Der Clou (1973)

Inhalt:

Chicago in den 1930er Jahren. Der Trickbetrüger Hooker (Robert Redford) und sein Freund und Kollege Luther (Robert Earl Jones) erleichtern einen Mann namens Mottola um eine Ordentliche Stange Geld. Mottola war ein Laufbursche des Gangsterbosses Lonnegan (Robert Shaw). Dieser lässt Luther ermorden. Kurz vor seinen Tod rät Luther Hooker seinen ehemaligen Partner Gondorff (Paul Newman) aufzusuchen. Beide schmieden zusammen einen Plan um Lonnegan durch ein fingiertes Wettbüro für Pferderennen noch mehr Geld zu ergaunern. Wie dieser Plan aussieht und wie er verläuft darf man hier nicht verraten. Man muss es gesehen haben.

Filmisches Feedback:

Ein  raffiniertes und intelligentes Stück Kinomagie

Rache. Wenn man heute einen Film im Kino sieht, der das Thema Rache als Inhalt hat, dann ist man ziemlich sicher in einem Film, der entweder in den Bereich „Action“ oder „Thriller“ oder beides gehört. Oder in einem blutigen Horrorstreifen. Oder Jason Statham wütet überall rum. Natürlich gab es auch schon zu früheren Zeiten Rachefilme, die nicht grade zaghaft mit der Thematik umgingen. So z.B. „Ein Mann sieht rot“ oder auch „Rambo 2 – Der Auftrag“. Rache ist ein beliebtes Thema in der Filmwelt. Und die gab es schon lange. Selbst in der Ur-Frankensteinverfilmung kommen Racheszenen vor. Grade als die Einwohner des Dorfes jagt auf Frankensteins Kreatur machen. Rache ist ein tief sitzendes, animalisch-menschliches Mittel zum Zweck. Nicht nett und ethisch sehr zweifelbar.

Umso mehr ist es ja der Fall, dass Rache sehr häufig, wenn nicht gar die Regel, blutig und brutal abläuft. Der Mensch als Tier eben. Umso erstaunlicher ist es, dass dieser Film im Grunde komplett ohne Brutalität auskommt. Lediglich das Opfer am Anfang (welcher der Dreh und Angelpunkt der Protagonisten sind) wird ermordet. Und das auch nicht sonderlich brutal (obwohl grade zu der im Film spielenden Zeit sich so einiges an Brutalität ereignet hat). Der Rachefilm der sich dann entwickelt, ist so hervorragend inszeniert und so brillant gespielt, dass jeder Spoiler ein Affront gegen den Film als magischen Ort ist. Ja, die ist ein Rachefilm. Aber einer der intelligentesten die jemals gedreht worden ist.

Hier wird einer Figur die kein guter Charakter ist (zumindestens scheint es so) in einer kongenialen Art und Weise sein Leben zunichte gemacht. Ohne das dieser dabei umkommt. Aber mehr Schmerzen bereitet ihn der Verlust seines Egos, seines Geldes, seines Stolzes. Und das liegt ihm schwerer als den Verlust des eigenen Lebens. Und wie dieser Verlust vonstattengeht, wie sich der Plan entwickelt, wie dies geschieht, ist von einer unglaublichen, überraschenden und intensiven Beobachtung der Szenerie. George Roy Hill trommelte sein Team aus „Zwei Banditen“ zusammen und drehte einen Film der uns verzaubert.

Eben weil er uns hinters Licht führt und nicht nur uns, den Zuschauer. Und hier liegt das magische. Der Film ist herrlich gedreht, mit gewieften Tricks, mit kleinen Kameraschwenks, andeutungsvollen Schnitten, augenzwinkernden Schauspielern und einem Drehbuch (von David S. Ward, dem späteren Regisseur und Autoren von „Die Indianer von Cleveland“ und Oscargewinner für diesen Film), welches die Kinomagie der Überraschung wieder zurück ins Kino holte. Und das ist ein großer Verdienst dieses Films.

Er erzählt nicht nur eine grandiose Geschichte über das Überleben in einer depressiven Zeit, indem der Mensch immer an das glauben muss was er möchte um zu überleben, sondern es ist auch ein Film, der uns, dem Zuschauer die Magie des Kinoerlebens wieder begreifbar macht. Kino soll verzaubern und berühren, es soll Emotionen erwecken und uns im Geiste anregen (wie das ausfällt sei jedem selbst überlassen). Und genau das gibt uns der Film wieder. Es ist eine Reflexion der Kinolust und gleichzeitig eine Zelebration des Kinos in seiner reinsten Form. Der Film ist so professionell inszeniert, dass es gar nicht auffällt wie professionell er ist.

Obwohl der Film aus der Zeit des „New Hollywood“ stammt, indem viel neues geschah in der filmischen und inhaltlichen Inszenierung, wo sich vieles gesellschaftliche und politische wiederspiegelt in den Filmen, so ist dieser Film eine kleine Rückbesinnung auf gutes, altes Erzählkino mit neuem Mitteln. Und eben weil es in der Zeit viele Filme gab die mit den Konventionen brachen, so ist dieser Film auch einer, der dieses filmische Erzählen alter Schule versucht wieder aufleben zu lassen. Es ist quasi eine Wiederbelebung alter Kinomythen mit den gestalterischen Mitteln der 70er Jahre. Und das verdammt gut. Aber der Film wäre nichts, aber auch gar nichts ohne seine Schauspieler.

Angefangen von Robert Redford, der den Gerechtigkeitsfanatiker als Jungspund par Excellence spielt, über meinen persönlichen Liebling Paule Neumann, der seine blauen Augen so verdammt gekonnt einsetzt, von Robert Shaw, der so muffelig und grummelig ist das es eine wahre Freude ist, von Dana „MacGyver“ Elcar (Ruhe er in Frieden) und Harold Gould, der perfekt den snobistisch-wirkenden Gigolo spielt bis hin zu Robert Earl Jones (ja richtig ist der Vater von James Earl Jones) als Luther, der das ganze Geschehen ja ins Rollen bringt. Ob der Film seine 7 Oscars verdient hat sei mal dahingestellt (schließlich waren noch „Der Exorzist“, „Das letzte Kommando“, „American Graffiti“ und was weiß ich nicht noch alles im Angebot), aber vielleicht grade weil der Film eine Rückbesinnung auf alte Zeiten ist hat er diese bekommen.
Nach wie vor weiß der Film zu überraschen. Und das macht einen grandiosen Film aus: Zeitlosigkeit