Der Unsichtbare (1933)

Dem Wissenschaftler Dr. Griffin ist es gelungen ein Mittel zu entwickeln, dass unsichtbar machen kann. Doch auch wenn sein Selbstversuch anfangs sich als Erfolg herausstellt, so hat das ganze einen Haken. Griffin kann den Effekt der Transparenz nicht wieder rückgängig machen. Doch es kommt noch schlimmer, denn als er in einem abgelegenen Dorf in einem Gasthaus versucht in Ruhe an einem Gegenmittel zu arbeiten wird er stets von seinen Mitmenschen gestört und seine Arbeit zu Nichte gemacht. Frustriert darüber beginnt er aggressiv zu werden. Als die Polizei ihn wegen Körperverletzung festnehmen will hat er die Nase voll und rastet aus. Erst jetzt erkennt er aber den Vorteil was Unsichtbarkeit bedeuten kann und verfällt dem Größenwahn… er will die Welt beherrschen und um seine Macht zu demonstrieren, Terror und Schrecken verbreiten …

 Noch heute in der modernen Zeit ist es den Wissenschaftlern nur auf mikroskopischer Ebene gelungen, das Licht so zu brechen, dass sie für den Betrachter unsichtbar erscheinen. Was das bedeuten würde, sollte man gar einen Menschen diese Fähigkeit zu erlangen ist eigentlich nicht wirklich abzuschätzen. Ein militärischer Zweck würde dem Staat, der über diese Technologie verfügt einen ungeahnten Vorteil verschaffen, aber wer sagt einem, dass diese Technologie nur zur Bekämpfung von Terrorismus oder Verbrechen oder eben in militärischen Auseinandersetzungen eingesetzt werden würde? Was hielte einen Staat davon ab seine Bürger zu bespitzeln, zu überwachen?  Gar nicht auszudenken, was geschieht, sollte diese Technologie in die Hände von Kriminellen fallen oder eines Einzelnen, der als Der Unischbare den Verstand verliert…

Der Unsichtbare beschäftigt sich aber eher im kleinem Stil mit diesen Fragen. Was passiert, wenn nur ein Mensch diese Fähigkeit erlangt? Wer er sie zum Wohle seiner Mitmenschen einsetzen? Die Frage kann wohl jeder Realist mit einem klaren Nein beantworten. Zu verlockend ist es dieses Unsichtbarkeit für eigene egoistische Ziele zu missbrauchen, um sich unbemerkt Geld zu verschaffen oder den Leuten einen bösen Streich zu spielen, die man nicht mag. Sollte man es erst realisieren, dass es für einen selbst keine Regeln mehr gibt, so liegt es in der menschlichen Natur die einstigen moralischen Werte und Grenzen gänzlich über Bord zu werden und sich völlig hemmungslos in der Unsichtbarkeit auszutoben, was auch in Der Unsichtbare sehr gut und realistisch veranschaulicht wird, 

Auch in dem Film Der Unsichtbare des Regisseurs James Whale, der nur zwei Jahre zuvor im Jahre 1931 Frankenstein mit Boris Karloff als das Monster in die Kinos brachte, nahm sich diesem Gedankenspiel an und ließ sich durch die  Buchvorlage von H.G. Wells inspirieren und schuf dabei wohl einen der wohl bis Datum ungewöhnlichsten Film-Monster, die nicht mit den bisherigen wie dem Vampir Graf Dracula, dem eben gerade erwähnten Monster von dem Wissenschaftler Dr. Frankenstein, dem bei Vollmond sich in eine blutrünstige Bestie verwandelnden Werwolf oder der Mumie, einem untoten Pharao nicht einordnen ließ. 

Der Unsichtbare ist zwar ein Mensch, der aber zu einem Monster wird, da ihm jegliche Moralvorstellung abhanden kommt, die den Menschen zu einem zivilisierten sozialen Wesen macht. Es sind nicht unbedingt die Bandagen, die dunkle Sonnenbrille, die die Leere dahinter verdecken – auch wenn es ein ungewöhnliches vielleicht auch unheimliches Bild darstellen mag, die den Unsichtbaren zu einem der bekanntesten Film-Monster macht, sondern was die Unsichtbarkeit aus dem einstigen friedfertigen Wissenschaftler macht, der sich dem Wohl der Menschen verpflichtet fühlte. Frust und auch die ständige Neugier der Mitmenschen, Ablehnung und auch Sensationsgier sind Faktoren, wie so der Wissenschaftler als Der Unsichtbare beginnt sich rächen zu wollen. 

Das Grauen ist es nicht nur, wenn Der Unsichtbare seine Sonnenbrille ablegt und den Verband abwickelt und darunter die bizarre Leere, die zum Vorschein kommt, was ja schon allein unheimlich anmutet, viel erschreckender ist die Tatsache, dass der Unsichtbare jeder Zeit am jeden Ort überall sein kann, ohne das man es vielleicht bemerkt, Dazu kommt noch die entsetzliche Vorstellung, was wäre wenn derjenige den niemand sehen kann einem nicht wohl gesonnen wäre. Ein Missetäter, der jederzeit unerwartet zuschlagen könnte. Man wüsste nie, ob man wirklich alleine wäre, ob er einen nicht lüsternd grinsend zuschaut, wenn man nackt unter der Dusche steht oder in andere intime Bereiche des Lebens eindringt. Der Unsichtbare hat tatsächlich eine ungeheure Macht, die wenn er wahnsinnig wird großen Schrecken verursachen könnte.

Und obwohl Der Unsichtbare noch vor dem Ausbruch des zweiten Weltkrieges gedreht wurde, also Anfang der 1930ern in  denen das Kino bzw. der Film immer noch eher in den Kinderschuhen steckte, so sind die Spezial Effekte einfach nur großartig, Als Der Unsichtbare die Bandagen vom Kopfe reißt und einem nur unheimliche Leere entgegen starrt, gehört zu einem der großen Szenen im Film, die sozusagen die Anfänge der Green Screen-Technik und Rückblende bedeutete, da man den Schauspieler erst vor einem schwarzen Hintergrund filmte und dann diese Szene über die eine andere abgedrehte legte, so dass der Eindruck entstand es würde sich nur um eine einzige Aufnahme handeln. Und diese Illusion ist perfekt und kann sich mit den heutigen am Computer generierten Effekten durchaus messen. 

Meiner Ansicht nach wird aber immer gerne eines vergessen in den Filmen und das wurde einmal herrlich ironisch in einer Folge der beliebten TV-Serie Akte X – Die unheimlichen Fälle des FBI beschrieben. Da man ja für die anderen nicht sichtbar ist, so besteht doch auch die Gefahr dass Der Unsichtbare aus Unaufmerksamkeit überfahren werden oder einem anderen Unglück zum Opfer zu fallen kann. Unsichtbarkeit kann ja nicht nur Vorteile sondern auch Nachteile für die eigene Sicherheit bedeuten. Aber ich denke, solche Fragen sollte man eh nicht bei einem Spielfilm, insbesondere nicht bei einem Sci-Fi-Horror-Klassiker wie Der Unsichtbare stellen, sondern in einfach nur genießen. 

Der Film Der Unsichtbare wurde ein großer Erfolg und so kamen in den 1940ern zwei Fortsetzungen heraus, sowie wurde das Thema der Unsichtbarkeit auch in vielen anderen Filmen späterer Jahrzehnte aufgegriffen, wie zum Beispiel in Predator mit Arnold Schwarzenegger, John Carpenters Jagd auf einen Unsichtbaren oder Hollow Man mit Kevin Bacon, der diesem Film von 1933 noch am nächsten kommt, da er sich auch mit moralischen und ethischen Fragen auseinander setzt und einigen anderen Filmen noch. Das Thema faszinierte über Generationen hinweg und wird es wohl auch weiterhin noch tun.

Wer Lust auf den Film Der Unsichtbare bekommen hat und auch sich auch nicht von seinen Vorurteilen, die er vielleicht hat, weil es sich um einen Film aus den Anfängen großer Kinokunst handelt, beeinflussen lässt, kann den Film recht preisgünstig auf DVD oder BluRay von Universal erwerben. Meiner Ansicht nach wird man einen solchen Kauf in keinster Weise bereuen, da Der Unsichtbare auch wenn er aus den 1930ern ist so genial und perfekt gemacht ist, das man ihn für einen Film aus den 1960ern halten könnte, wäre er nicht in schwarzweiß, was aber seine bizarre surreale Atmosphäre zerstören würde.

Wertung: 10/10 Punkten