Der schwarze Leib der Tarantel (1971)

Retro-Film Giallo Series Vol.3

“Der schwarze Leib der Tarantel”
Italien 1971
mit Giancarlo Giannini, Barbara Bouchet, Claudine Auger…
Drehbuch: Marcello Danon, Lucile Laks
Regie: Paolo Cavara
Länge: 98 Minuten
FSK: ab 18 Jahren

Ein Psychopath ermordet kaltblütig die hübsche Maria, indem er sie mit Insektengift erst paralysiert und danach gekonnt ausweidet: das Grauenvolle ist, Maria muss bei vollen Bewusstsein aber bewegungslos ihrem eigenen Mord zusehen. Inspektor Tellini, noch neu in seiner Position, wird mit der Ermittlung beauftragt. Er verdächtigt ihren Ehemann Paolo, der sich auch sofort aus dem Staub macht. Schnell hat Tellini einen zweiten Mord im gleichen modus operandi auf dem Tisch, die Dame war im Drogenhandel tätig. Und es gibt weitere Opfer, Tellini selbst und seine Frau geraten ins Netz des Mörders – bis ihn die Spur endlich zu einer Massagepraxis und dem gnadenlosen Showdown führt…

 

Nachdem bereits Mario Bava mit “Blutige Seide” (1964) die Initialzündung für den Giallo lieferte, war es Dario Argento, der mit “Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe” (1969) das Genre entgültig in ungeahnte Höhen beförderte. Bevor wir uns nächste Woche mit dem Maestro Argento beschäftigen, gibt es heute einen Film, der im Fahrwasser schwimmt und von vielen als Klassiker angesehen wird. Ich kann dem nicht unbedingt beipflichten aber lest selbst, wie ich zu “Der schwarze Leib der Tarantel” (1971) stehe.

„The black Belly of he Tarantula“, wie der internationale Titel lautet, bedient sich von vorne bis hinten bei den gängigen Genre-Konventionen und lässt eigene Identität und Originalität vermissen, was nicht bedeutet das der Film schlecht ist. Paolo Cavara serviert uns einen klassischen Italo-Krimi, der zumindest mit einer fiesen Mordmethode aufwarten kann. Der, wie üblich, behandschuhte Killer lähmt seine Opfer mit Akupunkturnadeln, die dabei aber bei Bewusstsein bleiben, um sie danach obligatorisch mit dem Messer zu bearbeiten. Was sich ziemlich sleazy anhört, ist weit weniger drastisch, da sich der Film die Gore-Exzesse spart und bis auf wenige Einstellungen recht unblutig daherkommt. Warum der Streifen ein FSK 18 Siegel trägt, lässt sich aus meiner Sicht nicht wirklich ergründen. Trotzdem ist der Film relativ elegant inszeniert und bei weitem nicht so schmierig, wie andere Werke, wie zum Beispiel „Schön, nackt und liebestoll“ oder die Andrea Bianchi Granate „Nackt für den Killer“. Die Handlung bietet eine interessante Ausgangssituation, folgt aber nur den üblichen Mustern. Hier wird, wie schon angedeutet, das 1×1 des Giallos angewandt, inklusive unspektakulärer Aufklärung und einem auf die Schnelle herbeigedeutetes Motiv.

Der hier vorliegende Film besitzt eine ansprechende Kameraführung und kann durchaus Atmosphäre erzeugen. Szenen wie eine Verfolgungsjagd in luftigen Höhen oder eben die Mordsequenzen sind durchaus spannend gemacht, jedoch bietet „die Tarantel“ auch viel Leerlauf. Unsere Hauptfigur wird als amtsmüder Kommissar charakterisiert, der sich dem Fall nicht gewachsen fühlt, dem aber auch nichts anderes übrig bleibt, als den fiesen Akupunktur-Killer zur Strecke zu bringen. Was eine interessante Abwechslung zu den, sonst im Giallo üblichen, Personen, die ungewollt in die Story hineinrutschen, tut dem Film weniger gut. Unser Kommissar schlurft sehr unaufgeregt durch die Szenerie und als geneigter Italo-Fan wartet man vergeblich auf einen Kommissar in Gestalt eines Maurizio Merli, der mal etwas Druck in die Sache bringt. Giancarlo Giannini, der jüngerem Publikum durch seine Auftritte in den James Bond-Filmen „Casino Royale“ und „Ein Quantum Trost“ bekannt sein könnte, hat schwere Last den Film zu tragen, zu wenig Profil gewinnt er. Ebenfalls bemerkenswert ist der Auftritt einem inoffiziellen und zwei offiziellen Bond-Girls. Claudine Auger („Feuerball“), Barbara Bach („Der Spion, der mich liebte“) und Barbara Bouchet („Casino Royale“, der Klamauk von 1967) veredeln den Film mit ihrem, nicht absprechbaren Antlitz. Vor allem Bouchet darf, trotz kurzer Screentime, viel nackte Haut zeigen und somit den Erotik-Faktor anheben. Für den Score war niemand geringeres als Maestro Ennio Morricone verantwortlich, der zwar ein bezauberndes Main-Theme komponiert hat, welches zum Träumen einlädt, aber im Rest eher belanglos bleibt, denn der übrige Soundtrack ist eher frei von Hits. Dennoch hat „Der schwarze Leib der Tarantel“ durchaus seine Qualitäten, auch wenn ihm etwas die Rasanz und die Innovation fehlen. Leider nutzt er „nur“ die gängigen Blaupausen, obwohl durch Plot und die gelungene Inszenierung mehr drin gewesen wäre.

Paolo Cavaras Giallo „Der schwarze Leib der Tarantel“ ist ein netter Genre-Vertreter, der Fans durchaus zufrieden stellen kann. Elegante Inszenierung, nette Besetzung und ein perfide Killer bilden ja immer die Idealzutaten für das italienische Krimiallerlei. Doch mit einer eher müden Hauptfigur und den üblichen Klischees, die ohne Innovation oder Originalität daherkommen, versinkt der Film im weiten Sumpf der italienischen 70er Jahre Reißer. Da wäre mehr Potential verfügbar gewesen auch wenn der Film durchaus seine Qualitäten hat. Netter Giallo für zwischendurch, mehr aber auch nicht.