Desperate Measures (1998)

USA 1998
mit Andy García, Michael Keaton, Marcia Gay Harden, Brian Cox…
Drehbuch: David Klass
Regie: Barbet Schroeder
Länge: 96 Minuten
FSK: ab 16 Jahren

Um das Leben seines zehnjährigen Sohnes zu retten, der dringend eine Knochenmarkspende benötigt, macht der Polizist Frank Conner (Andy García) in der Datenbank des FBI einen potentiellen Spender ausfindig. Doch Peter McCabe (Michael Keaton) ist ein verurteilter Mörder und Soziopath. Er willigt nur ein, um die Verlegung in ein Hospital zur Flucht zu benutzen. Dort geht dieser mit äußerster Brutalität vor, und der Polizist gerät in die widersprüchliche Situation, den Killer verfolgen und gleichzeitig vor dem tödlichen Zugriff seiner Kollegen retten zu müssen.

 

Es sind bekanntlich die kleinen Freuden, die einem den Tag versüßen. Egal ob eine schöne Situation auf der Arbeit, ein netter Abend mit den Freunden oder eben ein guter Film. Letzteres sorgte gestern bei mir für eine Freude. Der Actionthriller „Desperate Measures“ aus dem Jahr 1998 ist eine dieser kleinen Freuden, ein unauffälliger Genuss, denn der Film gehört zu dieser Reihe von unbekannteren Werken, die eine größere Aufmerksamkeit verdient hätten. Nach langer Zeit war es also wieder soweit, dass ich ihm mal wieder meine Aufmerksamkeit schenkte und feststellte, wie gut ich ihn immer noch finde.

Es dürfte bestimmt gute acht bis neun Jahre her sein, dass ich „Desperate Measures“ zum ersten Mal bei einem Kumpel auf DVD sah. Damals, als ich noch jung und unvernünftig war, und mein filmischer Horizont sich noch sehr in Grenzen hielt, stimmte ich zu diesen Streifen anzusehen. Immerhin schwärmte mein Kumpel von diesem „geilen Actionfilm“ und Action fand ich schon immer dufte. Außerdem prangte auf dem Cover die Tagline „COP. KILLER. TOD“, was soll da schon schief gehen? Richtig, nichts! Ich kann mich wirklich erinnern, dass ich den Film echt gut fand, doch danach habe ich ihn nie wieder gesehen. Als ich vor kurzem einen Artikel über den Film bei den Kollegen von DIE MEDIENHUREN gelesen habe, fielen mir einige Szenen wieder ein und ich wollte ihn unbedingt mal wieder anschauen. Gut, dass mir die DVD bei meinem Stammhändler ins Auge stach, lag sie doch so einsam im Regal, für einen Spottpreis. Schwupps war sie in meinem Besitz und landete im heimischen Player und ich führte genauso gut unterhalten wie einst. Die Handlung dreht sich um den Polizisten Frank, der eine Knochenmarkspende für seinen Sohn sucht und im soziopathischen Mörder Peter McCabe fündig wird. Der willigt ein und wird ins Krankenhaus eskortiert. Doch McCabe hat nicht vor als Spender für einen Franks leukämiekranken Sohn zu fungieren und geht stiften, was in einem explosiven Katz-und Mausspiel mündet. Die Story ist relativ einfach gestrickt aber sie funktioniert. Polizist jagt Verbrecher! Auch wenn manche Kritiker die Nase rümpfen, sowas funktioniert eigentlich immer beim Zuschauer, wenn man diese einfache Prämisse nur spannend genug zu verpacken weiß. Autor David Klass weiß es zu verpacken und gibt dem Ganzen eine emotionale Komponente. Unsere Hauptfigur Frank tritt als entschlossener Polizist aber auch als ängstlicher Vater auf den Plan, dessen einziges Ziel es ist, seinem Sohn das Leben zu retten. So wirkt Frank Conner gebrochen, am Ende seiner Kräfte, denn er hat schon scheinbar Alles unternommen um sein Kind von dieser Krankheit zu heilen. McCabe ist seine letzte Hoffnung und Der ist ein ziemlich ausgekochter Mistkerl. Nachdem beide Charaktere eingeführt wurden geht der Thriller direkt in die Vollen. McCabe schafft es zu flüchten und taucht in dem verwinkelten Krankenhaus ab. Ab hier wird der Film zum handfesten Actionthriller, der zu keiner Sekunde langweilig wird. Hier spürt der Zuschauer einen Hauch von „Die Hard“ (1988), denn ähnlich klaustrophobische geht es auch in „Desperate Measures“ zur Sache. Doch der Film verkommt nie zum einfachen Produkt, welches bekannte Motive aufgreift um den Zuschauer bei der Stange zu halten.

Der Film bleibt spannend, was zugegeben an den Charakteren liegt, die ziemlich stark in ihrer Erscheinung sind. Sie sind es, die den Film tragen und die Handlung vorantreiben, auch wenn hier eine Actionszene auf die Andere folgt. Besonders interessant ist, dass Conner sicherstellen muss, dass McCabe am Leben bleibt, denn ein toter Spender ist leider kein geeigneter Spender. Das ist nicht gerade einfach, denn McCabe scheint Leben und Tot relativ locker gegenüber zu stehen, produziert er doch einige Leichen auf seiner Flucht durch die Gänge, Lüftungsschächte und Aufzüge. Somit sind auch Conners Kollegen nicht gerade zurückhaltend und nehmen ein Ableben des Verbrechers durchaus in Kauf. Conner hingegen kämpft somit verbissen an zwei Fronten und genau das ist das Element, welches dem Film den Drive gibt. Es geht wirklich um etwas, Conner ist nachvollziehbar, denn wer würde nicht Alles für sein Kind tun? Die Verzweiflung ist spürbar und man fiebert wirklich mit der Hauptfigur, die einige Shootouts, Explosionen und halsbrecherische Stunts überstehen muss, auch wenn das nicht immer ganz realistisch ist. Mit Bravour wird dieser Mensch von Andy García gespielt, der eine viel größere Karriere verdient hätte, als er sie hingelegt hat. Er spielt seine Figur vielschichtig, denn er ist eine tragische Persönlichkeit, eine verzweifelte, wirkt aber nie lächerlich oder weinerlich. Man kauft ihm auch den harten Hund ab, der über seine Grenzen geht. Sein Gegenspieler wird von Michael Keaton dargestellt, der hier wirklich Alles gibt. Als hochintelligenter Mörder sorgt der ehemalige „Batman“ für Unbehagen, man will mit diesem Mann nicht in einem Raum sein. Keaton überzeugt nicht nur in Dialogszenen, welche im Zusammenspiel mit García ordentlich Spannung besitzen, sondern auch über die nötigen Actionqualitäten. Hier wurden die idealen Schauspieler gefunden, die ihre Rollen perfekt ausspielen. Etwas weniger überragend kommt dafür die Nebenbesetzung daher. Brian Cox verkommt als Einsatzleiter zum Stichwortgeber und wird somit verschenkt aber auch Marcia Gay Harden wird, als einzige Frauenfigur, nicht mehr zu teil, als sich um Opfer zu kümmern oder von Keaton bedroht zu werden. Auf der Habenseite befindet sich aber auch die Inszenierung von Barbet Schroeder. Der Regisseur des Alkoholiker-Dramas „Barfly“ (1987), mit Mickey Rourke, und des Thrillers „Kiss of Death“ (1994) zeigt seine Qualitäten für mitreißende Szenen und filmische Dynamik. Sowohl die ruhigen Momente, als auch die Actionsequenzen sind spannend inszeniert und besitzen ein gutes Timing. „Desperate Measures“ ist sicher, neben „Barfly“, sein bester Film. Nicht ganz so mitreißend ist der Score von Trevor Jones, der sich eher langweilig und belanglos gestaltet und keine wirklichen Akzente setzen kann. Trotzdem bliebt am Ende ein sehenswerter Film, der definitiv mehr Aufmerksamkeit verdient hätte und von dem eine Blu-Ray längst überfällig wäre!

Barbet Schroeders „Desperate Measures“ ist ein unterhaltsamer, spannender, sowie mitreißender Actionthriller, der zwar eine einfache Prämisse besitzt, welche aber sehr gut und effektiv ausgespielt wird. Trotz kleiner Drehbuchschnitzer und unterschriebenen Nebenfiguren funktioniert der Streifen durch seine gute Inszenierung und seine beiden Hauptdarsteller, die hier wirklich das Maximum herausholen und den Zuschauer knapp 100 Minuten fesseln!