Der Schrecken vom Amazonas (1954)

Inhalt:

Dr. Reed, ein Ichthyologe, bereitet eine Expedition in den Amazonas vor nachdem eine Geologengruppe eine versteinerte Hand gefunden hat. Diese könnte ein Bindeglied zwischen Wasser- und Landlebewesen bedeuten. Im alten Lager Amazonas angekommen, findet man die dagebliebenen Expeditionsteilnehmer alle tot vor. Weil weitere Ausgrabungen kein Ergebnis bringen entschließt man sich weiter in die „schwarze Lagune“ zu fahren. Dort wird ein Kiemenmensch gesichtet. Dieser hat die Teilnehmer die ganze Zeit beobachtet. Nachdem er zwei von ihnen getötet hat wird er in einen Käfig gefangen gehalten. Später kann er aber fliehen. Die Expedition wird beendet und die Teilnehmer versuchen zu entkommen. Der Ausgang der Lagune ist versperrt und der Kiemenmensch greift wieder an. Hierbei entführt er eine Teilnehmerin. Als er angeschossen wird sinkt er vermeintlich tot in die Lagune.

Filmisches Feedback

Naiver B-Film-Grusler im genrebrechenden Format


Jack Arnold war ein Phänomen. Und zu wenig gewürdigt. Dies geschah erst Jahre später nach seinen Filmen und im Zuge der Hommagisierung seiner Filme und der Zeit in der er seine Filme drehte. Arnold drehte einige der wichtigsten Filme des SF-und Horrorfilmgenres. So sind die Filme „Tarantula“, „Gefahr aus dem Weltall“, “Die unglaubliche Geschichte des Mr. C.“ und eben jener Film hier, einige der herausragenden Streifen aus der Blütezeit des jungfräulichen SF/Horrorgenres und auch der Fantasie. Arnold schaffte es mit einfachsten Mitteln und wenig Budget das effektivste aus seiner Geschichte herauszuholen und schuf Filme, die thematisch vieles von den heutigen Filmen vorweg nahm. „Der Schrecken vom Amazonas“ ist solch ein Beispiel konsequenter Gestaltung mit wenigen Mitteln und dennoch fulminant in seinem Nachwirken. Wer immer die Szenen gesehen hat, bei dem das Monster unter Wasser eine Frau beobachtet und diese um schwimmt und gefährlich nahe kommt, der weiß auch woher Spielberg sich inspirieren ließ für seinen „weißen Hai“.

Die Unterwasseraufnahmen sind hier auch das brillanteste. Durch einen völlig neuen Blickwinkel der menschlichen Linse zu der Zeit erblickte man eine unbekannte Welt. Und wie so immer bei unbekannten Welten, hat der Mensch zunächst Angst davor. Und das machte sich Arnold zu Nutze. Er nahm die urmenschliche Angst des Unbekannten (hier die Tiefen des Wassers) und schnürte sie zusammen, sodass er Szenen drehte, die bis heute nachwirken. Unheilvoll und jederzeit zum zupacken schwimmt die Darstellerin Julie Adams durchs Wasser und wird von untern beobachtet. Verwirrt ob der Schönheit weiß der „Kiemenmensch“ nicht wie ihm geschieht. „King Kong“-like verliebt er sich in eine Schönheit die er nie erreichen kann ohne Angst in anderen auszulösen. Er wird gejagt und angeschossen. Der Mensch, der Normale, möchte keine abstoßenden Wesen um sich herum. Er will unter seinem Gleichen sein. Und so hat der Kiemenmensch keine Chance. Und rächt sich.

Es geht hier in diesen Film grundlegend also nicht um eine reine Monstergeschichte (obwohl sie dies ohne Zweifel ist), sondern es geht hier um Akzeptanz und Toleranz gegenüber jedem Lebewesen die nicht in die gesellschaftliche Norm passen. Wenn man diese Menschen ausstößt und blindlinks verabscheut, dann kommt es zu einer Spirale der Nichtannäherung. Nicht umsonst wählte Arnold die Figur des Kiemenmenschen mit menschlichen Zügen zu gestalten. Es sollte den Menschen ähneln, aber nicht zu sehr. So erhaschte man noch den Menschen im Monster aber eben nicht zu sehr um sich mit ihm zu identifizieren. Und doch tut man es. Ist nicht jeder schon mal von jemand nicht toleriert worden?

Arnold zieht aus dem Monströsen das Menschliche raus, welches jeder versteht und spielt damit. Das machte auch den Erfolg des Filmes aus. Wäre das Monster nicht menschlich gewesen, der Film wäre uninteressant. So aber schuf er inhaltlich und formal einen Wegbereiter. Ich hatte das Vergnügen und die Ehre beim 10. WoH im Jahre 2012 Ricou Browning in einer privaten Audienz (das Treffen hatte ich gewonnen) ihn auszuquetschen bezüglich der Arbeit zum Film und mit Jack Arnold. Obwohl er damals bereits 82 Jahre alt war sprudelte es nur so aus ihm raus und wir hatten eine tolle kurze Zeit. Dieses gemeinsame Treffen und natürlich die üblichen Erinnerungsfotos werde ich nie vergessen. Schließlich saß ich beim Kaffee und Kuchen zusammen mit den „Kiemenmenschen“. Dem Original. Und wer kann das schon von sich behaupten.