch in der Resteverwertung von „Cannon Pictures“ entstanden, geht es hier miesen Gangstern eines Drogenimperiums an den Kragen. Obwohl er gänzlich andere Wege geht als Teil 1, gestaltet sich der Film als durchaus unterhaltsamer Actionfilm.

Auch hier lässt Norris, welch eine Überraschung, wieder Fäuste und Kanonen sprechen. Dieses Mal ist der bärtige Roundhouse-Kicker einem fiesen Drogenbaron auf den Fersen, der seinen besten Freund und dessen Familie eliminiert hat. Das war dann auch schon die ganze Story, aber Chucks Action-Vehikel, gerade die aus der Cannon-Schmiede, waren noch nie für raffinierte Geschichten und überraschende Twists bekannt. Hier unterscheidet sich der zweite Teil schon immens vom Vorgänger. Wo in „Delta Force“ von 1986 noch als Team operiert wurde und die titelgebende Truppe als eingeschworene Einheit dargestellt wurde, liegt hier der Fokus ganz klar auf dem kultigen Hauptdarsteller und Norris wird hier mal wieder als unaufhaltsame Ein-Mann-Armee in Szene gesetzt. Das ist aber auch der einzige Schwachpunkt, den man „Delta Force 2“ ankreiden kann, denn obwohl er ein B-Actioner der generischen Sorte ist, ist er doch verdammt unterhaltsam geraten. Unmenschlich böse, südamerikanische Drogen-Gangster gehen eigentlich immer und so hat Col. McCoy ein geeignetes Feindbild zum niedermähen. Nach dem Vietcong in den „Missing in Action“-Filmen, Ostblock Terroristen in „Invasion U.S.A.“ oder arabisch fundamentalistischen Flugzeugentführern im ersten „Delta Force“ muss man sich ja mal umschauen was es noch so für böse Buben auf dem Planeten gibt, Abwechslung muss ja schließlich sein. Des Weiteren sieht der Film recht gut aus und macht um einiges mehr her als andere Cannon-Werke aus der Phase. Es wird gekickt, geboxt, geschossen und gesprengt, somit kommt jeder Fan durchaus auf seine Kosten. Die Action-Szenen sind durchaus gelungen und die Effekte kommen wuchtig rüber. Auch der Schauplatz des fiktiven San Carlos, was eigentlich Kolumbien darstellen soll, gibt einiges her und trägt viel zur plakativen Action-Gaudi bei. Besonders im Finale in dem Norris mit einem Auto durch Wald und Wiesen brettert und dabei aus allen Rohren gefeuert wird ist rasant und spektakulär und sieht bei weitem besser aus, als das man sonst von einem Cannon-Spätwerk erwarten würde.

Weniger ansprechend, als das optische, ist wieder einmal der glorreiche US-Patriotismus mit dem hier um sich geworfen wird. Amerika ist mal wieder die Weltpolizei, die natürlich wie es ihr beliebt in einem fremden Land alles in Schutt und Asche legen kann. Besonders deutlich und total überzogen wirkt das bei General Taylor, Norris‘ Kumpane und Leiter der Spezialeinheit, der mit reaktionären Sprüchen und diebischer Freude in San Carlos einfällt, um alles weg zu bomben, während Norris standesgemäß die mondäne Villa des Bösewichts auseinander nimmt. Aber mein Gott, das ist ein Chuck Norris Streifen, da muss der Patriotismus aus jeder Pore triefen. Das spiegelt sich auch im Soundtrack wieder, der mit heroischen Klängen, Pauken und Trompeten das Ganze passend untermalt. Unser Hauptdarsteller verzichtet natürlich auf jegliche Mimik und knüppelt sich mit starrem Gesichtsausdruck durch die feindlichen Reihen, aber man erwartet ja auch nichts anderes bei dem ehemaligen TV-Ranger. Hier zählen andere Attribute als glänzendes Schauspiel. Dafür rockt die Nebenbesetzung. „The Untouchables“-Fiesling Billy Drago liefert eine hervorragende Performance als Schurke Ramon Cota ab. Der B-Darsteller ist so fies, dass man ihm als Zuschauer wirklich den schlimmsten Tod wünscht. Drago gibt hier mit Bravour die Drecksau und es macht Spaß ihm zu zusehen. Auch John P. Ryan macht als General Taylor, wie schon erwähnt, ordentlich Spaß und seine Darbietung hinterlässt ein dickes Grinsen beim Zuschauer. Auch findet man Schauspiel Veteran Richard Jaeckel im Cast, der hier als DEA Agent zu sehen ist, beachtlich mit 64 Jahren. Der Rest spielt durchaus solide und Ausfälle bekommt man hier auch nicht. Regie hat hier übrigens Chucks Bruder Aaron Norris geführt, nach „Missing in Action 3“ seine zweite Regiearbeit mit seinem berühmten Bruder in der Hauptrolle. Der zeigt dass er durchaus unterhaltsame B-Kost servieren kann und inszeniert schnörkelloses Futter für Videothekenaction-Fans. Chuck selber ist aus irgendwelchen Gründen mit dem fertigen Film nie richtig zufrieden gewesen, was ich gar nicht verstehen kann, gehört er doch, in meinen Augen, zu den besseren Werken des Action-Stars.

„Delta Force 2“ ist unterhaltsames Actionkino aus den noch zuckenden Überresten der kultigen Cannon-Company. Ein knallharter Chuck Norris, ein genialer Bösewicht und ansprechende Schauwerte machen aus dem Sequel einen zünftigen Reißer, den man sich als Fan des Genres ohne Probleme angucken kann, da man durchgängig gut unterhalten wird. Definitiv einer der guten Vehikel der wortkargen Kampfmaschine. Was anderes dürfte ich auch gar nicht schreiben, da Chuck sonst das Raum/Zeit Kontinuum verschiebt, plötzlich neben mir steht und mich in Stücke reißt.