Der alte Mann und das Meer (1958)

Inhalt:

Der alte Fischer Santiago (Spencer Tracy) hat für ein sehr lange Zeit nichts mehr gefischt. Auch sein kleiner Helfer Manolin (Felipe Pazos) wird von seinen Eltern zu anderen Fischern geschickt. Santiago sticht nach 85 Tagen ohne Erfolg wieder in See. Und irgendwann passiert es tatsächlich: ein Marlin beißt an. Ein Kampf auf Leben und Tod entbrennt. Santiago gewinnt. Aber nun folgt die Rückkehr. Und Santiago ist allein mit sich und den Naturgewalten. Wird er es schaffen den Marlin wieder in den Heimathafen zu bringen?

Filmisches Feedback:

Großartig gespielt, aber mit Schwächen

So sehr mein Herz auch für bestimmte Klassiker schlägt, so sehr ich auch gerne Filme sehe, die von ihrer Wirkungsweise einzigartig sind, so sehr hadere ich mit diesem Film. Vielleicht liegt das daran, dass das Buch welches ich gelesen hatte mir eine andere Vorstellung gab wie es auszusehen hat. Aber hier liegt ja das generelle Problem einer Literaturverfilmung, egal welchem Genre: es sind eben zwei unterschiedliche Medien. Ergo sind es auch unterschiedliche Herangehensweisen in der Betrachtung des Erzählten. Was man liest und sich vorstellt ist grundlegend anders als das was man sieht. Man muss stets differenzieren was Verfilmungen anbelangt.

So hatte ich dieses Mal eine andere Vorstellung des Gezeigten. Das lag aber nicht an den Darstellern der Verfilmung. Die sind großartig. Spencer Tracy spielt hier seine wohl beste Rolle. Auch wenn Hemingway dies nicht so sah und die Figur anders gesehen hat, so steht und fällt dieser Film mit der Darstellung von Spencer Tracy. Seine Darstellung eines einsamen, mit sich und der Natur im Kampf befindenden alten Mann, der seine Seele versucht zu finden im Strom der allgegenwärtigen Vergänglichkeit und verletzt und gleichzeitig gestärkt aus diesem Dilemma hervorgeht, ist von so tragischer Intensität, dass man ihm die Pein wirklich abnimmt.

Auch die Naturaufnahmen sind, für damalige Verhältnisse, sehr schön gelungen. Was den Film aber fehlt, ist das Blut den solch ein Kraftakt vom Film trägt. Es ist fast so, als ob dem Film das Herz fehlt. Er wirkt seltsam nichtssagend. Über weite Strecken ist der Film ohne innere Kraft inszeniert. Nur Spencer Tracy rettet diese Szenen. Nun gut, was soll man auch großartiges zeigen in knapp 1 1/ 2 Stunden mit einem Mann allein auf offener See. Heutige Filme versuchen das selbstredend auch und haben auch jetzt die technischen Möglichkeiten mehr zu zeigen um das actionverwöhnte Herz des Publikums ansatzweise zu stillen (wie z.B. CAST AWAY oder ALL IS LOST). Und ich bin auch kein Bevorzuger dieser Art von isolatorischer Inszenierung, aber mir fehlte hier die Kraft des Buches in der Umschreibung der inneren Auseinandersetzung mit der Natur.

Nicht falsch verstehen, es ist nach wie vor ein grandioser Film, betrachtet von der schauspielerischen Seite. Nur fehlt es  an Überzeugung bezüglich der Inszenierung. Es wirkte wie ein langsames Theaterstück auf hoher See ohne Applaus.