Der Mann mit den Röntgenaugen (1963)

 

Dem Wissenschaftler Dr. James Xavier ist es gelungen mittels eines Serum in einem anderen Lichtspektrum sehen zu können. Bei einem Selbstversuch jedoch kommt es zur Katastrophe, er überdosiert die Probe und seine Augen beginnen sich zu verändern. Von nun an kann er durch die Menschen und Gegenstände wie ein Röntgenapparat hindurchsehen, doch da dieser Vorgang nicht mehr aufzuhalten ist, wird diese neue Sichtweise, die sich immer mehr verstärkt, schon bald zum Fluch…

Das Roger Corman für ungewöhnliche Filme bekannt ist, ist wohl für niemanden neu. Der Mann mit den Röntgenaugen ist wieder so ein Film, der etwas außergewöhnliches zu bieten hat, allerdings nicht wie die anderen vielen Corman-Filme wie ein B-Movie wirkt. Der Mann mit den Röntgenaugen ist vielleicht mit seinen Produktionskosten von gerade mal 250,000 US-Dollar nicht sein teuerster Film, aber die Geschichte an sich braucht auch auch kein all zu großes Budget, um sie interessant und originell zu erzählen – bis vielleicht auf die Szenen, wo gezeigt wird, wie alles nun aus der Sicht des Wissenschaftlers ausschaut.

 Ray Milland, den wir noch sehr gut aus Frogs – Killer aus dem Sumpf oder der Trashperle Der Mann mit den zwei Köpfen kennen spielt hier das Opfer seines eigenen Forscherdrangs und zeigt zwar auf unterhaltsame, aber auch dramatische Weise auf, dass die Wissenschaft ebenso Fluch wie ein Segen sein kann. Welcher Chirurg oder Arzt hat sich nicht schon mal gewünscht nach Bedarf in die Körper seiner Patienten schauen zu können, so wie er sie normaler Weise auch von außen sieht, um Diagnosen erstellen zu können? Die Idee bringt Roger Corman auf die Leinwand, doch es wäre langweilig, wenn nichts schief gehen würde.

 So muss der Wissenschaftler im Film auf schmerzhafte Weise erkennen, dass ein Röntgenblick auf Dauer nicht das ist, was man sich wünschen sollte. Menschen, die er nur als Skelette noch sehen kann beeinträchtigen zusehends seine Wahrnehmung der Realität und auch seine Psyche beginnt darunter zu leiden nichts mehr so erkennen zu können, wie er es gewohnt war. keine Schönheit, keine Formen und das Schlimme daran ist in diesem Szenario, dass selbst seine Freunde versuchen aus seinem Leid Kapital zu schlagen und dass der Prozess immer weiter fortschreitet, der letzten Endes die totale Erblindung zu Folge haben müsste. 

 Die Röntgensichtweise wurde von John Howard visualisiert, der allein nur für Der Mann mit den Röntgenaugen hinter den Kulissen für einen Film schöpferisches Talent beweisen konnte. Corman drehte zusammen mit Samuel Z. Arkoff, der 2001 in Kalifornien verstarb diesen Film, den man eigentlich schon mehr als intelligentes Drama mit Science Fiction-Elementen bezeichnen könnte, da er auch der Frage nachgeht, was mit dem Menschen passiert, wenn man ihm einen eigentlich als selbstverständlich genommenen Sinneseindruckes beraubt. Der Mann mit den Röntgenaugen ist somit nicht einfach nur ein Science Fiction-Filmchen, sondern auch ein Drama, dass sich mit vielerlei menschlichen Themen beschäftigt.

Was vielleicht Anfangs faszinierend erscheint, wird wenn man es nicht mehr aufhalten oder rückgängig machen kann beziehungsweise keine Kontrolle darüber hat, zu einem Alptraum. Zu dem darf man die psychologischen Aspekte eines solchen nicht außer acht lassen: werden die visuellen Sinneseindrücke so wie in Der Mann mit den Röntgenaugen derart deformiert und letzten Endes ausgeschaltet, sind Depressionen das kleinste Übel.  

 Dieses ganze bizarre, aber auch gar nicht so abwegig erscheinende Szenario wird von der Musik von Les Baxter begleitet, der auch schon für Frogs – Killer aus dem Sumpf die Musik machte und untermalt mit seinem düster wirkenden Sound die Dramatik in diesem Film. Das Der Mann mit den Röntgenaugen vielleicht ehr nur Genre-Fans bekannt ist, hat wohl auch damit zu tun, dass man Roger Corman eher in die Kategorie des B-Movies oder der Trashfilme einordnet und ihm nicht wirklich objektiv gegenüber steht und ihm auch einen recht “anspruchsvollen” Film zutraut beziehungsweise seinen Filmen eher Anspruchslosigkeit nachsagt. Wer sich den Film Der Mann mit den Röntgenaugen aber genauer anschaut, sieht dass dieser Film mehr ist als ein konfuser Science Fiction-Film, der irgendeine an den Haaren herbei gezogene unausgereifte Story erzählt.

Ich gehe sogar soweit zu sagen, dass Der Mann mit den Röntgenaugen Cormans bester Film ist, der durchaus weiß zu fesseln und dem Zuschauer auch nebenbei versucht etwas über Eigenverantwortung näher zu bringen. Leider gibt es in Deutschland den Film nur als Bootleg auf DVD, aber ich hoffe inständig, dass es bald eine offizielle Veröffentlichung in deutscher Sprache geben wird, da Der Mann mit den Röntgenaugen es verdient hat.

 

Wertung: 9/10 Punkten

Schreibe einen Kommentar