Der weiße Hai

 Yeah, heute gibt es mal eine Rezension zu einem bekannteren und erfolgreicheren Film hier bei retro-film.info, denn Der weiße Hai von Steven Spielberg – Regisseur zahlreicher erfolgreicher Filme unterschiedlicher Genres, auf die ich hier nicht näher eingehen werde -, läutete 1975 den sogenannten Sommerblockbuster ein; war er doch in diesem Jahr der erfolgreichste Film. US-Kinostart war der 20. Juni 1975, in – damals noch – West-Deutschland wurde Der weiße Hai erst am 18. Dezember des gleichen Jahres veröffentlicht. 

Wenn man es genau nimmt, ist Der weiße Hai, was die Grundidee betrifft, recht primitiv und zielt auf die niederen Instinkte des Zuschauer ab, aber genau das ist das Erfolgsrezept des Films: Die meisten Leute haben sich diesen Film nur deshalb angesehen, weil sie sich gruseln und mit einen guten Gefühl das Kino verlassen wollten (oder sie wollten lachen ^^). Der weiße Hai kann somit, trotz des Terrors und des Schreckens, der darin verbreitet wird, als „Wohlfühlfilm“ oder „Feel good Movie“ bezeichnet werden, ist man an Ende doch froh, dass das böse Monster am Schluss spektakulär platt gemacht wurde. (Das arme Tier. ^^) Dennoch überzeugt Der weiße Hai in seiner Inszenierung und dem schauspielerischen Können der Besetzung. Der Film wird regelrecht getragen und vorangetrieben von Roy Scheider, Richard Dreyfuss und vor allem von Robert Shaw. Mit dem Narbengesicht und den anstößigen Sprüchen, die er in Der Weiße Hai zum besten gibt, wirkt er wie ein sympathisches Monster. Auch klasse ist Richard Dreyfuss als Hai-Experte. Richard Dryfuss hat zuerst nicht mitspielen wollen, als man ihn die Rolle anbot und sagte, er schaue sich das Ergebnis lieber im Kino an. Aber letztendlich konnte man ihm, mit welchen Argument auch immer, davon überzeugen, in diesem Werk mitzuspielen. Roy Scheider überzeugt als Sheriff von außerhalb, der noch nicht so recht in der Gemeinde, wohin er versetzt wurde, aufgenommen wurde und mutiert im Verlauf des Films zur Kampfmaschine, denn ist es letztendlich er, der den Hai zur Strecke bringt. 

Die eigentliche Bedrohung, der Hai, ist im Film erst in der zweiten Hälfte zu sehen. Zuvor existiert das Monster nur in den Köpfen der Zuschauer. Aber ab den Punkt, wo der weiße Hai zum ersten Mal zu sehen ist, gibt der Film mal so richtig Gas und man hat so gut wie keine Zeit, um mal zwischendurch Luft zu holen. Natürlich gibt es in dieser Phase den sogenannten „Tiefpunkt“, den jeder gute Film haben sollte, aber der wird an genau der Stelle unterbrochen, wo man es am wenigsten erwartet. Und der Film hält sein Tempo bis zum Schluss.

Als Hai baute man aus Pappmaché eine Attrappe, die die Filmemacher „Bruce“ tauften, und ihr könnt mich jetzt totschlagen, aber ich meine, es wurde zwei von den Dingern gebaut: Eine, die nach rechts schwimmen konnte und eine, die nach links schwimmen konnte. Und gab es nicht auch eine Attrappe, die geradeaus schwimmen konnte? Ganz ehrlich, ich bin davon überzeugt, dass ich das mal irgendwo gehört oder gelesen habe. Im Wikipedia-Eintrag steht nix davon. Nun gut. Auf jeden Fall kamen auch in machen Szenen echte Hai zum Einsatz, die allerdings nicht so groß waren wie „Bruce“, stattdessen wurde die Kulissen drumherum verkleinert.

Die Musik von John Williams ist in die Filmgeschichte eingegangen, aber wenn man es genau betrachtet, besteht sie im Grunde nur aus zwei Noten. Und auch das ist ein Beweis, dass Der weiße Hai ein recht simpler Film ist, der keine pompöse Symphonie braucht, um exzellent zu unterhalten.

In Der weiße Hai wird mindestens gegen zwei Hollywood-Regeln verstoßen: Der Hai frisst als erstes einen Hund (ganz schlimm! 😀 ) und danach ein Kind (weniger schlimm *hust* 😀 ). Normalerweise sehen die Studiobosse so was nicht gern, wenn Hunde (schon wieder an erster Stelle ^^) und Kinder in einer Filmhandlung in Mitleidenschaft gezogen werden. Das gilt als Kassengift. Aber wie man sieht, ist Der weiße Hai eine von inzwischen recht zahlreichen Ausnahmen.

Der weiße Hai basiert auf den Roman “Jaws” (so auch der Originaltitel des Films) von Peter Benchley, und damit darf sich der Film neben Action- und Horrorfilm auch noch Literaturverfilmung nennen. ^^

Interessant finde ich den deutschen Titel von “Jaws”: Der weiße Hai! In Anbetracht dessen, dass im Film nun mal ein weißer Hai sein Unwesen treibt, sicherlich die logischste Wahl. Und mal ganz ehrlich: Hätte man einen Film für ernst genommen, der auf deutsch “Maul” oder “Beißer”, vielleicht auch “Kiefer” heißt? Oder einfach nur „Hai“? ^^ Na ja, im englischen funktioniert so was anscheinend. In Schweden heißt Der weiße Hai übrigens „Hajen“. Wollte ich mal so erwähnt haben, so als Kenner der schwedischen Filmszene, und auch deshalb, damit ihr mehr zu lesen habt. Toll, nicht wahr? ^^

Weil der Film Der weiße Hai sehr erfolgreich war, blieb es nicht aus, davon eine Fortsetzung zu drehen. Leider blieb es nicht bei einer, nein, gleich drei entstanden bis 1987, Teil 3, der 1983 entstand, wurde sogar in 3D gedreht. Und alle gehören in meinen Augen in die filmische Sondermülltonne. Aber das ist natürlich Ansichtssache.

Nicht zu vergessen ist, dass der Film Der weiße Hai bis heute jede Menge weiterer Hai-Filme nach sich gezogen hat. Und nicht nur Haie waren plötzlich eine Bedrohung, nein, auch Killerwale und Piranhas gingen als menschenfressende Ungeheuer in die Filmgeschichte ein. Gerade in der jüngsten Zeit sind wieder jede Menge Hai-Filme auf den Markt gekommen, und ein Ende ist nicht in Sicht, denn zu allen Überfluss sind diese Filme auch noch in bestimmten Kreisen sehr angesagt und erfolgreich, so dass man fröhlich weiterproduziert. Aber an den ultimativen Hai-Klassiker Der weiße Hai kommen sie nicht heran.

Zum Schluss das Übliche 🙂 : Der weiße Hai gibt es auf VHS, DVD, LaserDisc und BluRay, wobei ich dem Fan des Films NUR (!) die BluRay nahelege, diese ist 1000 (!) Prozent perfekt, beinhaltet sie doch auch die eigentliche Ur-Synchronisation von 1975. Man hat 2004 unsinnigerweise eine neue deutsche Synchronfassung angefertigt, damit man eine 5.1 Mehrkanaltonabmischung erstellen konnte. Sich diese Fassung „anzuhören“ ist abzuraten, denn für echte Fans des Films ist das das schlimmste, was man machen konnte. Ansonsten gilt: Im Originalton ansehen. 😉 Von Piccolo-Film gibt es noch einen Zusammenschnitt auf Super 8, der auf 2 x 110 Meter-Rollen veröffentlicht wurde. Das macht eine Laufzeit von ca. 35 Minuten. Und natürlich läuft Der weiße Hai auch immer noch sehr oft im Fernsehen (manchmal leider auch in der neuen Synchronisation). Während in der guten alten Zeit dieses Meisterwerk in der ARD um 20:15 Uhr ungeschnitten zu bewundern war (früher durfte man so was noch, denn früher war alles besser ^^), muss man heute darauf hoffen, dass er nach 22 Uhr gezeigt wird, denn Der weiße Hai ist immer noch ab 16 Jahren freigegeben. Sollte man ihn vor 22 Uhr auf einem Sender erblicken, sollte man diese Ausstrahlung meiden, denn mit Schnitten ist zu rechnen. Und so was hat der Film nicht verdient.

 

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