Der Gendarm fürs Leben – Louis und seine vielen Freunde

Der Gendarm fürs Leben

Nun ist die alte Garde der „Gendarmen“-Filme wieder vereint: Louis de Funes, Michel Galabru, Michel Modo, Guy Grosso, Jean Lefebvre, Christian Marin, Yves Vincent  und nun auch Claude Gensac (im Übrigen alle hier vorgestellt in der „Gesichter aus der zweiten Reihe“-Kategorie; auch France Rumilly). Man trauerte den großen Recken hinterher. Aber warum ist das eigentlich so? Was ist denn das Besondere an diesen Personen und den Filmen?

Ich denke, es ist so ähnlich wie bei den Spencer/ Hill-Streifen. Man verbindet mit diesen Filmen eine unbekümmerte Kindheit. Den Sonntagnachmittag, der dazu genutzt wurde mit der Familie zusammen einen Film zusehen. Und die „Gendarmen“-Filme liefen eben immer irgendwo. Es war die Zeit, bei dem man über die flachen Witze schmunzelte und erst später erkannte, wie gut platziert doch andere Gags waren. Man sah die Filme und glaubte sich gerne an einen sonnigen Ort in Frankreich und hoffte, man erblickte solch einen Gendarm. St. Tropez wurde zum Mekka der eingefleischten de Funes-Fans. Auch ich begab mich 2010 dorthin und freute mich wie wild vieles zu erblicken, was man aus seinen Lieblingsfilmen kannte. Natürlich nicht nur St. Tropez. Auch wurden viele andere Orte angefahren, die Drehorte von Filmen von ihm hatten. Und zwar nicht nur aus der „Gendarmen“-Reihe. Diese Filme sind eben eine Reise in die Unbekümmertheit, der Freude und der Einfachheit des Lebens. Zeitgleich waren sie auch eine zeitlose Zeitkoloritfahrt des Amüsements. Die 60er Jahre wurden ungeniert gezeigt und erfreuen sich noch heute großer Beliebtheit. Man konnte getrost seine Sorgen abgeben wenn man diese Filme sah. Und neben den Setting machten vor allen die Schauspieler vieles aus. Sicher war alles auf de Funes zugeschnitten. Aber kein Film konnte so gut sein ohne seine Nebendarsteller. Sei es Michel Galabru, als Vorgesetzter von de Funes, die vier Recken der Gendarmenwache Marin, Grosso, Lefebvre und Modo als witzige Figuren nebenan, Claude Gensac als Ehefrau von de Funes (und auch sonst war sie in vielen Filmen mit ihn zu sehen), France Rumilly als „Schwester Oberin“ mit ihren tollkühnen Fahrkünsten, Yves Vincent als Vorgesetzter der Gendarmen oder Genevieve Grad als Tochter von de Funes. Sie alle machten diese Filme aus. 6 Filme gibt es mit den Gendarmen. Alle unterschiedlicher Natur und unterschiedlicher Gagdichte. Aber alle in ihrer Gesamtheit wunderbar.

Lasst uns heute beginnen die Filme kurz etwas näher zu betrachten. Fangen wir an mit den Film, mit dem alles begann: „Der Gendarm von Saint Tropez“ (1964).

Die Geschichte ist eigentlich recht kurzweilig und schnell erzählt. Ludovic Cruchot, ein Pendant von einem Gendarmen wird von der Provinz nach Staint Tropez versetzt. Er und seine Tochter müssen zunächst mit den Flair der Stadt und seine Bewohner zurechtkommen. Die Tochter will natürlich der dortigen Jugend in nichts nachstehen und so erfindet sie einfach, dass ihr Vater ein Milliardär ist. Dumm nur, dass auf der Yacht des angeblichen Vaters ein geklauter Rembrandt schlummert. Und die Probleme sind vorprogrammiert.

Der Einstand der Truppe besticht durch seine wunderbaren Charaktere. Allesamt sind sie einzigartig und gehören doch zusammen. Auch wenn der fertiggestellte Film (zumindestens in Deutschland) nicht ganz zu sehen war (es wurden teilweise Szenen rausgeschnitten, so z.B. Traumsequenzen, die De Funes bei der Jagd nach Nazis im zweiten Weltkrieg zeigt), so ließ er kein Auge trocken. 1964 war der Film der größte Filmhit in Frankreich mit 7,8 Millionen Besuchern. In ganz Europa wurden es 36 Millionen Zuschauer. De Funes bekam als Gage 90.000 Franc (für den vierten Teil bekam er übrigens 2,5 Millionen Franc). Es ist der einzige Film der Reihe, der am Anfang und im generellen Schwarz/ Weiß-Bilder zeigte. Alles im Allen wurde er ein Riesenerfolg. Und das zu Recht. Gute Gags, eine sehr gute deutsche Synchronregie und Stimmen, ein schmissiges Drehbuch und wunderbare Orte. Was will man mehr.

Was bleibt sind die Erinnerungen. Und die hat man gerne. Möge man auch die weiteren Generationen stets daran erinnern, dass es noch Filme gab, die eine wunderbare Komik haben ohne lächerlich zu wirken.