Edgar Wallace: Der Gorilla von Soho (1968)

“Hallo, hier spricht Edgar Wallace Vol.8”

Als schon wieder ein toter älterer Herr aus der Themse gefischt wird, ist Inspektor David Perkins überzeugt, dass die Gorilla-Bande wieder aktiv ist. Auf einer Puppe, die man bei der Leiche findet, entdeckt man Schriftzeichen einer afrikanischen Sprache. Zusammen mit Sergeant Pepper und der Sprachenspezialistin Susan MacPherson beginnt die Suche nach dem Kopf der Bande.

 

Dass dem Produzententeam der Wallace-Reihe um Horst Wendlandt irgendwann die guten Ideen ausgingen, ist bekannt. Im Zuge der Farbfilmphase, begann die Serie sich immer weiter abzunutzen, da man sich auch immer weiter von den Vorlagen entfernte und man ein jüngeres Publikum ansprechen wollte. So drehten sie 1968 ein Remake des Erfolgsfilms „Die toten Augen von London“. Nicht die schlechteste Idee, gehört der Streifen doch zu den Klassikern des Franchise. Die Neuverfilmung „Der Gorilla von Soho“ allerdings, wird diesen Status nie erreichen, zu uninspiriert spult man hier klassische Versatzstücke ab und versinkt zunehmend im Pulp der späten 60er.

Eigentlich war ja etwas ganz anderes geplant. Da man die Geschichten für die Wallace-Filme mittlerweile sowieso frei erfand, erdachte sich Drehbuchautor Alex Berg eine ganz andere Story, als die, die wir im fertigen Film zu sehen bekommen. Dort ging es um Rohdiamanten, Teilnehmer einer ominösen Expedition und einen Gorilla, der Menschen tötet. Auch sollte Harald Philipp Regie führen, um etwas Abwechslung in die Reihe zu bringen. Das Ende vom Lied war jedoch folgendes: Die Umsetzung scheiterte. Die Kosten wären zu hoch gewesen und die Kulisse des Berliner Zoos konnte aufgrund einer nicht vorhandenen Drehgenehmigung nicht genutzt werden. Also schusterten Wendlandt und Stammregisseur Alfred Vohrer ein neues Drehbuch zusammen. Man nahm einfach das Skript zu „Die toten Augen von London“ und passte es an den Titel an. Unter Zeitdruck drehte man den Film prompt ab, denn „Rialto“ musste liefern. Diese Merkmale spürt man auch im Film, der äußerst unausgegoren wirkt. Zudem übernahm man viele Dialoge aus dem Ursprungsfilm wortwörtlich, was dem ganzen nicht unbedingt zu Gute kommt. Die Geschichte ist quasi dieselbe, nur das anstatt dem „blinden Jack“, diesmal ein Kerl als Gorilla verkleidet seine Opfer erwürgt. Das ist nicht nur etwas albern, sondern versprüht auch zu keiner Zeit den Grusel, den das Original innehatte. Da kann Alfred Vohrer noch so effektiv seine üblichen Handgriffe machen, wirklich gruselig ist das alles nicht. Zudem versuchte man krampfhaft das Element Sex einzubinden, was äußerst deplatziert wirkt und zu rein spekulativen Zwecken genutzt wird. Der Rest wirkt denkbar glanzlos. Alles folgt dem bekannten Schema und bietet keine Überraschungen. Wenigstens die Besetzung macht das etwas wett. Der spätere „Derrick“-Star Horst Tappert war hier, nach seinem Auftritt in „Der Hund von Blackwood Castle“, das erste Mal als Inspektor zu sehen. Die Rolle steht ihm, wie zu erwarten, relativ gut. Sein Sidekick ist hier Uwe Friedrichsen. Zusammen geben sie ein gutes Duo ab und haben die Zuschauer durchaus auf ihrer Seite. Die weibliche Hauptrolle verkörpert Uschi Glas. Die deutsche Aktrice war noch nie die beste Schauspielerin und auch hier gewinnt das „Schätzchen“ kaum Profil. Da konnte Karin Baal im Original von 1961 mehr überzeugen, zu blass ist Glas im vorliegenden Film. Der Rest des Ensembles besteht mit Albert Lieven, Ilse Pagé, Hubert von Meyernick oder Hilde Sessack aus bereits erpropten Wallace-Darstellern. Großes Highlight ist sicherlich Herbert Fux als schmieriger Ganove Sugar, quasi Flimmer-Fred aus dem Original, der hier hervorragend aufspielt und ein wahrer Genuss ist. An den Kinokassen konnte „Der Gorilla von Soho“ eben so wenig überzeugen. Die Fans blieben dem 27. Wallace-Film der „Rialto“ größtenteils fern, womit das langsame Ende der Reihe eingeleitet wurde. Man kann es ihnen nicht verübeln. Zudem bekam der Streifen keine guten Kritiken und gehört auch heute zu den unbeliebtesten Beiträgen, der Kult-Serie.

„Der Gorilla von Soho“ ist lediglich eine schnell runtergedrehte, uninspirierte und zusammen geklaute Neuverfilmung eines Wallace-Klassikers. Auch wenn die Besetzung durchaus etwas her macht, kann sie die fehlende Spannung und die nicht vorhandenen Überraschungen nicht kaschieren. Zudem verfällt man immer mehr in Richtung Pulp, aber bitte, nackte Titten machen es auch nicht besser. Alles in allem ein mäßiger Beitrag der Reihe, den man gucken kann aber nicht muss, da ist man mit den „Toten Augen von London“ wesentlich besser bedient.