Der Mordanschlag (1987)

Der erfahrene Bodyguard Jay Killion darf nach einer mehrwöchigen Auszeit mit seiner Truppe nur den Schutz der First Lady übernehmen, obwohl ihm eigentlich der Präsident zustehen würde. Die ist leider eine sehr emanzipierte, renitente Frau, was sich nicht gerade positiv auf die Beziehung zwischen den beiden auswirkt. Als sie in das Visier eines Killers gerät, muss Killion seine ganze Erfahrung einsetzen, um das Leben der First Lady zu sichern.

 

Unter dem Dach der kultigen 80er B-Movie Schmiede „Cannon“ fanden so manche ausgedienten „Altstars“ einen Unterschlupf um unentwegt in Produktionen zu agieren. Auch Charles Bronson war in diesem Jahrzehnt fast schon Festangestellter in der filmischen Resteverwertung. Im 1987 erschienenen „Der Mordanschlag“ lässt Charles mal wieder die Kanonen sprechen und stolpert dabei durch einen etwas drögen B-Actioner, bei dem, und auch bei anderen Produktionen, der ergraute „Schauspieler“ besser nicht den Vertrag unterschrieben hätte.

Wenn man einen „Cannon-Film“ schaut erwartet man keine großen Sprünge, sondern schnörkelose „NoBrainer“, wie „Missing in Action“ oder „Enter the Ninja“ oder Trash Granaten, wie „America 3000“ oder „Masters oft he Universe“. Bei „Cannon“ wurde es selten langweilig. Doch was mich nie sonderlich begeistern konnte, waren die Klopper für die sich Charles Bronson in den 80ern hergab. Der markante Star ist mir nicht gänzlich unsympathisch, hat er doch in frühen Jahren in Filmen, wie „Das dreckige Dutzend“ oder „Gesprengte Ketten“ in profilierten Nebenrollen geglänzt. Spätestens mit seiner Kult-Rolle als schweigsamer Revolverheld mit der Mundharmonika, in Sergio Leones Meisterwerk „Spiel mir das Lied vom Tod“, mauserte sich Bronson zum neuen Star in Hollywood. Doch Anfang der 80er sank der Stern, Bronson war alt und verbraucht. Doch um nicht vollständig in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden, fand er bei der „Cannon Group“ sein zweifelhaftes Gnadenbrot. Aus dieser Zusammenarbeit resultierten klassische Haudrauf-Reißer, wie „Kinjite“, „Murphys Law“ und natürlich die, ideologisch eher zweifelhaften, „Death Wish“ Sequels, in denen der ergraute Oldie auch mal dem Gegner mit einer Bazooka aus 2 Metern Entfernung ins Gesicht schießt. Das war zwar alles ganz nett anzusehen, gut manchmal auch nicht, aber geil war es nie. Denn Charles Bronson war kein Actionheld, er war kein aufgepumpter Typ und konnte auch keine Kampfsportart. Dazu war er auch nie der beste Schauspieler. Diese Faktoren kennzeichnen seine Spätwerke ganz gut, denke ich. Auch bei „Der Mordanschlag“ erkennt man diese Erscheinungen ganz deutlich. Peter R. Hunt, der immer hin meinen Lieblingsbond „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ inszenierte spult hier gängige Klischees des Action-Thrillers ab.

Die Story ist ganz interessant und bietet durchaus Potential für einen spannenden Film. Nur wird dieses Potenzial nicht ausgeschöpft und der Streifen tritt sehr auf der Stelle und beschränkt sich eher darauf Action-Szenen aneinander zu reihen. Das kann durchaus unterhaltsam für so ein B-Movie sein, nur wenn man als Held einen lethargischen Opa hat, bei dem man die Stuntdoubles schon auf Metern Entfernung erkennen kann, dann bremst das den Spaß ganz deutlich. Ein paar Explosionen hier, ein paar Ballereien da, das wars. Den Szenen fehlt jegliche Dynamik, da Charles Bronson bei jeder Szene, in der er mehr leisten musste als Gehen auffällig gedoubelt wurde. Dadurch geht die Rasanz, die so ein Film haben sollte verloren und wenn man sonst nichts hat, bleibt nun mal nicht viel übrig. Die Verschwörungsstory plätschert vor sich hin und der Film wirkt eher wie Stückwerk. Wenn Bronson mit Bazooka rumballert, sieht das zwar ganz cool aus, jedoch ist das nüchtern betrachtet eher lächerlich. Regisseur Hunt macht derweil einen ganz soliden Job und findet einige stimmige Bilder, jedoch konnte der Brite wohl nicht mehr herausholen. Auch die Darsteller nudeln hölzern ihre Dialoge herunter und richtiges Schauspiel sucht man vergebens, ja ok ist ja auch ein „Cannon“-Film. Lediglich Jill Ireland macht ihre Sache ganz gut und harmoniert ansprechend mit Steingesicht Bronson, was auch nahe liegt, immerhin waren die beiden ja verheiratet. Der Hauptdarsteller selbst wirkt äußerst demotiviert, was auch offensichtlich ist, da es bekannt ist, dass Charles nicht sonderlich viel Lust auf die immer gleichen Action-Reißer hatte, tja wären da nicht die schönen Dollars. Zudem darf er auch hier seine Agentin vernaschen, was ähnlich wie bei den „Death Wish“-Filmen äußerst schwer zu glauben ist, dass junge, attraktive Frauen immer Sex mit dem rüstigen Action-Rentner haben wollen, vielleicht hatten die ja auch alle Vaterkomplexe. Ebenso unbeeindruckend ist der Score, der auch noch bei „Invasion U.S.A.“ geklaut ist. Das nenne ich mal vorbildliches Recycling!

„Der Mordanschlag“ von 1987 ist ein weiterer unbefriedigender Film aus den alten Tagen des Charles Bronson. Müde, lustlos und lethargisch schlurft der alte Haudrauf Greis durch eine Story, die weit hinter ihren Möglichkeiten zurückbleibt und sich darauf fokussiert, langsame und unspektakuläre Action-Szenen aneinander zu reihen. Kein Highlight im „Cannon“-Fundus und auch sonst ist der Streifen eher was für die Bronson-Groupies.