Der Duft der Frauen

“Der Duft der Frauen” (1992)

One-Man-Humanisten-Show“ die etwas zu lang geraten ist

Gut, jeder weiß, dass Pacino hierfür seinen bisher einzigen Oscar bekommen hat. Der Film ist nunmehr knapp 24 Jahre alt und hat nichts von seiner Faszination verloren. Und das liegt einzig und allein an dem genialen Spiel von Pacino. Ohne Frage, denn die Geschichte als solches trieft nur so von humanistischem Pathos. Aber das ist in Ordnung, ist dies doch ein Film, der ganz ohne spannungsaufgeladenen Brimborium auskommt und einzig und allein von seinen Schauspielern lebt. Pacino ist die „One-Man“-Show. Ohne ihn kein Film. Ob er zu recht den Oscar dafür bekam, oder ob er überfällig war kann man drüber diskutieren (schließlich hatte er in den 70ern die Rollen gespielt die ihn prägten. Sei es „Der Pate“ oder „Serpico“). Nun ja egal, er hat ihn. Aber dies wäre kein guter Schauspielerfilm ohne zwei weiteren Faktoren: den anderen Schauspielern und die Regie. Kommen wir zunächst zur Regie. Martin Brest, der solche Filme drehte wie „Beverly Hills Cop“ oder „Midnight Run“ kann durchaus beides: intelligentes Actionkino und Schauspielfilm. Hier kombiniert er durchaus beides. Auch wenn die Action hier eher zwischen den Interaktionen der Schauspieler zu finden ist. Und zum Anderen die erwähnten anderen Schauspieler. Allesamt spielen hier gut mit und unterstützen Pacino in seinen Alleingang. Und da haben wir einige bekannte Gesichter von heutzutage in ihren frühen Rollen: Phillip Seymor Hoffman, Chris O´ Donnell oder auch Frances Conroy. Alle spielen hier beachtlich, wenn auch bedeckt um Pacino seine Bühne zu geben. So gesehen, sind alle Schauspieler hier im wahrsten Sinne des Wortes dieses Mal Nebendarsteller. Pacino ist das Haupt. Auch wenn das Original von 1974 (im Übrigen mit einen nicht weniger genial agierenden Vittorio Gassmann!!) in seiner Art radikaler ist, so bleibt den Film der Siegel des Humanismus übergestülpt. Es geht hier vornehmlich um ein lebenswertes Leben unter deprimierenden Umständen. Die humane Botschaft lautet: Auch wenn du momentan unter Umständen lebst, die dich runterziehen, so kannst du doch ein schönes Leben führen wenn du möchtest und etwas dafür tust. Eine Art „American Way of Life“ nur unter blinden Voraussetzungen. Auch wenn vieles sehr pathetisch daherkommt und übertrieben unlogisch ist (man siehe nur allein die Ferraritour) so ist der Film durchaus unterhaltsam. Es mangelt bloss ab und an Kurzweile. Da ist der Film einfach zu langgezogen. Weniger wäre da mehr. Aber immerhin ein kleines Feinod unter dem brachialen Hollywood. Und nun noch eine kleine Klugscheisserunde. Was haben dieser Film und „American Beauty“ gemeinsam? 1.) Den Komponisten (und das hört man auch) und 2.) Gabrielle Anwar ist die Tochter von Tariq Anwar, den Cutter von „American Beauty“, welches auch seine erste Oscarnominierung war (und die zweite für “The Kings Speech“ in 2010).