Der Schrecken vom Amazonas (1954)

 

In dem nahezu unerforschten Sümpfen des Amazonas macht eine Gruppe von Wissenschaftlern eine sensationelle Entdeckung. Ein Wesen, halb Mensch, halb Amphibie, das vielleicht den Beweis erbringt, dass eine parallel laufende Evolution des Menschen statt gefunden hat. Während der Homo Sapiens sich zum modernen Menschen entwickelte, ist allem Anschein nach bei diesem Wesen es so gelaufen, dass es sich wieder auf das Leben im Wasser spezialisiert hat. Und diese Sensation wollen die Forscher natürlich einfangen, um es besser und gründlicher studieren zu können, doch das ist gar nicht so einfach, da es sich bei diesem Wesen nicht einfach nur um ein plumpes Tier ohne Verstand handelt… es ist sogar noch so menschlich, dass es sich in die mitgereiste Verlobte des Biologen Reed verliebt und ihr nachstellt …

 Wenn man Der Schrecken von Amazonas näher betrachtet, fällt auf, das es gewisse Parallelen zu King Kong gibt, in dem ebenfalls ein nicht menschliches Wesen sich in eine Menschenfrau verliebt und versucht sie für sich zu beanspruchen und sich gegen die wendet, die versuchen die Menschenfrau aus der Gewalt des Tieres mit den Eigenschaften, die man eher dem Menschen zuspricht zu befreien.  Aber diese eigentlich recht einfache und naive Geschichte wurde durchaus spannend und in eindrucksvollen Bildern erzählt, was wir ja eigentlich beinahe schon von dem legendären Regisseur Jack Arnold auch so gewohnt sind.

 Jack Arnold, der wohl zu den bekanntesten Filmemachern des fantastischen Films der 1950er gehört und uns schon ein Jahr bevor Der Schrecken vom Amazonas in den Kinos anlief mit Gefahr aus dem Weltall ein ungewöhnliches und gruseliges Szenario eines Kontakts mit einer außerirdischen Kreatur präsentierte, schafft es auch in Der Schrecken vom Amazonas den Zuschauer in ein Abenteuer zu verwickeln, das bis heute einen gewissen Kultstatus besitzt. Vor allem zeichnet Arnolds Film über den Kiemenmenschen die Tatsache aus, dass sein Film nicht nur eine Gruselstory an sich ist, sondern sie auch mit einer gehörigen Portion Dramatik versehen wurde, die den Zuschauer auch zum nachdenken bringt.

 In Der Schrecken vom Amazonas ist es nicht unbedingt die Kreatur, die böse ist, vielmehr sind es die Menschen, die in seinen Lebensraum eindringen und das Wesen, was sie für so absonderbar halten, um jeden preis einfangen wollen. Typisch Mensch dabei ist noch, dass er nur sich selbst die Fähigkeit der Emotionen zuspricht und sich als die Krönung der Schöpfung sieht, die eben nicht den Respekt vor anderen Lebewesen und der Natur entgegenbringt, so wie sie es verdient. Im gewissen Sinne ist Der Schrecken vom Amazons auch eine Kritik an die Überheblichkeit des Menschen, der aber immer wieder erst auf schmerzhafte Weise versteht, dass alles was er tut, auch Konsequenzen nach sich sieht.

 Im Laufe des Filmes wird nämlich genau dieses dem Zuschauer auch klar, der irgendwann Mitleid mit dem Kiemenmenschen bekommt und sich verärgert fragt, warum die Menschen ihn nicht einfach in Ruhe gelassen haben. Heiligt die Sensationsgier  und der unbarmherzige Forschungsdrang jedes Mittel? Und trotz dieser unterschwelligen Kritik, fesselt Jack Arnold den Zuschauer, zieht ihn in den Bann des Geschehens und lässt ihn bis zum Schluss kaum zu Atem kommen. Mit seinem Film Der Schrecken vom Amazonas, der auf einer Geschichte des Autos Maurice Zimm basiert, der auch für Radio Geschichten machte und ebenfalls die Vorlagen zu einigen Folgen der damaligen aber heute auch noch bekannten Krimi-TV-Serie Perry Mason lieferte, gelingt Jack Arnold ein Riesenerfolg, der sogleich zwei Fortsetzungen nach sich trug, auf die ich aber in diesem Review nicht weiter eingehe (sondern erst in den Reviews für diese Filme selbst).

 Das Aussehen des Kiemenmenschen wurde von Milcent Patrick kreiert, die auch das Alien in Gefahr aus dem Weltall entworfen hatte und später auch dem Metaluna-Mutanten aus Metaluna 4 antwortet nicht seine Gestalt gab, der ihre letzte Kreaturenschöpfung für einen Film darstellte. Die teilweise sher eindringliche und dramatische Musik stammte unter anderem von Henry Mancini, der für viele der großen noch heute bekannten Grusel- und Science Fiction-Klassiker die Musik komponierte und einen mehr als nur wichtigen Beitrag zu den großartigen fantastischen Filmen der 1950er beitrug, die heute wie damals nichts an ihrer Faszination verloren haben.

 Gedreht wurde Der Schrecken vom Amazonas zwar in Kalifornien und Florida und auch das Budget von gerade einmal nur 1,300,000 US-Dollar, was damals natürlich mehr als heute war, änderte nichts an dem großen Erfolg und an der Authentizität des Klassikers um den Kiemenmenschen, wirkt alles doch recht glaubwürdig und vor allem interessant, auch gerade weil einige Unterwasser-Szenen im damals noch relativ neuem 3-D-Verfahren gedreht wurden. Obwohl einige Kritiker meinen, der Film sein im gewissen Maße naiv, so loben doch alle gemeinsam den Unterhaltungswert , den Der Schrecken vom Amazonas auf jeden Fall bietet und meiner Ansicht nach immer wieder aufs neue das Gruselfeeling der 1950er verspricht, das man ja heute so gar nicht mehr zu Gesicht bekommt. Natürlich wirken die Filme von damals heute nicht mehr so furchteinflössend, sind wir heute ja etwas ganz anderes gewohnt zu sehen und haben natürlich heute auch vor ganz anderen Dingen Angst wie die Leute damals, aber nicht umsonst gehört Der Schrecken vom Amazonas noch heute zu den bekanntesten Gruselfilmen der 1950er Jahre aus den USA.

 Ich kann Der Schrecken vom Amazonas jeden nur ans Herz legen, der die guten alten Klassiker mag und empfehle Klassiker-Fans sich unbedingt einer der vielen deutschsprachigen DVD-Veröffentlichungen von Universal zu besorgen, die auch recht günstig zu erwerben sind. Übrigens zeigte der deutsch-französische Gemeinschaftssender Arte Den Schrecken vom Amazonas 2010 erstmals in 3D, den man mit einer einfachen damals in vielen TV-Zeitschriften extra für den Film beigelegten 3D-Brille sehen konnte beziehungsweise sollte.

Fazit: Der Schrecken vom Amazonas ist ein Must-See und ein echter Klassiker…  

 Wertung: 10/10 Punkten

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